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Studie: Wie viele Muslime leben in Deutschland?

Interview mit Dr. Anja Stichs, Autorin der BAMF-Studie "Wie viele Muslime leben in Deutschland", erstellt im Auftrag für die Deutsche Islam Konferenz.

Datum 14.12.2016

Das Forschungszentrum des Bundesamtes hat im Auftrag der Deutschen Islam Konferenz eine Studie erstellt, um die Zahl der Ende 2015 in Deutschland lebenden Muslime zu ermitteln. Die Hochrechnung erfolgte auf der Basis verschiedener Datenquellen. Im Interview erklärt Dr. Anja Stichs, wie das BAMF-Forschungszentrum die Zahl der Muslime in Deutschland ermittelt hat.

"Wie viele Muslime leben in Deutschland?", wieso ist die Antwort auf diese Frage wichtig?

Aus Befragungen wissen wir, dass die Zahl der Muslime von vielen Menschen in Deutschland teilweise deutlich überschätzt wird. Die Bezifferung der tatsächlichen Zahl der Muslime trägt daher zu einer Versachlichung der Diskussion bei.

Natürlich ist es auch für die Politik und die Verwaltung wichtig zu wissen, wie viele Menschen mit muslimischen Glauben in Deutschland leben. Dies gilt etwa, um den Bedarf an öffentlichen Angeboten für Muslime einzuschätzen, so etwa für islamischen Religionsunterricht an Schulen oder im Bereich Wohlfahrtspflege und Seelsorge.

Um die bestehende Informationslücke zu schließen, erteilte die Deutsche Islam Konferenz (DIK) dem BAMF-Forschungszentrum den Auftrag, eine Hochrechnung über die Zahl der Muslime durchzuführen. Nach unserer Berechnung lebten Ende 2015 zwischen 4,4 und 4,7 Millionen Muslime in Deutschland. Bei einer Gesamtbevölkerung von 82,2 Millionen sind zwischen 5,4 und 5,7 Prozent muslimische Glaubensangehörige. In einer Gruppe von 100 Menschen wären das 5 bis 6 Personen. 

Warum bedarf es einer Hochrechnung, um die Zahl der in Deutschland lebenden Muslime zu ermitteln?

Einer Hochrechnung bedarf es, da die Religionszugehörigkeit einer Person in Deutschland als ein sensibles Merkmal betrachtet wird. In amtlichen Registern sowie den großen Bevölkerungsumfragen des Statistischen Bundesamtes, dem Zensus und dem Mikrozensus, wird die Zugehörigkeit zum Islam oder zu anderen nicht öffentlich-rechtlichen Religionsgemeinschaften nicht systematisch erfasst.

Daher hat das BAMF-Forschungszentrum eine auf verschiedenen aussagekräftigen Datenquellen basierende Hochrechnung über die Zahl der Muslime zum Stand 31.12.2015 durchgeführt. Dabei bezieht die Hochrechnung Personen ein, die selbst oder deren Eltern aus einem muslimisch geprägten Herkunftsland stammen. Es handelt sich um deutsche und ausländische Staatsangehörige, die in Deutschland leben. 

Das rechnerische Grundmodell ist einfach:

Die bekannte Zahl der Personen mit einem relevanten Migrationshintergrund wird mit dem aus einer anderen Datenquelle stammenden der Wert über den Anteil der Muslime dieser Herkunftsgruppe multipliziert:

Anzahl der Personen einer Herkunftsgruppe * Anteil der Muslime innerhalb dieser Herkunftsgruppe = Anzahl der Muslime dieser Herkunftsgruppe

Die vorgelegte Hochrechnung wurde in zwei Schritten durchgeführt:

