BAMF - Bundesamt für Migration und Flüchtlinge - Die Brückenbauerin

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Die Brückenbauerin

Porträt über Sonja Marek

In Sonja Mareks Büro im Zentrum der niedersächsischen Landeshauptstadt ist der Schreibtisch in die Ecke neben der Tür verbannt. Ihre Besucher bittet sie lächelnd zum eigentlichen Herzstück des Raumes im Stammhaus des Diakonischen Werks Hannover: einem einladenden, annähernd runden Besprechungstisch: "Ich wollte den Menschen, die bei mir Rat und Unterstützung suchen, schon immer nicht hinter Barrieren, sondern auf Augenhöhe begegnen", sagt die erfahrene Migrationsberaterin. "Sie sollen sich mit ihren Fragen und Nöten angenommen fühlen."

Die Diplom-Sozialpädagogin und -arbeiterin leitet heute die Abteilung ProMigration und ist unter anderem für die Migrationsberatung zuständig. Lange Jahre hat sie im Rahmen der "Migrationsberatung für erwachsene Zuwanderer" (MBE) sowie der "Jugendmigrations­dienste" (JMD) selbst Migranten beraten und ihnen Hilfestellung bei den ersten Schritten in der neuen Heimat geboten. Die Migrationsberatung unterstützt und begleitet in vielfältiger Weise Migranten, die in Deutschland bleibeberechtigt sind. Häufig sind es Menschen, die sich erst kurze Zeit hier aufhalten und eine Erstorientierung benötigen. Es werden aber auch Zuwanderer betreut, die schon mehrere Jahre in Deutschland leben. Die Migrationsberatung soll ihren Integrationsprozess fördern. In der Regel dauert die sozialpädagogische Betreuung und Begleitung über etliche Monate an. In bestimmten Fällen kann sie aber auch mehrere Jahre in Anspruch nehmen.

Sonja Marek und ihre Kollegin stehen von der Eingangstür der Migrationsberatungsstelle. im Hintergrund ist ein Schild mit der Aufschrift "Diakonisches Werk Hannover" zu sehen. Die Tür der Migrationsberatung steht allen Zuwanderern offen, die bei den ersten Schritten in ihrer neuen Heimat Hilfe benötigen. Quelle: Gerd Fürstenberger

Erste Vertrauensperson in einem fremden Land

Im Sinne eines professionellen Fallmanagements ermitteln Berater und Zugewanderte gemeinsam den jeweiligen Unterstützungsbedarf und entwickeln einen Förderplan. "Die Fragen und Anliegen sind von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich, und es geht dabei nicht immer nur um reine Migrationsthemen", betont Sonja Marek. Wer wissen will, wo er Deutsch lernen kann, den vermitteln die Berater an die Träger von Integrationskursen. Andere Ratsuchende erhalten Aufklärung zu Transferleistungen, zur Familienzusammen­führung, zum Schulsystem oder zur Kinderbetreuung, oder sie werden im Umgang mit Ämtern oder Vermietern unterstützt. "Dabei geht es uns immer darum, die Migranten auf ihrem Weg in die Selbständigkeit zu begleiten." Da die Berater häufig zu den ersten gehören, die im fremden Land das Vertrauen der Zugewanderten gewinnen, erfahren sie manchmal "nebenbei" auch etwa von Sucht- oder Gewaltproblemen. Ihre Aufgabe ist dann, die Ratsuchenden an die entsprechenden Hilfsangebote weiterzuleiten.

"Wir bauen Brücken und bereiten Wege", bringt die erfahrene Beraterin Sonja Marek ihr Selbstverständnis auf den Punkt. Das kann auch ihre Kollegin Natalja Letuschow aus eigener Erfahrung bestätigen. Die ehemalige Lehrerin für Russisch und russische Literatur kam vor 14 Jahren mit ihrer Familie als Spätaussiedlerin aus Kasachstan nach Deutschland, und Sonja Marek selbst beriet die junge Frau zu ihren beruflichen Chancen: "Frau Marek gab mir Mut und zeigte mir die nötigen Schritte, damit ich die Hochschulreife anerkannt bekam und Sozialpädagogik studieren konnte", erinnert sich Natalja Letuschow. "Wir waren ja in Deutschland wie blinde Katzen, unwissend und ängstlich. Frau Marek hat mir geduldig zugehört, und ich spürte, dass sie mich versteht. Da ich noch kaum Deutsch konnte, half sie mir auch, die Briefe und Anträge zu formulieren. Sie hat mich überhaupt erst auf meinen Weg gebracht."

Sonja Marek und Ihre Kollegin Natalja Letuschow sietzen gemeinsam am Tisch. Vor ihnen liegen die Unterlagen eines Klienten.Jeder Fall ist anders: Migrationsberaterinnen Sonja Marek (links) und Natalja Letuschow tauschen sich über die Anliegen ihrer Klienten aus. Quelle: Gerd Fürstenberger

Keinen einzigen Tag bereut

Mit dem Zuwanderungsgesetz wurde die Migrationsberatung im Jahr 2005 neu strukturiert. Für die Erwachsenenberatung ist seither das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge zuständig, das die Wohlfahrtsverbände mit der Durchführung beauftragt hat. "Wir beraten in unseren Einrichtungen heute alljährlich Menschen aus über 50 Ländern, bis hin zu Flüchtlingen, die über das sogenannte Resettlement auf Dauer bei uns bleiben," erklärt Sonja Marek, die selbst in jungen Jahren 1977 als Aussiedlerin aus Polen nach Deutschland gekommen war. "Wir lernen dabei immer wieder neu, uns auf die unterschiedlichsten Mentalitäten und Schicksale einzustellen, denn wir wollen jede Person individuell annehmen und ihr das Gefühl geben willkommen zu sein."

Im Lauf der Jahre ist das Netzwerk der Migrationsberatung umfassender geworden: "Man kennt und findet uns heute. Wir werden von den Ausländerbehörden und Jobcentern als Partner wahrgenommen und stellen uns auch selbst vor Ort bei Integrationskursen vor." Die Wohlfahrtsverbände in Hannover bieten seit 2008 zudem direkt in der Ausländerbehörde Beratung an, bei der sie sich täglich abwechseln.

Sonja Marek ist sich des Wertes ihrer Tätigkeit bewusst und bekommt diesen bei Begegnungen mit ehemaligen Klienten auch immer wieder bestätigt. "Sie haben ihren Weg gefunden. Die meisten von ihnen sind in Beschäftigung und tragen zum Wohl der Gesellschaft bei, ob als Arzt, Rechtsanwalt oder Facharbeiter. Ich mache diese Arbeit nun seit fast 30 Jahren und habe noch keinen einzigen Tag bereut."

Text: Gerd Fürstenberger

Datum 21.08.2015

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