BAMF - Bundesamt für Migration und Flüchtlinge - Aktuelle Meldungen - Willkommenskultur und Anerkennungskultur

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Willkommenskultur und Anerkennungskultur

Begrifflichkeiten und Rolle des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge

Datum 19.05.2011

In der politischen Debatte wird der Begriff "Willkommenskultur" vor allem im Sinne der Attraktivität Deutschlands für hochqualifizierte Zuwanderer verstanden. Eine Willkommenskultur wird aber auch für bereits hier lebende Menschen mit Migrationshintergrund gefordert.

Willkommenskultur für Neuzuwanderer

Legt man einen modellhaften Zuwanderungsprozess aus den drei Phasen "Vorintegration", "Erstorientierung" und "Etablierung in Deutschland" zugrunde, so eignet sich die Verwendung des Begriffs Willkommenskultur insbesondere für die ersten beiden Phasen. Hier findet das eigentliche "Willkommen" statt und hier können / sollen Angebote der Vorintegration dafür sorgen, dass Zuwanderer zielgruppengerecht auf das Leben in Deutschland vorbereitet werden.

Anerkennungskultur für alle Menschen mit Migrationshintergrund

In der dritten Phase, der langfristigen Etablierung in Deutschland, bezieht sich der Begriff dagegen auf bereits länger in Deutschland lebende Personen mit Migrationshintergrund. In dieser Phase der Zuwanderung, der Phase der Integration, liegt der Fokus stärker auf der Anerkennung mitgebrachter Kompetenzen durch die Aufnahmegesellschaft, also zum Beispiel im Bereich der Kultur, Sprache oder Berufsqualifikation. Für eine trennscharfe Abgrenzung zu den unmittelbaren Phasen der Zuwanderung kann hier der Begriff der "Anerkennungskultur" verwendet werden. Er rückt im Sinne einer "nachholenden Willkommenskultur" die anerkennende Wertschätzung der Zugewanderten durch die Aufnahmegesellschaft in den Fokus.

Willkommens- und Anerkennungskultur wirken gemeinsam auf eine Wertschätzung kultureller Vielfalt in Deutschland hin und stehen daher in einem unmittelbaren Zusammenhang. Zum Beispiel sind hochqualifizierte Neuzuwanderer insbesondere dann an einem langfristigen Aufenthalt in Deutschland interessiert, wenn sie in Deutschland auf eine ausgeprägte Anerkennungskultur und eine insgesamt offene Gesellschaft treffen.

Ablauf der Phasen der Zuwanderung

Rolle des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge

Das Bundesamt trägt in jeder Phase des Zuwanderungsprozesses dazu bei, die Etablierung einer Willkommens- bzw. Anerkennungskultur in Deutschland zu unterstützen:

  • In der Phase der Vorintegration werden entsprechende Maßnahmen über den Europäischen Integrationsfonds (EIF) gefördert. Die Optimierung dieser Maßnahmen durch das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge erfolgt kontinuierlich durch die Anpassung der EIF-Jahresprogramme.

  • In den Phasen der Zuwanderungsentscheidung und der Erstorientierung bedeutet Willkommenskultur, dass Deutschland Neuzuwanderern die erste Orientierung erleichtert und Zugang zu passgenauen Integrationsangeboten ermöglicht. Auf Bundesebene stellen unter anderem das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge und das Bundesministerium des Innern Informationen für Neuzuwanderer im Internet und in gedruckter Form zur Verfügung. Dabei vermittelt das Bundesamt insbesondere auf seiner Internetpräsenz unter der Rubrik "Willkommen in Deutschland" einen Überblick zu Integrationsangeboten und Ansprechpartnern.

    In der Praxis zeigt sich aber auch, dass die schriftliche Information allein nicht ausreicht. In einigen deutschen Städten gibt es daher sogenannte "Welcome Center", die bestehende Angebote des Bundes, der Länder und kommunaler Einrichtungen miteinander verknüpfen. So können sich Neuzuwanderer in Hamburg bereits heute unter einem Dach über wichtige behördliche Formulare und Anträge, Plätze in Kindertagesstätten, Anerkennung ausländischer Abschlüsse, Stadterkundungen für Neu-Hamburger oder (kostenlose) Kulturangebote informieren. Bislang sind solche Angebote jedoch eine Ausnahme. Das Bundesamt unterstützt hier den fachlichen Austausch auf Bundesebene.

  • Der Begriff der "Anerkennungskultur" in der Phase der Etablierung in Deutschland schließt auf praktischer Ebene unter anderem die Anerkennung ausländischer Qualifikationen ein. Das Bundesamt unterstützt auch hier den fachlichen Austausch auf Bundesebene und stellt Leitfäden für bestimmte Berufsgruppen zur Verfügung.

    Die Entwicklung einer Anerkennungskultur bedeutet aber auch, dass die deutsche Gesellschaft kulturelle Vielfalt als Normalität und Ressource für gesellschaftliche Entwicklung begreift. Damit wird es Menschen anderer Herkunft erleichtert, sich mit den Grundwerten der deutschen Gesellschaft zu identifizieren und diese langfristig mitzutragen. Das Bundesamt beschäftigt sich mit dem Thema "Anerkennungskultur" daher im Themenfeld "Stärkung des gesellschaftlichen Zusammenhalts" und entwickelt unter anderem Konzepte zur interkulturellen Öffnung der Aufnahmegesellschaft durch Maßnahmen der politischen Bildung.

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