In einem ersten Schritt wurde die Zahl der im Mai 2011 in Deutschland lebenden Muslime mit Migrationshintergrund ermittelt. Durch die Zensuserhebung von 2011 lag eine sehr gute Datenquelle über die Anzahl der Personen mit einem Migrationshintergrund aus verschiedenen muslimisch geprägten Herkunftsländern vor. Da in diesen Bestandszahlen sowohl Muslime als auch Personen mit einer anderen Religion enthalten sind, bedurfte es einer weiteren Datenquelle über den jeweiligen Anteil der Muslime innerhalb dieser Herkunftsgruppen. Hierfür wurden die Daten der BAMF-Studie "Muslimisches Leben in Deutschland 2008 (MLD 2008)" verwendet. Um die Zahl der Muslime zu berechnen, wurden die Bestandszahlen des Zensus mit den Anteilswerten aus der MLD-Studie multipliziert.

Im Rahmen von Flucht und Asyl sind insbesondere in den Jahren 2014 und 2015 vermehrt Drittstaatsangehörige aus muslimisch geprägten Herkunftsländern nach Deutschland gekommen.

In einem zweiten Schritt wurde daher die Zahl der seit Mai 2011 zugereisten Muslime mit einer ausländischen Staatsangehörigkeit berechnet. Zwischenzeitlich zu- und wieder ausgereiste Personen wurden nicht berücksichtigt.

Die Zahl der neu zugereisten und am 31.12.2015 noch in Deutschland lebenden ausländischen Staatsangehörigen relevanter Herkunftsländer haben wir durch eine Sonderauswertung aus dem Ausländerzentralregister (AZR) erhalten. Als Quelle zur Bestimmung des Anteils der Muslime unter den neu Zugereisten konnten wir eine Sonderauswertung aus der Geschäftsstatistik Asyl über die seit 2011 eingereisten Erstantragsteller heranziehen. Die Anzahl der Muslime ergibt sich dann wie im ersten Schritt durch Multiplikation der Werte über die Zahl der neu Eingereisten mit dem Anteil der Muslime aus den entsprechenden Herkunftsländern. Aus der Summe beider Hochrechnungen ergibt sich die Gesamtzahl der Muslime mit Migrationshintergrund zum Stand 31.12.2015.

Eine Grafik zeigt das Hochrechnungsmodell und die verwendeten Datenquellen. Bitte hören Sie sich zur Erklärung das Audio zur Frage zwei an. Das Hochrechnungsmodell zeigt den Rechenweg. Quelle: Wie viele Muslime leben in Deutschland? Eine Hochrechnung über die Anzahl der Muslime in Deutschland zum Stand 31. Dezember 2015 (WP71),Dr. Anja Stichs, Bundesamt für Migration und Flüchtlinge 2016, Seite 11

Wie hat sich die muslimische Bevölkerung in den letzten Jahren verändert?

Die Ergebnisse der Hochrechnung zeigen, dass in den letzten vier Jahren rund 1,2 Million Menschen muslimischen Glaubens zugezogen sind. Gut jeder vierte muslimische Religionsangehörige ist somit erst kürzlich nach Deutschland zugewandert. Das ist darauf zurückzuführen, dass in den letzten Jahren vermehrt Geflüchtete aus muslimisch geprägten Herkunftsländern nach Deutschland kamen.

Durch die Einwanderung in den letzten Jahren ist das muslimische Leben in Deutschland vielfältiger geworden. In der Gruppe der Muslime ist der Anteil der türkeistämmigen Muslime von 67,5 Prozent im Mai 2011 auf 50,6 Prozent im Dezember 2015 gesunken. Fast jeder zweite Muslim stammt entsprechend aus einem anderen Land als der Türkei. Muslime aus dem Nahen Osten haben sich mit einem Anteil von 17,1 Prozent mittlerweile zur zweitgrößten Herkunftsgruppe entwickelt.

In der rechten Spalte stehen drei zitierfähige Antworten im O-Ton als Audio-Datei zur Verfügung.

Medienvertreterinnen und -vertreter wenden sich mit Anfragen bitte an die Pressestelle des Bundesamtes.

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