BAMF - Bundesamt für Migration und Flüchtlinge - Fachtagung ProPK

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Bundesweite Fachtagung im Bundesamt für Migration und Flüchtlinge

Kompetent gegen Islamfeindlichkeit, Islamismus und dschihadistische Internetpropaganda

Dr. Manfred Schmidt steht am RednerpultIn seiner Eröffnungsrede betonte Dr. Manfred Schmidt die Notwendigkeit einer behördenübergreifenden Zusammenarbeit

Unter diesem Titel diskutierten vom 26. bis zum 27. Mai 2014 rund 140 Expertinnen und Experten der Polizei aus dem gesamten Bundesgebiet im Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) in Nürnberg über die aktuellen Entwicklungen und Lösungsansätze in diesem Bereich.

Die Fachtagung wurde in Zusammenarbeit mit dem Programm Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes (ProPK) und der Clearingstelle Präventionskooperation im Bundesamt durchgeführt.

Programm Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes

Das Programm Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes (ProPK) verfolgt seit mehr als 40 Jahren das Ziel, die Bevölkerung, Multiplikatoren, Medien und andere Präventionsträger über Erscheinungsformen der Kriminalität und Möglichkeiten zu deren Verhinderung aufzuklären. ProPK nutzt hierfür u. a. Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. So entwickelt und vertreibt ProPK Medienpakete, Maßnahmen und Konzepte für die Polizeidienststellen vor Ort. Ziel ist die Unterstützung der Präventionsarbeit der Polizei.

4,3 Millionen Muslime in Deutschland

Nach Erhebungen des Bundesamts für die Studie "Muslimisches Leben in Deutschland" leben hierzulande über 4,3 Mio. Menschen muslimischen Glaubens. Fast die Hälfte von ihnen ist jünger als 25 Jahre. Muslime stellen innerhalb der Bundesrepublik Deutschland die drittgrößte Glaubensgemeinschaft dar.

In der Zusammenarbeit hat sich in der Vergangenheit immer wieder gezeigt, dass es auf Seiten der Muslime durchaus Vorbehalte gegen behördliche Institutionen und Einrichtungen gibt. Diese Vorbehalte aufzulösen und in einen offenen, vertrauensvollen Dialog einzutreten ist das Ziel der Bemühungen. Hierfür tritt neben der Deutschen Islamkonferenz auch das Bundesamt mit seiner Clearingstelle Präventionskooperation ein.

Durch seine gesamtgesellschaftliche Akzeptanz wird das Bundesamt, wie auch die Kriminalprävention, sehr gut angenommen und agiert erfolgreich als Schnittstelle zwischen der muslimischen Community und den Sicherheitsbehörden. Vor diesem Hintergrund war die gemeinsame Veranstaltung nur eine logische Konsequenz.

Präventionsarbeit als gesamtgesellschaftliche Aufgabe

Jugendliche für unterschiedliche Propagandamethoden zu sensibilisieren, Radikalisierung frühzeitig vorzubeugen und eine aktive Teilhabe an der Gesellschaft zu fördern ist nicht nur Aufgabe der polizeilichen Kriminalprävention. Vielmehr handelt es sich hierbei um eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die nur im Zusammenwirken aller beteiligten Akteure erfolgreich sein kann. Das Bundesamt unterstützt und fördert diesen Weg auf vielfältige Weise, unter anderem mit der Arbeit der Clearingstelle Präventionskooperation und der Beratungsstelle Radikalisierung.

Vor dem Hintergrund der aktuellen Entwicklung im Bereich der islamistischen Szene fällt der Präventionsarbeit der Polizei und ihrer muslimischen Kooperationspartner eine besondere Bedeutung zu. Hierbei sind sich alle Beteiligten einig, dass ein Dialog auf Augenhöhe zwischen der Polizei und den muslimischen Bürgerinnen und Bürgern eine wesentliche Voraussetzung zur gesellschaftlichen Teilhabe leistet.

Neues Medienpaket „Mitreden“

Bereits im Jahr 2012 führte ProPK gemeinsam mit dem Verein ufuq im gesamten Bundesgebiet Schulungen für die Polizei zum Thema Islamismus durch. Parallel zu den Schulungsmaßnahmen wurde ein neues Medienpaket erarbeitet, welches im Rahmen der Veranstaltung dem anwesenden Fachpublikum vorgestellt wurde. Unter dem Titel „Mitreden“ ist neben zwei Filmen auch ein pädagogisches Begleitheft erhältlich.

