BAMF - Bundesamt für Migration und Flüchtlinge - Jordan transfer

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Organisatorische, logistische und personelle Herausforderungen

transfer - Informationen zur beruflichen Wiedereingliederung

Frau Jordan, was sind die wichtigsten Aufgaben des BAMF und wo liegen angesichts der aktuellen Flüchtlingssituation derzeit die besonderen Herausforderungen?

Das Bundesamt ist an erster Stelle dafür zuständig, über Asylanträge zu entscheiden. Zu diesem Zweck haben wir in jedem Bundesland Außenstellen, um die Anträge zu bearbeiten. Im Asylbereich stehen wir
aktuell vor großen organisatorischen, logistischen und personellen Herausforderungen. Allein im letzten Jahr wurden etwa 1,1 Millionen Asylsuchende registriert. Rund 442.000 Menschen haben beim Bundesamt einen Antrag auf Asyl gestellt. Zum Vergleich: Das sind 155 Prozent mehr als 2014. Unser oberstes Ziel ist es, ein gerechtes und schnelles Asylverfahren zu gewährleisten, damit Antragssteller zügig eine Antwort auf ihre Frage erhalten, ob sie in Deutschland bleiben dürfen oder nicht. Parallel müssen aber auch bereits Maßnahmen greifen, um frühzeitig die Integration von Asylsuchenden zu unterstützen. Hier nimmt das Bundesamt ebenfalls eine Schlüsselrolle ein. Das bundesweite Integrationssystem fußt auf drei Säulen: der Sprachförderung, also den Integrationskursen sowie der berufsbezogenen Sprachförderung; der Migrationsberatung und der Projektförderung. Für alle drei zeichnet das Bundesamt verantwortlich.

Angesichts der Asylzahlen müssen wir bei allen drei Angeboten unsere Kapazitäten erweitern. Asylsuchende sollen rasch Orientierung erhalten und in Deutschland ankommen können.

Was bedeutet das für die Personalsituation beim BAMF?

Wir haben in den letzten Monaten insbesondere Personal für den Asylbereich eingestellt. 2013 hatte das Bundesamt noch etwa 2.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Im September 2015 waren es rund 3.000 – heute stehen wir schon bei 6.600 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, inklusive der Personen, die zu uns von anderen Behörden abgeordnet wurden.
Der Personalbedarf in den anderen Bereichen des Bundesamtes ist natürlich auch gestiegen. Hier werden besonders Personen mit Verwaltungserfahrung gesucht, die universell einsetzbar sind.

Wer sind außerhalb des BAMF wichtige Akteure in dem Arbeitsfeld Integration?

Integration findet letztlich vor Ort statt. Wer in diesem Bereich also arbeiten möchte, tut gut daran, sich die Akteure in den Kommunen anzusehen. Das sind zum Beispiel die kleinen und großen Träger, die Integrationsprojekte durchführen. Die Träger der freien Wohlfahrtspflege, die Zuwanderer beraten. Und natürlich die Anbieter von Integrationskursen.

Für viele Integrationsmaßnahmen haben vom BAMF finanzierte Programme eine große Bedeutung: Welche wichtigen Projekte stehen denn – kurz und mittelfristig – in der Flüchtlings- und Integrationsarbeit an?

Das Bundesamt schreibt einmal pro Jahr Integrationsprojekte aus. Auf diese Ausschreibung können sich dann Träger mit ihren Projektideen bewerben. Die Projekte laufen bis zu drei Jahre lang und erhalten
pro Jahr bis zu 50.000 Euro. Die neue Ausschreibung wird in wenigen Wochen online gehen. Ein Schwerpunkt liegt natürlich auf der Zielgruppe Geflüchtete. Wir werden aber auch die Aufnahmegesellschaft und den Abbau von Vorurteilen in den Blick nehmen.

Daneben haben wir immer mal wieder Ausschreibungen für Modellprojekte mit einem größeren Umfang. Zum Beispiel haben wir kürzlich Träger gesucht, die Ehrenamtliche zu Sprachbegleitern ausbilden. Diese Sprachbegleiter können dann Asylsuchenden beim Deutschlernen helfen. Die Unterstützung des Ehrenamts ist uns generell ein großes Anliegen. Wir legen deshalb auch an einigen Orten "Houses of
Resources" auf. An diese "Häuser" können sich dann Migrantenorganisationen und Vereine vor Ort wenden, wenn sie zum Beispiel einen Raum für ein Meeting brauchen oder Zuschüsse für ein Projekt.

