BAMF - Bundesamt für Migration und Flüchtlinge - Der Pionier

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Der Pionier

Rolf Graser, Geschäftsführer des "Forums der Kulturen Stuttgart e.V."

"Was jetzt grade ansteht? Eine Band, die wir für unser SommerFestival der Kulturen gebucht haben, fällt aus, und ich muss einen Ersatz finden." Rolf Graser spricht - mit unverkennbar schwäbischem Akzent - aufmerksam und zugewandt, aber schnell. Der legere Anfangssechziger mit ungebändigten silbergrauen Haaren ist ein Mann, auf den immer schon die nächste seiner vielfältigen Aufgaben wartet: Da sind Projektbesprechungen und Telefonate mit Migrantenorganisationen oder Ämtern, die Akquise von Fördergeldern und Finanzcontrolling, die redaktionelle und grafische Gestaltung einer interkulturellen Monatszeitschrift und noch vieles mehr.

Graser ist ein Pionier der interkulturellen Arbeit. Von Beginn an war er die treibende Kraft des Dachverbandes "Forum der Kulturen Stuttgart e.V.", der heute 120 örtliche Migrantenvereine umfasst. Der Verband wurde vor 17 Jahren von rund 20 Vereinen initiiert und zunächst von Graser alleine und ehrenamtlich vom heimischen Wohnzimmer aus mit Leben gefüllt. Seither ist das Forum der Kulturen mit seinem Arbeitsbereich und immer neuen, innovativen Projekten kontinuierlich gewachsen. "Aus den Anfängen erklärt sich wohl, warum ich bis heute fast überall mitmische", lacht der ehemalige Verlagsbuchhändler. Inzwischen ist Graser Geschäftsführer des Verbands, und er kann auf immerhin 15 engagierte Mitarbeiter in der Geschäftsstelle am Stuttgarter Marktplatz zählen.

Auf Herz- und Augenhöhe

Heute übernimmt die Stadt rund 20 Prozent der Kosten des Forums. Der Großteil wird durch projektbezogene Zuschüsse, Stiftungen oder Förderungen der EU finanziert. "Seit 2005 ist das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge neben der Stadt Stuttgart einer unserer wichtigsten Förderer", betont Rolf Graser. "Es gehörte zu den ersten, die Migrantenorganisationen als Partner wahrnahmen und ihre Projekte unterstützten. Und es ist eine Zusammenarbeit, bei der man auch wirklich gehört wird."

Als Mittlerorganisation zwischen Migrantenvereinen und Einrichtungen des öffentlichen Lebens ist das Forum der Kulturen aus der baden-württembergischen Landeshauptstadt längst nicht mehr wegzudenken. Rolf Grasers kommunikative, Grenzen überwindende Art "auf Herz- und Augenhöhe" mit Migranten, egal welcher Herkunft, machte ihn früh zu deren Vertrauensperson und das Forum zu einem bundesweiten Vorbild, wenn es um das Fördern gleichberechtigter gesellschaftlicher Teilhabe Zugewanderter geht.

Eine Frau sitzt am Schreibtisch, ein Mann steht neben ihr und beide schauen in einen Ordner.Vielfältige Aufgaben: Bei der Verwaltungsarbeit wird Rolf Graser von Anna Labrinakou unterstützt. Quelle: Gerd Fürstenberger

Potenziale stehen im Mittelpunkt

"Unsere Arbeit war und ist stets an Potenzialen orientiert, nicht an Defiziten", betont der weltoffene Schwabe. So berät der Dachverband die Mitgliedsvereine etwa zu Finanzierung und Inhalten von Kulturveranstaltungen. Er vermittelt ihnen Kooperationspartner und unterstützt ihr bürgerschaftliches Engagement in der Eltern- und Bildungsarbeit, aber auch bei entwicklungspolitischen Aktivitäten. Zurzeit plant er ein "House of Resources", um Migrantenvereine noch stärker mit Räumen, Geräten und Technik, aber auch mit Rat unterstützen zu können.

Mit Qualifizierungsprogrammen für Migrantenvereine und Kultureinrichtungen ist das Forum der Kulturen auch landesweit aktiv. Rolf Grasers Initiative ist schließlich auch der Bundesfachkongress Interkultur (mit) zu verdanken, der alle zwei Jahre in wechselnden Städten stattfindet. Ziel des Kongresses ist es, die meist getrennt geführten Diskurse wie Kultur- und Bildungspolitik, Entwicklungs- und Integrationspolitik und interreligiöser Dialog zusammenzuführen und neue Politik- und Arbeitsansätze für die kommunale Praxis zu entwickeln. Das Forum der Kulturen ist an der Planung beteiligt und gehört zum Trägerkreis des Kongresses. Für sein vielfältiges Engagement wurde Graser 2013 mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.

Eine Gruppe aus drei Frauen und einem Mann sitzen am Tisch. In der Mitte liegen Flyer die besprochen werden.Teamarbeit: Graser und seine Mitarbeiterinnen planen eine Vielzahl an Aktivitäten, um die Potenziale der Migrantenvereine in Stuttgart stärker sichtbar zu machen. Quelle: Gerd Fürstenberger

Kulturelle Vielfalt ist der Schlüssel

Was treibt Rolf Graser an? Er muss nicht lange überlegen: "Es ist zum einen die tief sitzende Überzeugung, dass sich unsere Gesellschaft nur auf der Basis kultureller Vielfalt positiv weiterentwickeln kann. Alles, was mit Grenzen zu tun hat, ob im Kopf, national oder kulturell, ist hinderlich." Und er ergänzt: "Und dann macht mir die Arbeit auch einfach Spaß: Ich habe es fast durchweg mit Menschen zu tun, die offen, engagiert und lebendig sind. Ich sehe etwa mit dem SommerFestival der Kulturen oder unserer Zeitschrift greifbare Ergebnisse, und natürlich ist auch das positive Echo auf unsere Arbeit eine große Motivation." Wichtigstes Ziel des 61-Jährigen für die nächsten Jahre ist es nun, den "schmalen Baum" Forum der Kulturen mit seiner "großen Projektkrone" zu stabilisieren - finanziell, aber auch mit neuen Räumen für interkulturelle Begegnung in einem "Haus der Kulturen".

Text: Gerd Fürstenberger

Datum 31.08.2015

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