Internationaler Tag der Migranten: Migrantenorganisationen als Experten für Integrationsarbeit
15 Modellprojekte zur verstärkten Partizipation von Migrantenorganisationen abgeschlossen
Datum 18.12.2011
Fast 800.000 Migranten sind im vergangenen Jahr nach Deutschland gekommen. Im europäischen Vergleich ist die Bundesrepublik damit weiterhin ein Hauptzielland von Migration und hat in den letzten Jahren für Zuwanderer an Attraktivität gewonnen. Das macht der gerade veröffentlichte Migrationsbericht 2010 deutlich. Um Zuwanderern, die dauerhaft in Deutschland leben, die Teilhabe in allen gesellschaftlichen Bereichen zu ermöglichen, fördert das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge ergänzend zu den Integrationskursen eine Vielzahl von Projekten zur gesellschaftlichen Integration. Dabei spielen Migrantenorganisationen eine zunehmend wichtige Rolle.
"Migrantenorganisationen sind als Brückenbauer unverzichtbare Akteure der Integrationsarbeit vor Ort. Sie können Menschen mit Migrationshintergrund häufig besser erreichen, als dies staatlichen Einrichtungen gelingt und schließen Lücken der Integrationsförderung"
, betont Dr. Manfred Schmidt, Präsident des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge, zum heutigen Anlass des Internationalen Tags der Migranten. Rund ein Drittel der 360 im Jahr 2011 geförderten Projekte werden bereits von bzw. in Kooperation mit Migrantenorganisationen durchgeführt. Künftig möchte das Bundesamt Migrantenorganisationen noch stärker an der Projektförderung beteiligen. Um im größeren Umfang selbst Träger von Integrationsprojekten zu werden, benötigen die überwiegend ehrenamtlich arbeitenden Organisationen jedoch Unterstützung sowie Qualifizierung und Professionalisierung. Dazu können Kooperationen von Migrantenorganisationen mit anderen Trägern beitragen, in denen diese ihre Erfahrungen und Erkenntnisse in der Projektarbeit weitergeben und die Migrantenorganisationen bei ihrer Vernetzung vor Ort unterstützen.
Vor diesem Hintergrund hat das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge zwei Jahre lang 15 Modellprojekte gefördert, in denen verschiedene Kooperationsmöglichkeiten zwischen Migrantenorganisationen und anderen Trägern – etwa Wohlfahrtsverbänden oder Trägern der Jugendarbeit – erprobt wurden. Die Bandbreite reichte dabei von Mentoringprojekten über losere inhaltliche Kooperationen bis hin zur engeren Zusammenarbeit in sogenannten Tandemprojekten, in denen beide Partner gemeinsam den Projektantrag gestaltet haben und die geförderte Maßnahme zusammen durchführten. Ebenso wie die Art der Zusammenarbeit waren auch die Inhalte weit gefasst: Sie erstreckten sich auf Stadtteilarbeit, Gesundheits- und Familienberatung, Jugendarbeit, interkulturelle Öffnung oder die Stärkung des bürgerschaftlichen Engagements. Vor wenigen Tagen sind die Modellprojekte zu Ende gegangen. Ein erstes Fazit lautet: Gute Kooperationen können maßgeblich zur Professionalisierung und Stärkung von Migrantenorganisationen und zur interkulturellen Öffnung beitragen. Werden Kooperationsprojekte gleichberechtigt geführt, können beide Partner stark davon profitieren. Aber: Gleichberechtigte Kooperationen sind kein Selbstläufer. Die Zusammenarbeit zwischen Migrantenorganisationen, die überwiegend ehrenamtlich arbeiten, und hauptamtlichen Trägern stellt beide Partner vor besondere Herausforderungen.
Gut gemeistert wurde diese Herausforderung unter anderem im Kooperationsprojekt "Auf die Plätze, Projektantrag und los!", welches das Forum der Kulturen Stuttgart e.V., der Dachverband der Stuttgarter Migrantenvereine, mit dem Stuttgarter Interkulturbüro durchgeführt hat. Im Mittelpunkt des Projekts stand ein Förderwettbewerb für Klein-Projekte zur Stärkung des bürgerschaftlichen Engagements von Migrantenorganisationen in Stuttgart. Das Forum der Kulturen Stuttgart hat interessierte Organisationen bereits bei der Antragstellung unterstützt und beraten. Nach der Projektauswahl wurden die Migrantenorganisationen für die Projektdurchführung geschult. Umgesetzt wurden schließlich 20 Klein-Projekte, darunter ein Märchenspiel "Stressfrei Lernen ... auf gut Deutsch!" und eine virtuelle Führung durch die Landeshauptstadt. Am Ende waren sich die Organisatoren einig: Alle beteiligten Vereine haben gezeigt, was möglich ist und welche Potenziale in ihnen stecken, wenn sie entsprechend gefördert werden. Kooperation mit Migrantenorganisationen, so die Erkenntnis aus diesem und den anderen Modellprojekten, ist ein zukunftsweisendes Modell, um Teilhabe und Miteinander zu fördern.


