BAMF - Bundesamt für Migration und Flüchtlinge - Die Verbandsarbeiterin

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Die Verbandsarbeiterin

Hetav Tek, Stellvertretende Vorsitzende des Deutschen Bundesjugendrings (DBJR) und Bundesvorsitzende der djo - Deutsche Jugend in Europa

"Es gibt so viele Möglichkeiten, sich ehrenamtlich zu engagieren, einen Beitrag für die Gesellschaft zu leisten!" Kaum jemand weiß das – aus eigener Erfahrung – so gut wie Hetav Tek (33). Und kaum jemand weiß auch besser als das einstige Flüchtlingskind, was ehrenamtlich möglich ist: Heute hat die Stimme der gebürtigen Kurdin nicht nur in der bundesweiten Jugendverbandsarbeit größtes Gewicht, sie ist auch in international besetzten Fachkonferenzen und nicht zuletzt bei den politischen Entscheidern in Sachen Migration, Integration, interkultureller Öffnung und Asyl in Berlin gefragt – bis hoch zur Bundeskanzlerin und dem Bundespräsidenten.

Im Alter von vier Jahren ist Hetav Tek mit ihren Eltern aus dem Iran über Frankreich und Holland nach Deutschland geflüchtet. In ihrer neuen Heimatstadt Wuppertal bekam sie zum Glück schnell einen Kindergartenplatz und konnte rasch Fuß fassen. Bereits im Alter von 13 Jahren begann sie, sich im kurdischen Kinder- und Jugendverband KOMCIWAN ehrenamtlich zu betätigen: "Damals ging es mir erst einmal darum, Freunde zu finden und Spaß zu haben", erinnert sich Hetav Tek. "Doch dann habe ich schnell gemerkt, dass ich im Verband viel lernen, meine Kompetenzen entwickeln und – das Wichtigste – als kurdische Jugendliche für kurdische Jugendliche etwas bewegen kann. Und ich verdanke es meinem Verband, dass ich mich heute als Deutsche mit kurdischen Wurzeln verstehe." Ihr Engagement brachte sie 2006 in den Bundesvorsitz ihres Verbands (bis 2010), ein Jahr später wurde sie dann zur Bundesvorsitzenden der djo-Deutsche Jugend in Europa gewählt, zu deren Mitgliedsverbänden KOMCIWAN gehört, und 2011 dann zudem zur stellvertretenden Vorsitzenden des Deutschen Bundesjugendrings.

Gefragte Partner in Politik und Verwaltung

Jugendverbände von und für Migranten haben laut Hetav Tek in den letzten zehn Jahren in der deutschen Jugendverbandslandschaft immer mehr an Gewicht gewonnen: "Während man sie früher eher kritisch beäugte, da man sich vor 'Parallelgesellschaften' fürchtete, werden sie jetzt von Politik und Verwaltung als Partner ernst genommen. Das beste Indiz: Heute wird nicht mehr diskutiert, ob sie gefördert werden sollen, sondern nur noch wie." Einige sind vom zuständigen Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend – über Projektförderungen hinaus – in die Regelförderung aufgenommen worden. "Das ermöglicht eine hauptamtliche Geschäftsführung und schafft so neben Planungssicherheit auch fachlich mehr Kontinuität und Verlässlichkeit."

Gerade die fachliche Kompetenz in den Migranten-Jugendverbänden werde heute von Politikern und Ämtern – zuvörderst dem BAMF – sehr geschätzt. "Wir werden in Entscheidungsprozesse einbezogen und regelmäßig als Referenten oder zu Thementischen eingeladen." Außerdem sei man sich heute bewusst, dass solche Verbände Jugendliche erreichen, die andere Verbände nicht erreichen. "KOMCIWAN etwa gibt jungen Kurden die Möglichkeit, in Deutschland gesellschaftlich zu partizipieren und leistet somit einen wichtigen Beitrag zu deren Integration." Mehr noch: "Ob deutsch oder nicht, Jugendverbände sind Werkstätten der Demokratie. Einerseits mit ihren demokratischen Abläufen, aber auch, weil sie zum gesellschaftlichen Engagement anregen und dazu, Verantwortung zu übernehmen." So sieht Hetav Tek es angesichts der großen Flüchtlingszahlen als gegenwärtig besonders wichtige Aufgabe der Jugendverbandsarbeit, sich jungen Flüchtlingen zu öffnen und neue Verbände etwa für Äthiopier oder Syrer zu gründen, "die sich sonst nirgendwo aufgehoben fühlen." Auch sie sollen einen Ort haben, an dem sie partizipieren können.

Umzug in die Bundeshauptstadt

Im Oktober ist Hetav Tek nun nach Berlin gezogen. Ein logischer Schritt, schließlich spielt sich ein Großteil ihrer Arbeit als Lobbyistin junger Migranten seit jeher in der Hauptstadt und in direktem Kontakt mit der Bundesregierung ab. Die Industriekauffrau hat dort auch eine hauptamtliche Stelle als politische Geschäftsführerin beim Kurdistan Kultur und Hilfsverein e.V. angenommen, aber bewusst auf 50 Prozent beschränkt, um ihre Ehrenämter weiterführen und ihre in 20 Jahren erworbenen Kenntnisse in der Jugendverbandsarbeit weiterhin teilen zu können. "Ich bekomme von den Ehrenämtern viel mehr, als man mit Geld aufwiegen kann", sagt sie und klingt dabei vollkommen überzeugend.

Text: Gerd Fürstenberger

Datum 16.10.2015

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