BAMF - Bundesamt für Migration und Flüchtlinge - Themendossiers - Arbeitstagung "Gemeinsame Kompetenzen nutzen" - Beitrag 8

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Arbeitstagung "Gemeinsame Kompetenzen nutzen"

Kooperationen von Migrantenorganisationen mit anderen zivilgesellschaftlichen Akteuren stärken

Workshop "Unbekannte Partner? Migrantenorganisationen und Unternehmen"

Unternehmen und Migrantenorganisationen wurden in diesem Workshop als „unbekannte Partner“ in den Blick genommen und erprobte Ansätze zur Kooperation zwischen Unternehmen und gemeinnützigen Einrichtungen vorgestellt. Ziel war es, diese Kooperationsmöglichkeiten auch für Migrantenorganisationen zu öffnen und ihnen Wege aufzuzeigen, wie es gelingt, mit Unternehmen zu kooperieren. Folgende Fragen standen im Fokus der Diskussion.

  • Wieso kooperieren Unternehmen mit gesellschaftlichen Organisationen wie Migrantenorganisationen?
  • Welche Möglichkeit bietet diese Art von Kooperation?
  • Wie kommen Migrantenorganisationen zu einem Unternehmenspartner?
  • Welche Regeln sind zu beachten?

Bundesinitiative "Unternehmen: Partner der Jugend"

Im ersten Impulsvortrag stellte Stephan C. Koch die Bundesinitiative "Unternehmen: Partner der Jugend" (UPJ) vor. UPJ ist ein Netzwerk engagierter Unternehmen und gemeinnütziger Mittlerorganisationen in Deutschland. Im Mittelpunkt stehen Projekte, die zur Lösung gesellschaftlicher Probleme beitragen, indem sie neue Verbindungen zwischen Unternehmen, gemeinnützigen Organisationen und öffentlichen Verwaltungen schaffen.

Er erklärte, die Motive für bürgerschaftliches Engagement von Unternehmen seien vielfältig: Zum einen gehe es Unternehmen darum, durch Investition in das Umfeld ein funktionierendes Gemeinwesen zu unterstützen. Nach dem Motto "Gesundes Unternehmen im gesunden Umfeld" habe das Unternehmen davon auch einen Nutzen. Zum anderen könnten sie durch ihre Mitgestaltung des Gemeinwesens auch neue Problemlösungen für das Zusammenleben fördern und eine Wirkung erzielen. Nicht zuletzt habe das Engagement der Unternehmen auch eine positive Auswirkung auf die eigene Unternehmensentwicklung, bezogen auf die Regional- und Standortentwicklung, das Personal sowie die Öffentlichkeitsarbeit und das Image.

Die Möglichkeiten gesellschaftlichen Engagements von Unternehmen sind laut Stephan C. Koch vielfältig. Das Wichtigste sind nicht Finanzmittel sondern:

  • Kontakte der Unternehmen zu vorhandenen Netzwerken (wie Unternehmernetzwerken, aber auch zu anderen Unternehmen selbst), sowie der Einfluss des Unternehmens auf andere Unternehmen und zivilgesellschaftliche Akteure sowie das gute Image des Unternehmens. So können Unternehmen beispielsweise Kontakte zu Medienpädagogen vermitteln, die Migrantenorganisationen schulen können oder auch Praktikumsplätze anbieten/vermitteln und bei der Pressearbeit unterstützen.
  • Unternehmen können Migrantenorganisationen aber auch durch Produkte, Dienstleistungen und Logistik unterstützen. Beispielsweise durch die Installation von Hard- und Software oder durch Werkstattnutzung.
  • Unternehmen geben aber auch Zeit, Know-how und Wissen ihrer Mitarbeiter weiter (beispielsweise durch Schulung von Multiplikatoren, Bewerbungstrainings, Kulturpatenschaften).

Wie kommen Migrantenorganisationen zu einem Unternehmenspartner?

Es gibt mehrere Möglichkeiten, wie Migrantenorganisationen zu einem Unternehmenspartner kommen. Zunächst sollten Angebote im Engagementbereich wie Aktionstage, die in verschiedenen Städten durchgeführt werden (z.B. "Social Day" oder "FreiwilligenTag"), genutzt werden. Daneben gibt es auch einen Marktplatz für Unternehmen und gemeinnützige Organisationen, der inzwischen in über 60 Städten durchgeführt wird (www.gute-geschaefte.org).

Eine weitere Möglichkeit besteht darin, sich eine Unterstützung bei Mittlerorganisationen (wie z.B. Freiwilligendiensten) zu holen. Hier sollte aktiv nach Unternehmenskontakten gefragt werden. Zudem ist es wichtig, sich in die vorhandene Datenbank eintragen zu lassen und ein konkretes Kooperationsprojekt vorzuschlagen.

