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Kompetenzen stärken und sichtbar machen

Datum 21.03.2018

Um die Potentiale von Zuwanderinnen zu stärken und sie zu ermutigen, ihr Leben in Deutschland selbstbewusst zu gestalten, fördert das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge besondere Kurse für Frauen. Vizepräsidentin Dr. Uta Dauke besuchte am 20.03.18 einen solchen Frauenkurs in Berlin. Für das Bundesamt ein willkommener Anlass, Ihnen drei Teilnehmerinnen eines Frauenkurses und ihre Erfahrungen vorzustellen.

Haifa (53, verheiratet)

Eine Frau mit Kopftuch lächelt.Quelle: BAMF / Yvonne Michailuk

Ich bin mit meinem Mann seit dreieinhalb Jahren in Deutschland und habe schon verschiedene Kurse gemacht, auch einen Integrationskurs. Von dem Frauenkurs habe ich von der Veranstalterin, Frau Weigand-Woop, erfahren. Er ist sehr hilfreich für mich: So habe ich durch unsere Stadtspaziergänge Nürnberg viel besser kennengelernt. Und als wir in der Stadtbibliothek waren, habe ich mir gleich Bücher zum Deutschlernen ausgeliehen. Unsere Kursleiterin hat mich schon viel persönlich unterstützt, zum Beispiel bei schwierigen Hausaufgaben für den Integrationskurs oder beim Übersetzen von Amtsbriefen. Wichtig ist für mich auch, dass ich im Kurs mit anderen Frauen zusammenkomme, viele davon aus Syrien. Sie sind wie meine Familie. Vielen konnte ich selbst helfen, da ich von ihnen allen am besten Deutsch kann. Und das tut auch mir gut, macht mich selbstbewusster. Nun möchte ich mein Deutsch auf Niveaustufe B2 verbessern und hoffe auf Arbeit, vielleicht als Verkäuferin."      

Adebah (36, alleinstehend)

Die arabische Schrift ist ja ganz anders als die deutsche und wird von rechts nach links geschrieben. Unsere Übungen in diesem Kurs haben mir die Angst vor dem Schreiben in Deutsch genommen. Das war wichtig für den Integrationskurs, den ich jetzt besuche, denn dort müssen wir viel schreiben. Hier in der Frauengruppe haben wir auch viel Spaß. Wir können jetzt Preise vergleichen und haben günstige Einkaufsmöglichkeiten in Nürnberg kennengelernt. Eine tolle Sache ist unsere Whats App- Gruppe. Da tauschen wir zum Beispiel Adressen arabisch sprechender Ärzte aus und können unsere Kursleiterin jederzeit um Übersetzungen deutscher Wörter bitten. Ich habe in meiner Heimatstadt Homs und in Ägypten schon als Verkäuferin und Krankenschwester gearbeitet. Eine solche Arbeit zu haben, das wünsche ich mir auch für mein Leben in Deutschland."

Omaima (55, verwitwet)

Eine Frau mit Kopftuch lächelt.Quelle: BAMF / Yvonne Michailuk

Vor zwei Jahren kam ich aus Syrien hierher nach Nürnberg. Vier meiner sieben erwachsenen Kinder sind nach mir dann auch vor dem Krieg nach Deutschland geflohen, kamen aber in andere Städte. Ich habe bei einem Fahrradkurs des Türkisch-Deutschen Vereins TIM e.V. von dieser Gruppe für arabischsprachige Asylbewerberinnen erfahren und mich gleich angemeldet. Der Kurs hilft mir sehr, weil ich hier Deutsch sprechen muss und neue Worte lerne: Jetzt kann ich zum Beispiel im Supermarkt die Produktbezeichnungen lesen. Wir bekommen auch viele nützliche Tipps: So hat uns unsere Kursleiterin, Mahasin Mohamed Ahmed, am Automaten gezeigt, wie man ein Ticket für den öffentlichen Nachverkehr kauft. Bei Spaziergängen und Ausflügen, zum Beispiel zum Christkindlesmarkt oder ins Fränkische Freilandmuseum, habe ich viel über die deutsche Geschichte und Kultur gelernt. Es tut mir sehr gut, dass ich nicht alleine bin. Ich komme mit anderen Frauen zusammen, für die ich auch backe und nähe. Am meisten wünsche ich mir, mit meinen Kindern leben zu können, und eine schöne Arbeit.

Grundsätzliches über die Frauenkurse

Bei den Frauenkursen handelt es sich um ein klassisches Empowerment-Angebot. Sie helfen den Teilnehmerinnen dabei ihre eigenen Fähigkeiten zu erkennen, damit sie selbstbewusst und unabhängig ihren Alltag meistern können. Auch informieren die Kurse über Integrationsangebote und ermutigen sie zu nutzen. Zielgruppe der Frauenkurse sind zugewanderte Frauen. Seit 2016 können auch Asylbewerberinnen aus Herkunftsländern mit guter Bleibeperspektive teilnehmen.

Das Besondere an Frauenkursen ist der leichte Zugang zu ihnen (Niederschwelligkeit). Das heißt, dass sie dort stattfinden, wo die Teilnehmerinnen leben und sich aufhalten, z.B. in Kindergärten, Grundschule oder im Wohnumfeld. Sie richten sich explizit nur an Frauen und werden auch nur von Frauen geleitet. Die Teilnahme ist kostenfrei, freiwillig und kann mehrfach wiederholt werden. Zudem ist der zeitliche Umfang geringer als bei anderen Kursarten und kann flexibel eingeteilt werden.

Interviews: Gerd Fürstenberger

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Wichtige Mitteilung

Mehr Bildungs- und Erwerbsmigration aus Drittstaaten

Im ersten Halbjahr 2018 stieg die Zuwanderung aus EU-Staaten im Vergleich zum Vorjahreszeitraum leicht an, während aus Drittstaaten weniger Personen nach Deutschland kamen. Dennoch wurden in dieser Zeit einer steigenden Anzahl von Drittstaatsangehörigen Aufenthalts- oder Niederlassungserlaubnisse zum Zweck einer Ausbildung (70.409 Personen) oder Erwerbstätigkeit (72.865 Personen) erteilt. Die deutliche Mehrheit dieser Personen (78,1 Prozent) reiste jedoch bereits vor 2018 nach Deutschland ein. Dies und mehr zeigt der Halbjahresbericht 2018 zum Wanderungsmonitoring des BAMF-Forschungszentrums, der auf Auswertungen des Ausländerzentralregisters (AZR) beruht.

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Cover Wanderungsmonitor 2018 Halbjahr