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Erste Hilfe für die Seele

Polizei und Muslimische Notfallseelsorge

Die Clearingstelle Präventionskooperation knüpft ein neues Netzwerk zwischen Sicherheits- und Hilfsorganisationen und Vereinen, die muslimische Notfallseelsorger ausbilden. Anlass dazu gab die Fachtagung zu "Muslimischer Seelsorge und Notfallbegleitung im polizeilichen Kontext", zu der das Institut für Islamische Theologie der Universität Osnabrück zusammen mit der Polizeidirektion Osnabrück im Februar 2015 eingeladen hatten.

"Seelsorge ist nicht religionsbezogen", mit dieser Feststellung begrüßte Professor Dr. Bülent Ucar die rund 200 Teilnehmer der Fachtagung "Muslimische Seelsorge und Notfallbegleitung im polizeilichen Kontext". Weiter führte er aus, dass Seelsorge ein Sorgen für die Seele und so eine Unterstützung im geistigen Bereich sei. Dieser Bedarf besteht bei allen Menschen, die in nicht vorhersehbare Extremsituationen geraten sind. Die Tagung solle dazu dienen, die Seelsorge in Krisensituationen zu betrachten, so Bülent Ucar, Direktor des Institutes für Islamische Theologie der Universität Osnabrück.

Im Rahmen der Tagung tauschten Experten ihre unterschiedlichen Erfahrungen in der polizeilichen und seelsorgerischen Arbeit aus. Deutlich wurde dabei, dass vor allem auch eine muslimische Notfallseelsorge nicht nur relevant für die Hinterbliebenen ist, sondern auch für die Polizeibeamten. In vielen Fällen übernimmt der Seelsorger bei einem unerwarteten Todesfall auch eine Kulturmittlerfunktion. Er erklärt bestimmte Verhaltensweisen der Trauernden gegenüber den Beamten und erläutert Vorschriften und Vorgehensweisen der Polizei gegenüber den Hinterbliebenen.Diese beiden Seiten wurden bei der Fachtagung durch die Referenten und in der anschließenden Diskussion beleuchtet.


Notfallseelsorger sind Ansprechpartner ohne Uniform

Landespolizeipräsident des Landes Niedersachsen, Uwe Binias, legte in seinem Vortrag dar, in welchen Situationen Polizeibeamte Notfallseelsorger hinzuziehen. Anhand von Beispielen aus dem Alltag der Polizeibeamten erklärte er die wichtige Rolle von muslimischen Seelsorgern auch für die Einsatzkräfte selbst. Esnaf Begić vom Institut für Islamische Theologie erläuterte die Sichtweise der muslimischen Hinterbliebenen. Dabei stehe seiner Meinung nach besonders das Verständnis im Vordergrund, dass der plötzliche Tod einer geliebten Person eine Prüfung im Glauben sei.

Zwei Männer unterhalten sichDer Migrationsbeauftragte des Polizeipräsidiums Nordhessen, Herr Özcan Yilmaz im Gespräch mit Dr. Thomas Lemmen von der Christlich-Islamischen Gesellschaft aus Köln. Quelle: © Polizei Osnabrück

Thomas Müller, Integrationsbeauftragter der Polizei Bremen, schilderte den Zuhöreren, dass polizeiliche Notfallseelsorge in Bremen nicht an Religionen gebunden ist und unabhängig von der Behörde organisiert wird. Sie orientiert sich an den Belastungen und ethischen Anforderungen im Polizeiberuf. Die Polizei dringt bei Ereignissen, bei denen es um Sterben, Trauern und Trösten geht, in einen sehr intimen Bereich des Lebens der Hinterbliebenen ein. In Bremen wird versucht, den Menschen zu verstehen und ihn nicht auf seine Religion zu reduzieren.
Die Notfallseelsorger in Bremen sind daher angehalten, bei kritischen Situationen einen geschützten Raum zu organisieren und die Umgebung auf die Ausnahmesituation hinzuweisen. Sie sollen die Vorgehensweise der Polizei erklären und letztendlich die Strukturen einer Großfamilie, als eigentlichen Träger der Seelsorge, stärken. Für Thomas Müller sind Notfallseelsorger Ansprechpartner ohne Uniform. Sie bringen viel mehr Zeit mit als die anwesenden Polizeibeamten und sie haben kein Ermittlungsinteresse. Jedoch kann die Notfallseelsorge nur in einem kurzen Zeitraum von ein bis vier Stunden nach dem Ereignis geleistet werden.

Clearingstelle baut Netzwerk auf

Anschließend stellte Dr. Thomas Lemme von der Christlich-Islamischen Gesellschaft Köln (CIG e. V.) vor, wo es bereits muslimische Notfallseelsorger gibt und welche Erfahrungen vor Ort gesammelt wurden. So werden Schulungen für muslimische Notfallseelsorger innerhalb Deutschlands in Köln und Oberhausen (CIG e. V.) sowie in Wiesbaden (MUSE) durchgeführt.

Die Tagung zeigte, dass sich aus der alltäglichen Polizeiarbeit ein zunehmender Bedarf an speziell ausgebildeten muslimischen Notfallseelsorgern ergibt. Für die Zukunft war sich die Runde einig, das Bewusstsein für muslimische Notfallseelsorge in einer breiten Öffentlichkeit zu schärfen.

Hierfür wird sich zukünftig auch die Clearingstelle Präventionskooperation engagieren. Ziel der Clearingstelle wird es dabei sein, auch in diesem Bereich der Polizeiarbeit Beamte und muslimische Institutionen zusammenzubringen und die Ausbildung muslimischer Notfallseelsorger bekannt zu machen und ein Netzwerk aufzubauen.

Sie kennen weitere Ausbildungsstätten für muslimische Notfallseelsorger? Kommen Sie gerne auf die Mitarbeiter der Clearingstelle zu, auch Hinweise auf weitere Angebote sind jederzeit willkommen.

Datum 09.03.2015

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