Letztendlich bieten auch eigene Recherchen gute Möglichkeiten Kontakte zu Unternehmenspartnern zu knüpfen. Beispielsweise könnten Freunde und Bekannte befragt werden oder es könnte im Internet recherchiert werden (bspw. www.phineo.org).

Goldene Regeln für die Kooperation

Als goldene Regeln für die Kooperation mit Unternehmen nannte Stephan C. Koch, dass der Einstieg über finanzielle Themen vermieden werden solle. Wichtig sei auch, dass Migrantenorganisationen Unternehmen für eine Projektidee, die zum Unternehmensprofil passen muss, begeistern können. Oberste Gebote für die Zusammenarbeit mit Unternehmen seien Zuverlässigkeit und Terrmintreue. Von besonderer Bedeutung sei auch die Konzentration auf ein Projekt. Um den richtigen Partner zu finden, sollten Migrantenorganisationen Experten für Kooperationen (sog. Mittlerorganisationen) nutzen.

InitiativGruppe - Interkulturelle Begegnung und Bildung e.V.

Ein Praxisbeispiel einer gut funktionierenden Kooperation mit Unternehmen stellte Claudia Jovanovic von der InitiativGruppe - Interkulturelle Begegnung und Bildung e.V. vor. Die Initiative führt in Zusammenarbeit mit verschiedenen Einrichtungen eine Praktikumsbörse in einem Münchner Stadtteil durch. Im Rahmen eines Betriebspraktikums können Jugendliche erproben, ob sie für ihren Wunschberuf geeignet sind und erste Berufserfahrungen sammeln. Dadurch verbessern sie ihre Chancen auf dem Ausbildungsmarkt. Die Betriebe erhalten im Gegenzug die Möglichkeit, potenzielle Nachwuchskräfte kennen zu lernen und zielgerichtet an die Erfordernisse der Arbeitswelt heranzuführen.
Um ein passgenaues und vielfältiges Angebot an Praktikumsstellen anzubieten, strebt die Praktikumsbörse die Vernetzung von sozialen Einrichtungen und lokalen Betrieben im Stadtbezirk an. Die kooperierenden sozialen Einrichtungen haben Zugriff auf eine Datenbank, in der Praktikumsbetriebe gelistet sind. So können interessierte Schüler direkt vermittelt werden. Ziel ist eine passgenaue und gewinnbringende Vermittlung für den Jugendlichen und den Betrieb.

Diskussion zum Nutzen von Kooperationen mit der Wirtschaft

In einer "Murmelrunde" wurde die Frage diskutiert, welchen Nutzen Migrantenorganisationen durch die Kooperation mit Unternehmen haben können. Es zeigte sich, dass diese vielschichtig sind: Neben der Bereitstellung von Finanzmitteln und der zur Verfügungstellung von Logistik und Räumlichkeiten, können sich für Migrantenorganisationen auch Möglichkeit einer Weiterbildung am Arbeitsmarkt, des Erwerbs von Expertenwissens oder der Unterstützung bei der Öffentlichkeitsarbeit eröffnen. Neben einer stärkeren Professionalisierung kann ein Effekt von Kooperationen auch die Öffnung neuer Horizonte oder die Verbesserung des Ansehens von Migrantenorganisationen sein.
Eine weitere Diskussionsrunde drehte sich um Engagementfelder. Hier wurde eine gemeinsame Organisationsentwicklung für bestimmte Themen (z.B. Arbeitskreis Schule/Wirtschaft) vorgeschlagen.

Die Frage aus dem Publikum, ob Mittlerorganisationen eine Mittlerprovision von den Migrantenorganisationen verlangen würden, wurde von Herrn Koch verneint. Geeignete Mittlerorganisationen sind beispielsweise unter www.gute-geschaefte.org und auf der Homepage der UPJ (www.upj.de) zu finden.

Empfehlungen der Workshopteilnehmer

Die Möglichkeiten der Kooperation mit Unternehmen sind vielfältig - den Migrantenorganisationen jedoch kaum bekannt. Daher sollte es mehr Informationsveranstaltungen geben, um die Kooperationsmöglichkeiten zwischen Unternehmen und gesellschaftlichen Organisationen aufzuzeigen und transparenter zu machen.

Insbesondere sollten die im Vortrag genannten Mittlerorganisationen, die Partnerschaften zwischen Unternehmen und gesellschaftlichen Organisationen vermitteln, bekannt gemacht werden.

Von Migrantenorganisationen wurde der Wunsch nach einer vom Bundesamt durchgeführten gemeinsamen Tagung zum Thema Kooperationen zwischen Migrantenorganisationen und Unternehmen geäußert.