Mit den Filmen sollen in erster Linie Jugendliche in den Schulen angesprochen und gegenüber islamistischer Propaganda immunisiert werden. Vor dem Hintergrund der Entwicklungen in Syrien, aber auch vor dem großen Zulauf der salafistischen Szene in Deutschland, leistet das Medienpaket von ProPK einen wichtigen Beitrag im Bereich der Prävention. Die Filme sollen u. a. dazu beitragen, Jugendliche gegen einfache Weltbilder zu immunisieren und ihre Medienkompetenz gegenüber islamistischen Inhalten zu stärken.

Weiterhin sollen die Jugendlichen angeregt werden, sich mit dem Dschihad-Begriff konstruktiv auseinanderzusetzen und das Wissen vermittelt bekommen, Widersprüche in der islamistischen Ideologie zu erkennen. Polizeibeamte leisten durch die Präsentation und Begleitung im Unterricht einen wertvollen Beitrag zur Stärkung der Jugendlichen. Daneben sind sie hervorragend in der Lage, den Schülern einen breiten Einblick in die Thematik zu geben.

Expertise aus der Praxis

Abgerundet wurde die Vorstellung des Medienpaketes durch begleitende Fachvorträge. So stellte BAMF-Mitarbeiter Gerhard Kopp die Arbeit der Clearingstelle Präventionskooperation vor, welche das Ziel verfolgt, die Zusammenarbeit von Sicherheitsbehörden und muslimischen Organisationen auf Bundes- und Landesebene zu stärken. Die Förderung eines länderübergreifenden Dialogs und Informationsaustausches ist eine ihrer Kernaufgaben.

Florian Endres am RednerpultFlorian Endres (BAMF) bei der Vorstellung der Beratungsstelle Radikalisierung

Sein BAMF-Kollege Florian Endres von der Beratungsstelle Radikalisierung schilderte zusammen mit André Taubert von VAJA e.V. die Arbeit der Beratungsstelle im Bundesamt. Anhand von Beispielen wurde die Emotionalität und Komplexität der Angehörigenberatung herausgearbeitet. Die Angehörigen sind oftmals der letzte Bezug von radikalisierten Personen in die Gesellschaft. Diesen zu bewahren und den Angehörigen eine helfende Hand zu reichen ist eine Aufgabe, die das Team von der Beratungsstelle jeden Tag aufs Neue, trotz aller Widrigkeiten bewältigt.

Claudia Dantschke vom Zentrum für Demokatische Kultur analysierte die Entwicklungen in der salafistischen Szene in Deutschland und lieferte Erklärungen für die Attraktivität des politischen Salafismus und des Dschihadismus bei Jugendlichen in Deutschland.

Des Weiteren schilderten Aycan Demirel von der Kreuzberger Initiative gegen Antisemitismus, Dirk Sauerborn von der Polizei Düsseldorf und Thomas Mücke vom Violence Prevention Network ihre in der täglichen Arbeit gemachten Erfahrungen und stellten ihre jeweiligen Lösungsansätze vor.

Im Rahmen von Podiumsdiskussionen fand zwischen den Referenten und den Gästen eine intensive, teilweise auch kontroverse Diskussion statt. Neben Fragen zur inhaltlichen Ausgestaltung des Medienpaketes „Mitreden“ wurde u. a. kritisch aus dem Teilnehmerkreis nachgefragt, welche Institutionen für die Arbeit mit Radikalisierten am besten geeignet seien. Hier zeigte sich, dass es seitens der Diskussionsteilnehmer verschiedene Ansätze gibt.

Präventionsarbeit – ein unverzichtbarer Bestandteil polizeilichen Handelns

Einig waren sich zum Abschluss der Tagung alle Teilnehmer, dass die Präventionsarbeit im Allgemeinen, aber besonders die Präventionsarbeit zwischen Muslimen und Polizei einen unverzichtbaren Bestandteil des polizeilichen Handelns darstellt. Gegenseitiges Vertrauen und Wissen voneinander sind die Basis für eine gute und erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen Muslimen und Sicherheitsbehörden. Gleichwohl die Erfolge von Prävention nur schwer messbar sind, ist die Präventionsarbeit unerlässlich.

Das neue Medienpaket bietet einen guten Ansatz für die Auseinandersetzung und die Diskussion mit der nach wie vor aktuellen Thematik Islamismus / Salafismus. Aus den Rückmeldungen der Teilnehmer ist deutlich geworden, dass das Medienpaket seinen Einzug nicht nur in Schulen, sondern auch in die interne Ausbildung der Polizei und des Bundesamts halten wird.

Datum 24.06.2014

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