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Muslime offen gegenüber Altenpflegeangeboten

Interview mit Marieke Volkert über die Aspekte der Informiertheit und die Gestaltung von Altenpflege für Muslime

Datum 04.07.2017

Wohlfahrtspflege und Seelsorge sind die Schwerpunktthemen der Deutschen Islam Konferenz (DIK). Eine besondere Aufmerksamkeit legte die DIK auch auf das Thema Altenpflege, um unter anderem die Informiertheit der Muslime in Deutschland wie auch Ihre Bedürfnisse bei der Pflege im Alter auszuwerten. In einer quantitativen Umfrage wurden Musliminnen und Muslime in Deutschland befragt, wie sie das Thema Altenpflege sehen. Die Autorin der Studie "Altenpflege für Muslime" erklärt die zentralen Ergebnisse ihrer Untersuchung.

In der Studie geht es um den Pflegebedarf von älteren Muslimen, warum wurden in der Studie Musliminnen und Muslime aller Altersgruppen befragt?

Altenpflege ist nur ein Teilaspekt der DIK Schwerpunktthemen. Zugrunde liegt die Studie "Muslimisches Leben in Deutschland 2016", die durch die Deutsche Islam Konferenz in Auftrag gegeben wurde. Primär ist die Studie als allgemeine Bevölkerungsbefragung gedacht, um eine möglichst vielfältige und breite Gruppe von Musliminnen und Muslimen zu repräsentieren. Diese Gruppe haben wir daher auch zum Thema Altenpflege gefragt.

Mit dieser Form der Befragung können wir nun aber eine neue und gleichermaßen wichtige Perspektive auf das Thema Altenpflege darstellen: die Wünsche von Familienangehörigen. Ein wichtiger Faktor, wie wir finden, denn in der Regel findet die Pflege und Versorgung von Älteren im Kreis der Familie statt und wird häufig durch Partner und Kinder organisiert.                            

Wie informiert waren die Befragten zu dem Thema?

Oft führt erst die eigene Betroffenheit dazu, dass sich Personen verstärkt mit dem Thema Pflege im Alter auseinandersetzen. Das Thema Altenpflege wird relevant, wenn konkrete Berührungspunkte mit dem Thema bestehen. Das ist etwa dann der Fall, wenn sich eine Person durch das eigene Altern mit dem Thema befasst, oder ältere Personen im Bekanntenkreis oder sogar im eigenen Familienkreis Hilfe benötigt, um ihren Alltag zu meistern. Das haben auch unsere Auswertungen bestätigt: Musliminnen und Muslime, die betroffen sind, sind viel häufiger informiert. 

Wie unsere Auswertungen auch zeigen, ist der Zugang zu Informationen für Menschen mit Migrationshintergrund oftmals  auf Grund mangelnder Deutschkenntnisse schwieriger. Eine wichtige Informationsquelle sind Kontakte zu Personen ohne Migrationshintergrund.

Wir vermuten, dass diese beiden Aspekte deswegen so wichtig sind, weil es in der nicht-migrierten Bevölkerung Deutschlands deutlich mehr Erfahrung mit alternden Familienmitgliedern gibt, während die migrierte Bevölkerung das Altern der Angehörigen häufig nur aus der Ferne miterleben konnte. 

Welche Bedürfnisse haben Musliminnen und Muslime bei der Altenpflege?

Besonders spannend ist, dass sich die große Mehrheit der nicht betroffenen muslimischen Befragten  für die Pflege ihrer Angehörigen externe Unterstützung bei der häuslichen Pflege  vorstellen kann. Dabei wird die häusliche Pflege von den meisten befürwortet, knapp die Hälfte kann sich sogar die Pflege eines Angehörigen in einer betreuten Wohngruppe oder einem Altenheim vorstellen. Das ist mehr als wir erwartet haben, denn im Vergleich nutzt die Gruppe der Befragten mit pflegebedürftigen Angehörigen verhältnismäßig wenig Unterstützungsangebote. 

Präferenzen für die eine oder andere Form der Altenpflege hängen mit persönlichen Einstellungen zusammen aber auch mit der Gläubigkeit einer Person. Wir konnten feststellen, dass gläubige Musliminnen und Muslime häusliche Pflege häufiger befürworten gegenüber externer Pflege. Berufstätige – und hier insbesondere Frauen – wiederum befürworten eher Pflegearrangements durch externe Einrichtungen, da sie selbst eine häusliche Pflege gar nicht leisten können. Zusammengefasst bedeutet dies, dass unter Musliminnen und Muslimen ganz deutlich ein Bedarf nach Unterstützung besteht, die konkrete Form aber – wie bei jedem anderen auch – von der individuellen Lebenssituation abhängt.

Geht es um die tatsächliche Gestaltung der Altenpflege, wünschen sich viele der Befragten für ihre Angehörigen, den eigenen Glauben leben zu dürfen. Das beginnt bei der Auswahl der Speisen oder dem Vorhandensein eines Gebetsraumes. Ganz wichtig war für die meisten Befragten, dass der muslimische Glaube ganz generell durch das Pflegepersonal respektiert wird. Hier fehlen allerdings oft noch passende Angebote, wobei es bereits innovative Projekte gibt, die sich auf eine immer heterogenere Zielgruppe in der Altenpflege einstellen wie etwa das "Haus am Sandberg" in  Düsburg oder das Victor-Gollancz-Haus in Frankfurt am Main.

Die Studie steht in der rechten Spalte als Download-Dokument zur Verfügung.

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