Anerkennung ausländischer Qualifikationen
Zugewanderte Fachkräfte können ihre im Ausland erworbenen Abschlüsse in Deutschland oft nicht beruflich einbringen. Nur rund 16 Prozent gelingt es, ihren erlernten Beruf hierzulande wieder aufzunehmen. Ein Grund hierfür ist die mangelnde Transparenz von Informationen, Zuständigkeiten und Anerkennungsverfahren. Mit dem Ziel, einen neuen gemeinsamen Beratungsansatz zu erproben, richtete das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, gemeinsam mit dem Saarland und dem Jobcenter Saarbrücken modellhaft im Juni 2009 eine Servicestelle zur Erschließung ausländischer Qualifikationen ein.
Die Erfahrungen, die während des Modellprojekts gesammelt wurden, sind im Rahmen einer externen Evaluation durch die EvalueLab Gesellschaft für empirische Sozialforschung mbH, Hamburg aufgearbeitet worden und Grundlage für diesen Bericht.
Neuer Beratungsansatz überwindet Informationsdefizite
Die Suche nach Information und die Unübersichtlichkeit von Zuständigkeiten stellt eine zentrale Hürde der beruflichen Integration für zugewanderte Fachkräfte dar. Rund 40 Prozent der befragten Ratsuchenden hatten bereits vor ihrem Besuch in der neuen Servicestelle versucht, ihren Abschluss anerkennen zu lassen, brachen das angestrebte Anerkennungsverfahren aber aufgrund von Informationsdefiziten wieder ab. „Ich wurde von Pontius zu Pilatus geschickt und keiner konnte mir helfen“
, schilderte ein Kunde der neuen Servicestelle seine früheren Erfahrungen. Mit dem neuen umfassenden Beratungsansatz hat die Servicestelle Abhilfe geschaffen. Die Befragungsergebnisse des Evaluationsberichts zeigen deutlich, dass die Suche nach verlässlichen Informationen für Zuwanderer verbessert werden konnte. Auch die Transparenz in den Anerkennungsverfahren sowie die Verzahnung der Beratungsangebote konnte mit den neuen Beratungsansätzen deutlich gesteigert werden. Rund 80 Prozent der befragten Kunden befinden die Einrichtung der neuen Servicestelle als sehr gut. „Es war meine erste sehr gute Beratung seit fünf Jahren in Deutschland. ... Die Beratung bei Herrn X war 1a“
, lautet das Fazit eines Ratsuchenden.
Zusammensetzung der Beratungskunden
Bis zum Stichtag der Evaluationsauswertung machten 635 Beratungskunden aus 74 Ländern von dem Beratungsangebot der Servicestelle Gebrauch. Der Frauenanteil lag dabei bei 67,9 Prozent. Bezogen auf die Altersgruppen der Ratsuchenden wurde deutlich, dass die Gruppe der 30- bis 39-Jährigen mit 43 Prozent den höchsten Beratungsbedarf aufweist. Schwerpunkte der Berufsprofile zeigten sich zum einen bei den Beratungskunden die ihren im Ausland erworbenen Hochschulabschluss anerkennen lassen wollten. Sie verfügen überwiegend über ein Lehramtsstudium (25 Prozent), ein Ingenieurstudium (24,7 Prozent) oder haben einen wirtschaftswissenschaftlichen Bildungsweg (19,2 Prozent) absolviert. Zum anderen sind unter den beruflichen Ausbildungswegen die kaufmännischen Berufe mit 19,3 Prozent am stärksten vertreten. Aber auch Gesundheitsfachberufe sind mit 17,2 Prozent, elektrotechnische mit 10,9 Prozent und Metallberufe mit 13 Prozent stark vertreten.
Hohes Transferpotenzial
Die hohen Fallzahlen verdeutlichen den Bedarf an dieser Beratung. Der im Rahmen der Evaluation bestätigte erfolgreiche Verlauf des Modellprojekts unterstreicht das Transferpotenzial dieses Beratungsangebots auch für andere Bundesländer. Hierfür spricht insbesondere der hohe Anteil qualifizierter Ratsuchender (62,3 Prozent) mit einem Höchstalter von 39 Jahren, die dringend in Deutschland gebraucht werden. Die Unterstützungsleistungen der Servicestellen ist der erste Schritt in Richtung erfolgreiche Arbeitsmarktintegration.


