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Von Anfang an dabei: Felice Balletta von der VHS Fürth

"Die Bundesrepublik Deutschland ist also ein Bundesstaat – mit wie vielen Ländern?" Felice Balletta, ein freundlicher Mann in Jeans und Karopullover, schaut herausfordernd in die Runde mit knapp 20 Frauen und Männern unterschiedlichen Alters. Er muss nicht lange auf gestreckte Arme warten. "16" lautet die richtige Antwort einer jungen Frau mit schwarzen Locken. Anhand einer politischen Deutschlandkarte und im regen Austausch mit seinen Schülern erläutert der gebürtige Fürther mit italienischem Vater die vier Strukturprinzipien des deutschen Staates: Bundesstaatlichkeit, Demokratie, Sozialstaatlichkeit und Rechtsstaatlichkeit.

Wir sind im "Modul 1: Politik in der Demokratie" des so genannten Orientierungskurses, der neben dem Sprachkurs der zweite Bestandteil des Integrationskurses ist. In ihm erwerben die Teilnehmenden Kenntnisse über die Rechtsordnung, die Geschichte und Kultur Deutschlands. Felice Balletta hat die Orientierungskurse in der Volkshochschule (VHS) Fürth von Anfang an geleitet – in zehn Jahren wurden es über 60. Das, obwohl der 46-jährige als Fachbereichsleiter "Deutsch/Integration/Einbürgerung und romanische Sprachen" ein überaus breites Aufgabenspektrum abdecken muss.

Im Unterricht steht Felice Balletta an der Tafel vor einer Deutschlandkarte. Landeskunde gehört zu den Unterrichtsinhalten der Orientierungskurse, die Felice Balletta leitet. Quelle: Gerd Fürstenberger

Neigung zu Politik und Landeskunde

"Es war mir immer wichtig, bei aller planerischen und strategischen Ausrichtung den Bezug zur pädagogischen Praxis nicht zu verlieren", betont er. Zur VHS war er Ende der 90er Jahre als Doktorand nach seinem Studium der Italianistik, Germanistik und Hispanistik als Italienisch- und Deutsch-Dozent gekommen. Zuvor hatte er ein fünfjähriges DAAD-Lektorat im französischen Nancy absolviert, während dem er unter anderem an der Universität Deutsch unterrichtete. "Der Unterricht war auch landeskundlich ausgerichtet. Das entsprach meinen Neigungen und ich konnte daran später gerade bei den Orientierungskursen gut anknüpfen."

Dass er die Leitung des vormals so genannten Fachbereiches "Deutsch und romanische Sprachen" gerade in dem Jahr übernahm, als das Zuwanderungsgesetz in Kraft trat, betrachtet er als glückliche Fügung. "Ich musste mich ja ohnehin einarbeiten und konnte so die Entwicklung und Ausdifferenzierung der Integrationskurse von Anfang an begleiten. Zu Beginn haben wir Träger die Testfragen der Orientierungskurse noch selbst entwickelt", erinnert er sich. 2009 gab es mit dem bundesweiten Test für den Orientierungskurs zum ersten Mal eine standardisierte Prüfung in diesem Bereich. Diese wurde 2013 durch den Test "Leben in Deutschland" (LiD) abgelöst, mit welchem gleich zum Abschluss des Integrationskurses die erforderlichen Kenntnisse über die deutsche Gesellschaft für eine spätere Einbürgerung nachgewiesen werden können. Parallel dazu wurde im Laufe der Jahre das Curriculum immer weiter ausgearbeitet und gesellschaftspolitisch vertieft. Die Dauer des Orientierungskurses verlängerte sich dabei von 30 auf 45 und schließlich auf 60 Stunden. "Da musste ich mir die Leitung dann teilweise mit Kollegen teilen." Zumal der Unermüdliche seit dem vergangenen Jahr außerdem Dozenten von Orientierungskursen weiterbildet.

Felice Balletta steht vor seiner Klasse im Orientierungskurs.Engagierter Pädagoge: Der eigene Unterricht in den Orientierungskursen ist Felice Balletta auch als Fachbereichsleiter der Volkshochschule wichtig. Quelle: Gerd Fürstenberger

"Fürther Modell" zur Anschlussförderung

Die Teilnehmerstruktur der Kurse hat sich über die Jahre immer wieder verändert. "Als ich angefangen habe, Deutsch zu unterrichten, kamen Iraker zu uns und viele Jugoslawen, heute sind es Syrer, aber aufgrund der Wirtschaftskrise auch wieder viele Europäer – oft hochgebildete Menschen mit Universitätsabschluss oder sogar Promotion." Felice Balletta bot in Fürth deshalb frühzeitig Intensivkurse an. Diese hat das Bundesamt auf besonders qualifizierte Menschen mit guten Lernvoraussetzungen zugeschnitten. Sie umfassen statt 660 nur 430 Unterrichtseinheiten. Besonderer Clou, der derzeit als "Fürther Modell" die Runde macht: Die für diese verkürzten Kurse vom Bundesamt gewährten Bonuszahlungen reinvestiert die VHS Fürth teilweise, um den Teilnehmern eine Anschlussförderung für weiterführende Deutschkurse zu ermöglichen.

"Seit es die Integrationskurse gibt, finden Menschen den Weg in die VHS, die vorher an uns vorbeigelaufen sind", sagt Balletta zufrieden. "Bei weitem die meisten Migranten sehen die Kurse als Chance, Deutsch zu lernen, und dank der finanziellen Förderung kann das jetzt im Prinzip auch jeder. Noch nie konnten so viele Menschen so leicht so professionellen Deutschunterricht erhalten – und dabei noch etwas über die Werte unserer Gesellschaft erfahren." Begegnungen mit früheren Schülern bestätigen ihm immer wieder den Sinn seiner Tätigkeit: "Manche Teilnehmer kommen später zu Französisch-, Excel- oder Babyschwimm-Kursen zu uns und betonen, dass wir ihnen nicht nur Deutsch beigebracht, sondern wirklich bei der Integration geholfen haben." Ob er selbst allerdings in Zukunft noch Orientierungskurse leiten kann, ist offen: Im September des Jahres wird Felice Balletta Direktor und Geschäftsführer der VHS Fürth.

Text: Gerd Fürstenberger

Datum 03.06.2015

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