BAMF - Bundesamt für Migration und Flüchtlinge - Eine Mathematikerin entdeckt ihr Herz für Leipzig

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Eine Mathematikerin entdeckt ihr Herz für Leipzig

Porträt über Olena Schwarze

Das vierte Porträt der Reihe 10 Jahre – 10 Geschichten erzählt von Olena Schwarze. Die Lehrerin lebt seit 2005 in Leipzig, hat Deutsch gelernt, einen Integrationskurs besucht und unterrichtet nun selbst Kinder von Einwanderern in Mathematik.

Eine Frau und ein Junge sitzen an einem TischIn den Nachhilfestunden hilft Olena Schwarze Schülern in Mathematik. Quelle: Stefanie Otto

Als Olena Schwarze das erste Mal nach Leipzig kam, hätte sie nie gedacht, dass in dieser Stadt jemals ihr Lebensmittelpunkt sein würde. 2002 war die gebürtige Ukrainerin aus Lugansk dort zu Besuch bei Freunden. Eines Abends lernte sie bei einer Restauranteröffnung den Koch René kennen, der ihr auf Anhieb gefiel. 

"Danach habe ich ihn öfter im Restaurant besucht, um eine Tasse Kaffee zu trinken. Da fand ich ihn schon richtig toll. Obwohl er kein reicher Mann war, aber in der Seele war er reich. Und da hab ich mir gedacht 'Ja, den nehme ich´", erzählt sie mit einem Augenzwinkern.

Sie blieben in Kontakt, auch wenn es schwer war. Olena Schwarze war damals Anfang 30, hatte in ihrer Heimat Mathematik studiert und an einer Grundschule unterrichtet. In den 90er-Jahren verlor sie ihre Stelle und musste sich mit verschiedenen Jobs über Wasser halten. Schließlich stieg sie in den Betrieb ihrer Eltern ein.

Die Ferien, die alles veränderten 

Im Sommer 2003 zog es sie wieder nach Leipzig, diesmal mit ihrer Tochter im Grundschulalter. "Meine Tochter hat damals auch schon ihre ersten Wörter Deutsch gelernt. Eines Tages hat sie eine kleine Geschichte auf Deutsch geschrieben. Die ging so: Es gab einmal eine Familie. Das waren Mama, Papa René und Gela. Eigentlich hat sie uns also schon die Zukunft vorhergesagt."

Und so kam es auch: Zwar war es nicht ganz einfach, alle Dokumente für die Heirat zusammenzubekommen. Doch im März 2005 feierten sie ihre Hochzeit. Nach einem weiteren halben Jahr Wartezeit konnte Olena Schwarze endlich mit ihrer Tochter zu ihrem Mann nach Leipzig ziehen.

Verliebte verstehen sich auch ohne Worte 

Dort merkte sie schnell, dass sie ohne Deutschkenntnisse nicht weit kommen würde. Ihre Tochter lernte die Sprache in der Schule. Sie selbst hatte von ihrem Mann ein paar Wörter aufgeschnappt. Doch für die Gänge zum Arbeitsamt reichte das nicht. "An der Grundschule habe ich damals eine Mutter kennengelernt, die selbst aus Russland kam. Sie hat mich dann zu ihrem Deutschkurs mitgenommen."

Bei dem Verein Zuhause e.V. besuchte Olena Schwarze dann den Integrationskurs und lernte Deutsch bis zum B1-Niveau. Noch heute ist sie sehr froh, diese Chance bekommen zu haben. „Der Kurs hat mir viel gebracht. Denn allein konnte ich das nicht lernen. Mein Mann war immer beschäftigt. Wenn ich ihn frage, ob ich dies oder jenes korrekt gesprochen habe, sagt er 'Sprich weiter! Ich verstehe dich.' – Ja, das ist zwar schön, wenn man sich auch nur mit Blicken versteht. Aber die anderen Leute?“

Von der Schülerin zur Lehrerin 

Ein Schüler wischt Gleichungen von der Tafel, daneben steht eine Frau und schaut in ein BuchDie Lehrerin Olena Schwarze gibt jetzt Mathematikunterricht in Förderklassen. Quelle: Stefanie Otto

Dank des Kurses konnte sie sich endlich auch mit anderen Mitmenschen verständigen. Doch zunächst fand sie nur Jobs als Aushilfe. Nach weiteren Behördengängen und Wartezeiten wurde endlich auch ihr Abschluss als Mathematiklehrerin hier anerkannt. Daraufhin erhielt sie die Möglichkeit, Kindern von Einwanderern zu helfen. "Ich wurde von meiner Sprachschule eingeladen, Mathe-Nachhilfe zu geben. Diese Arbeit hat mir auf Anhieb gefallen. Hier habe ich oft nur ein oder zwei Schüler. Und sie sind hier viel konzentrierter als in der Schule", berichtet Schwarze. Seit 2013 unterrichtet sie zusätzlich an zwei Tagen die Woche Förderklassen der siebten und achten Stufe an einer Leipziger Mittelschule.

Text: Stefanie Otto

Datum 03.07.2015

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