BAMF - Bundesamt für Migration und Flüchtlinge - Neuanfang in Iserlohn

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"Neuanfang in Iserlohn"

Wenn Maria Lindner den Orientierungskurs an der Deutschen Angestellten-Akademie (daa) in Iserlohn betritt, hat sie ein Lächeln auf den Lippen. Heute will sie den Teilnehmern einen weiterführenden Kurs empfehlen, der auf den Berufseinstieg vorbereiten soll. Man merkt, dass ihr die Menschen dort am Herzen liegen. Auch danach im persönlichen Gespräch findet sie sofort einen Draht zu ihnen. Das liegt vielleicht daran, dass sie noch nicht ganz so perfekt Deutsch spricht wie ihre Kollegen. Oder aber, weil sie selbst vor kurzem in solch einem Kurs saß. Denn die gebürtige Polin lebt erst seit drei Jahren in Deutschland.

Zur Sozialarbeiterin berufen

Bis vor wenigen Jahren verbrachte Maria Lindner ihren Alltag als Hausfrau. Mit Mitte Vierzig jedoch entschloss sie sich etwas für sich selbst zu tun und doch noch ins Arbeitsleben einzusteigen. Die Wahl einer beruflichen Richtung fiel ihr nicht schwer: "Früher habe ich mit meinen Bekannten in meiner Küche gesessen und Kaffee getrunken. Dabei haben wir über unsere Probleme geredet. Das war schon so etwas wie soziale Arbeit." Anderen Menschen in schwierigen Lebenslagen zu helfen, das hat ihr schon immer gut gefallen. Kurze Zeit später wurde sie durch ein Plakat auf die Ausbildung zur Sozialarbeiterin aufmerksam. Diese absolvierte sie in ihrer Heimatstadt Szczecin und studierte im Anschluss Soziologie.

Eine Anstellung fand sie bei einer polnischen Krankenkasse, wo sie Menschen bei der Wiedereingliederung half. Doch die Berufschancen für Sozialarbeiter seien in Polen nicht sehr vielfältig, bedauert Maria Lindner. Überhaupt sei soziale Arbeit noch nicht so anerkannt wie hier und die Bezahlung dementsprechend gering. Deshalb entschied sie sich in Deutschland ganz neu anzufangen.

Für eine alleinstehende Frau in ihrem Alter nicht gerade leicht. Doch sie kämpfte sich durch. Hier in Iserlohn im Sauerland kannte sie Freunde. Also besuchte sie 2012 zuerst den Integrationskurs bei der Caritas. Dann suchte sie nach einer Möglichkeit, um wieder in ihrem gelernten Beruf zu arbeiten. Doch dazu fehlte ihr noch ein Praktikum zur Anerkennung ihres Abschlusses.

Maria Lindner sitzt in ihrem Büro am Schreibtisch neben ihr steht ihre Kollegin.Maria Lindner im Beratungsgespräch. Quelle: Stefanie Otto

Ein dreifacher Glücksfall

Bei der daa in Iserlohn fand sie dann nach langem Suchen einen berufsbezogenen Sprachkurs (den sogenannten ESF-BAMF-Kurs), bei dem sie gleichzeitig das notwendige Praktikum im Haus absolvieren konnte.

Der Kurs richtete sich speziell an Frauen, die nach längerer Pause wieder arbeiten wollen. So fand Maria Lindner auch Menschen, denen es ähnlich ging wie ihr. "Da im Kurs alle aus anderen Ländern kamen, mussten wir uns auf Deutsch verständigen. Das war schwer, aber es hat viel gebracht. Wir haben auch nicht nur Grammatik gelernt, sondern unsere Rechte und Pflichten als Bürger, alles über den Arbeitsmarkt, wie man sich bewirbt, und so weiter. In Polen funktioniert das alles ganz anders."

Neben dem Praktikum, bei dem sie schon selbst Beratungen übernahm, besuchte sie regelmäßig Lehrveranstaltungen an der Hochschule Bochum. Nach mehreren Prüfungen war es dann endlich geschafft: Im Herbst 2014 wurde ihr Abschluss als Sozialarbeiterin offiziell anerkannt. Auch die B2-Prüfung hat sie erfolgreich gemeistert, will in Zukunft aber noch sicherer in der deutschen Sprache werden.

Für die anderen Teilnehmer ist Maria Lindner ein großes Vorbild. Aber sie ist auch dankbar: "Ohne Unterstützung von Sozialarbeitern, Einrichtungen wie dieser oder vom Amt haben die Leute keine Möglichkeit sich zu integrieren. Die Verständigung ist sehr schwer. Ich bin eine starke Frau. Aber nicht alle Leute sind wie ich. Nicht alle wissen, wo sie Beratung bekommen können, an welche Tür sie klopfen können."

Die Dozenten sind heute ihre Kollegen

Maria Lindner sitzt in ihrem Büro am Schreibtisch neben ihr steht ihre Kollegin.Maria Lindner mit ihrer Kollegin am Arbeitsplatz. Quelle: Stefanie Otto

Seit Ende 2014 ist Maria Lindner nun eine von fünf festangestellten Sozialarbeitern an der daa in Iserlohn. "Ich betreue die Teilnehmer der berufsbegleitenden Kurse, zum Beispiel, wenn jemand ein Praktikum sucht. Ich informiere über die Möglichkeit soziale Hilfen zu bekommen. Das ganze Bildungssystem in Deutschland erkläre ich ihnen und auch den Anerkennungsprozess für qualifizierte Teilnehmer. Also mache ich die gleiche Beratung, wie ich sie vorher hier von den Mitarbeitern bekommen habe."

Um die Teilnehmer für einen Beruf zu motivieren, organisiert sie außerdem Besuche in Betrieben, vermittelt Praktika und Fortbildungen oder findet Experten, wenn jemand schwerwiegendere Probleme hat. Dabei berät sie oft Menschen, denen es schwer fällt die Sprache oder einen Beruf zu erlernen. "Ich sage zu ihnen, wenn ich in meinem Alter das geschafft habe, dann schaffen sie es auch."

Text: Stefanie Otto

Datum 19.05.2015

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