BAMF - Bundesamt für Migration und Flüchtlinge - Meine zweite Familie in Oberbayern

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"Meine zweite Familie in Oberbayern"

Wenn Rony Goliana Gäste erwartet, nimmt er sich viel Zeit, um ein ausgiebiges Abendessen vorzubereiten. Heute hat er eine Linsensuppe, ein duftendes Reisgericht und ein Dessert mit Rosensirup gezaubert – natürlich alles nach syrischer Art. Für den 28-jährigen Bürgerkriegsflüchtling ist das selbst gekochte Essen ein Stück Heimat. "Für mich allein koche ich nicht so gern. Doch seit ich bei Miss Monika wohne, muss ich fast nie allein essen".

Miss Monika, so nennt Goliana seine Vermieterin, die gleichzeitig seine Mitbewohnerin ist. Die 60-Jährige lebte bis vor kurzem allein, weil ihr Mann verstarb und die Kinder lange ausgezogen sind. Dann kam Goliana eines Tages in ihre Kirchengemeinde in Ottobrunn und bat um eine Unterkunft. Jetzt bewohnt er ein Zimmer im Dachgeschoss ihres Hauses. Wenn Goliana von ihr spricht, beginnt sein Gesicht zu strahlen: "Ich bin sehr dankbar, dass ich hier sein kann. Es war sehr schwierig, eine Wohnung zu finden. Und nun habe ich so etwas wie eine zweite Familie, mit der ich meine Sorgen und meine Freude teilen kann."

Rony Goliana steht mit seiner Mitbewohnerin und Vermieterin, die er "Miss Monika" nennt vor der Haustür.Rony Goliana mit seiner Mitbewohnerin und Vermieterin "Miss Monika". Quelle: Rony Goliana

Als Goliana 2012 in Deutschland ankam, wohnte er erst einmal in einer Erstaufnahmeeinrichtung im Südosten von München. Ziemlich schnell kam er dort in Kontakt mit dem Asylhelferkreis der Gemeinde: "Sie haben mir sehr geholfen, besonders am Anfang. Ich konnte zwar schon Englisch, aber beim Jobcenter bist du gezwungen, Deutsch zu sprechen. Da brauchte ich Hilfe", berichtet Goliana während er den zweiten Gang auftischt.

Schritt für Schritt zur neuen Sprache

Heute kann Goliana so gut Deutsch, dass er andere Asylsuchende als Dolmetscher bei Behördengängen, Arztbesuchen und Schulterminen begleitet. Um so weit zu kommen, hat er in den letzten zwei Jahren aber auch viel gepaukt. Zuerst für den Integrationskurs, den er sechs Monate lang an einer Volkshochschule in München besuchte. Dort lernte er nicht nur Deutsch zu sprechen und das nötige Vokabular für Besuche bei Ämtern, sondern auch viel Neues über seine neue Heimat Deutschland.

Ein Zeitungsartikel zeigt ein Bild von Rony Goliana und erzählt seine Geschichte.Ein Zeitungsartikel über Ronys Zukunftspläne. Quelle: Stefanie Otto

Den anschließenden Orientierungskurs wollte Goliana unbedingt an derselben Volkshochschule besuchen: "Es war dort so familiär. Und ich wollte meine Mitschüler auch weiterhin treffen." Einige der damaligen Kursteilnehmer sind richtige Freunde für ihn geworden. Erst vor kurzem kamen sie alle zu seiner Geburtstagsfeier.

Zum Abschluss seines Integrationskurses musste er zwei Prüfungen ablegen. Neben der Sprachprüfung hat er in einem weiteren Test Fragen zu Landeskunde, Politik und Gesellschaft beantwortet, darunter auch ein paar über Bayern. "Für mich war das nicht so schwer, denn das Lernen bin ich noch aus der Schulzeit gewöhnt", berichtet Goliana stolz. Das Ergebnis seines Abschlusstests kann sich sehen lassen. Das ist dem Sprachtalent aber noch nicht genug. Zurzeit besucht er einen berufsbezogenen Sprachkurs, den sogenannten ESF-BAMF-Kurs, der von der Europäischen Union gefördert und vom Bundesamt für Migrations und Flüchtlinge organisiert wird. Dort erweitert er nicht nur seine Deutschkenntnisse, sondern übt sich auch im Bewerbungenschreiben und in Betriebswirtschaft.

Das große Ziel immer vor Augen

Als der Sprachkurs in den Sommerferien pausierte, suchte Goliana eine andere Möglichkeit, um weiterzukommen: "Ich kann ja Englisch, Arabisch und etwas Deutsch. Also dachte ich mir, ich suche mir einen Job im Tourismusbereich." Mit viel Elan und einem Lebenslauf in noch gebrochenem Deutsch bewarb er sich bei unzähligen Hotels. Bei einem bekam er dann auch ohne Vorerfahrungen seinen ersten Job. "Das war ein Riesenglück für mich! Im Hotel habe ich so viel über Deutschland und die deutsche Kultur gelernt. Was die Menschen essen, wie sie leben, Etikette, und das alles." 

Das Bildt zeigt Rony Goliana bei der Arbeit im Hotel.Rony Goliana bei der Arbeit im Hotel. Quelle: Rony Goliana

Sein großes Ziel ist es, an einer deutschen Universität zu studieren. Denn er musste aus Syrien fliehen, bevor er sein Diplom als Übersetzer für Englisch und Arabisch abschließen konnte. Er hofft, dass sein Deutsch in ein, zwei Jahren gut genug sein wird, um das Studium wieder aufzunehmen. "Ich will hier etwas Nützliches tun und meine Träume verwirklichen, die in Syrien zerstört wurden. Ich will nicht nur essen, schlafen und vom Jobcenter abhängig sein", sagt Goliana und steht auf, um das Dessert zu servieren. Noch ein Grund, warum er hier so gerne kocht: Er fühlt sich einfach gut, wenn er produktiv sein kann.

Text: Stefanie Otto

Datum 23.04.2015

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