Welche Arbeitsfelder und Aufgaben sind damit verbunden?

Das ist natürlich von Projekt zu Projekt unterschiedlich. In einem Theaterprojekt mit Jugendlichen werden Mitarbeiter gebraucht, die theaterpädagogische Kenntnisse haben. Bei dem genannten "House of Ressources" sind es Personen, die organisatorisches Geschick und ein Gefühl für die Bedarfe der Zielgruppe haben. Generell braucht jedes Projekt aber auch Menschen, die verwaltend tätig sind.

Mit den Aufgaben wächst ja sicher auch der Personalbedarf. In welchen Bereichen werden vor allem zusätzliche Fachkräfte gesucht und welche Kompetenzen und Qualifikationen sind denn besonders gefragt und nützlich?

Wir haben kürzlich einige Stellen für den Integrationsbereich ausgeschrieben. Die Personen, die wir gesucht haben, hatten sehr unterschiedliche Profile. Bei einer Stelle ging es uns beispielsweise eher um
das Wissen im Bereich Sprachförderung, bei einer anderen Stelle ging es mehr um Projekte. Allen war aber eins gemein: Wir brauchen besonders Menschen, die Erfahrungen vor Ort gesammelt haben. Die ein Gefühl dafür haben, wo der Schuh drückt und welche Bedarfe die Zielgruppe hat.

Daneben muss man natürlich auch sagen, dass das Bundesamt eine Behörde ist. Wir suchen daher regelmäßig Verwaltungsfachkräfte und auch Juristen für unsere Tätigkeiten. Letztere kommen dann über
das Juristenauswahlverfahren des Bundesinnenministeriums ins Bundesamt.

Rückkehrende Fachkräfte aus der Entwicklungszusammenarbeit (EZ) bringen umfangreiche transkulturelle Erfahrungen sowie ein gutes Verständnis für Fluchtursachen und den Herkunftskontext von Flüchtlingen mit. Inwieweit sind diese spezifischen Kenntnisse gefragt?

Das ist aus meiner Sicht ein zweischneidiges Schwert. Fachkräfte aus der EZ bringen sicherlich viel interkulturelles Fingerspitzengefühl und Wissen über die Zielgruppe mit. Gleichzeitig erwarte ich aber
von Bewerbern auch, dass sie Wissen über die Situation in Deutschland mitbringen. Gerade wenn Menschen lange im Ausland gelebt haben, verlieren sie gelegentlich ein wenig den Anschluss oder versuchen, die Situation im Ausland auf Deutschland zu übertragen. Deshalb würde ich jeder rückkehrenden Fachkraft, die im Integrationsbereich arbeiten möchte, empfehlen, sich auf dem Laufenden zu halten, was in Deutschland aktuell passiert und welche Ansätze hier diskutiert werden.

Können Sie Informations- oder Stellenportale empfehlen, die für rückkehrende Fachkräfte bei der Stellensuche hilfreich sein können?

Unsere Stellen finden Bewerber zum einen auf der Seite des Bundesamtes. Außerdem werden unsere Stellen auf www.bund.de veröffentlicht.

Viele rückkehrende Fachkräfte engagieren sich ehrenamtlich. Wo sehen Sie einen wichtigen Bedarf bzw. auch einen besonderen Gewinn, wenn sich gerade diese Gruppe von Menschen in der Flüchtlings- und Integrationsarbeit engagiert?

Ich denke, dass rückkehrende Fachkräfte insbesondere Verständnis für die Zielgruppe in die ehrenamtliche Arbeit einbringen können. Zum einen natürlich, weil sie eventuell in einem Land gearbeitet haben, aus dem aktuell viele Asylsuchende bzw. Zuwanderer kommen. Zum anderen aber auch, weil sie selber für eine Zeit zu einer Minderheit gehört haben. Sie können daher nachempfinden, wie es ist, neu in einem Land zu sein und sich orientieren zu müssen. Das ist auf jeden Fall hilfreich für die Integrationsarbeit.

Herzlichen Dank für das Interview

Datum 19.05.2016

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