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Migranten helfen Migranten

Interview mit dem Dachverband der Migrantenorganisationen in Ostdeutschland

Datum 18.12.2018

Zum Internationalen Tag der Migranten erläutert Geschäftsführer Mamad Mohamad, wie der Dachverband der Migrantenorganisationen in Ostdeutschland e. V. (DaMOst) mit Hilfe der Strukturförderung des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF) die Teilhabe von Migrantinnen und Migranten in Ostdeutschland stärkt.

Was ist die Idee von DaMOst?

"DaMOst unterstützt und vertritt etwa 270 migrantische Organisationen und Einzelpersonen mit Migrationshintergrund in Ostdeutschland. Das heißt zum Beispiel, Kontakt zu wichtigen Akteuren der Bundespolitik herzustellen, zu beraten und die Vernetzung zu fördern. DaMOst schafft Rahmenbedingungen für erfolgreiche Aktionen und Projekte, die die selbstbestimmte Teilhabe der Migrantinnen und Migranten in Ostdeutschland verbessern. Gegründet wurde der "Dachverband von Migrantenorganisationen in Ostdeutschland (DaMOst)" nach einer intensiven Vorbereitungsphase am 20. Oktober 2018 durch Vertreterinnen und Vertreter der Landesnetzwerke von Migrantenorganisationen aus Mecklenburg-Vorpommern, Thüringen, Sachsen-Anhalt, Sachsen und Brandenburg. Der Dachverband vertritt die Interessen seiner Mitglieder und trägt zum gelingenden Zusammenleben in Ostdeutschland bei."

Was unterscheidet DaMOst von anderen Dachverbänden?

"Die Lebenswirklichkeit der Menschen mit ausländischer Staatsangehörigkeit unterscheidet sich zwischen den neuen und alten Bundesländern (inklusive Berlin). Das liegt vor allem daran, dass im Vergleich zur Bundesrepublik deutlich weniger Migration in die ehemalige DDR stattgefunden hat. Ein paar Zahlen helfen dabei, die Situation zu veranschaulichen. Rund 10,6 Millionen Menschen mit ausländischer Staatsangehörigkeit leben in Deutschland. Mehr als zehn Millionen davon leben in den alten Bundesländern und Berlin. Die übrigen nicht ganz 0,6 Millionen Menschen verteilen sich auf die neun Bundesländer. Migrantenorganisationen sind hier wichtige Anlaufstellen für Zugewanderte. In Ostdeutschland sind sie jedoch bisher noch wenig strukturiert und verfügen nur über geringe Ressourcen. Die Interessenlagen der Menschen mit Migrationshintergrund sind sehr heterogen und bedürfen einer professionellen und organisierten Interessenvertretung. Hier setzt DaMOst an und bündelt die vorhandenen Potentiale selbstorganisierter Migrantinnen und Migranten unter einem Dach. Regional tätige Landesverbände können über DaMOst ihre Situation schildern und ihre Anliegen auf die bundespolitische Ebene transportieren. DaMOst ist also das Sprachrohr der in Ostdeutschland lebenden Menschen mit Migrationshintergrund auf Bundesebene."

Welchen Mehrwert bietet DaMOst seinen Mitgliedern und wie unterstützen diese wiederum Migrantinnen und Migranten?

"Das Stichwort lautet hier: Empowerment – also selbstbestimmt und selbstverantwortlich am gesellschaftlichen Leben teilhaben. Aber viele Menschen mit Migrationshintergrund werden durch Sprachbarrieren, Unsicherheiten und Scham, aber auch aufgrund von Diskriminierungserfahrungen gehemmt, mit Einrichtungen und Institutionen der Mehrheitsgesellschaft in Kontakt zu treten. Konkret bieten unsere Mitglieder den Migrantinnen und Migranten Beratung und Betreuung in der jeweiligen Muttersprache durch Menschen mit ähnlichem kulturellem Hintergrund an. Dieses Angebot hilft, bestehende Barrieren zu überwinden. Deshalb bauen Migrantenorganisationen Brücken für die Menschen, deren gesellschaftliche Teilhabe erschwert ist. Brücken werden aber auch zu Verwaltung und Politik auf Bundesebene gebaut, um hier die Expertise und Interessen der Menschen mit Migrationshintergrund vor allem bei Integrationsfragen einzubringen."

DaMOst erhält eine Strukturförderung durch das BAMF. Wofür werden die Fördermittel eingesetzt?

"DaMOst befindet sich noch am Anfang und im Aufbau. Das heißt, wir setzen die Fördermittel ein, um eine Koordinierungs- und Geschäftsstelle aufzubauen, die erstmalig die Migrantenorganisationen aller neuen Bundesländer unter einem Dach vereint. Außerdem liegt der Fokus auf der Vernetzung – sowohl untereinander als auch mit verschiedenen Partnern aus Politik und Verwaltung. Zusätzlich arbeiten wir Strategien aus und unterstützen die Landesverbände bei ihrer Arbeit vor Ort. Teil der Strukturförderung ist außerdem eine externe fachliche Begleitung, von der wir gezielte Coachings und Beratung, zum Beispiel für den Aufbau professioneller Organisationsstrukturen und Öffentlichkeitsarbeit erhalten."

Was ist das Hauptziel von DaMOst für 2019?

"Immer wieder wird uns persönlich von Erfahrungen mit Ressentiments, Ablehnung und Fremdenfeindlichkeit berichtet. Es ist also wichtig, die Organisationsstrukturen der Migrantenorganisationen weiter aufzubauen, Integration in und mit der Aufnahmegesellschaft zu gestalten und Interessen der Migrantinnen und Migranten noch stärker zu vertreten. Alles in allem wird unser Arbeitsbereich 2019 sehr vielfältig sein. Wir wollen im Verband zum Beispiel die Fachbereiche Antirassismus und Antidiskriminierung, Bildung und Interreligiöser Dialog aufbauen, um zeitnah konkrete Projekte anstoßen zu können."

Strukturförderung von Migrantenorganisationen auf Bundesebene

Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) unterstützt durch die Strukturförderung Dachverbände von Migrantenorganisationen auf Bundesebene beim Auf- und Ausbau ihrer Strukturen und bei der Professionalisierung ihrer Arbeit. Die Expertise von Migrantenorganisationen wird dadurch für die bundesweite Integrationsarbeit nutzbar und sichtbar gemacht. Teil der Strukturförderung ist eine externe fachlich-wissenschaftliche Begleitung und Evaluation. Weitere Informationen über die Strukturförderung erhalten Sie über den Link unter "Zum Thema".

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