BAMF - Bundesamt für Migration und Flüchtlinge - Pressemeldungen - 45.741 Asylanträge im Jahr 2011

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45.741 Asylanträge im Jahr 2011

Ausgabe 02/2012
Datum 24.01.2012

Im Jahr 2011 wurden beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge 45.741 Asylerstanträge gestellt, 4.409 mehr als im Jahr 2010. Dies bedeutet eine Steigerung gegenüber dem Vorjahr um etwa 11 Prozent.

Die erneute Steigerung der Zahl der Asylbewerber ist vor allem auf den vermehrten Zugang aus den Hauptherkunftsländern, hier vor allem aus Afghanistan, Pakistan, Syrien und dem Iran, sowie auf die weiterhin hohen Zugangszahlen aus Serbien und dem Irak zurückzuführen. Allein 71 Prozent aller Asylbewerber im Jahr 2011 kamen aus den zehn Hauptherkunftsländern.

Insgesamt 7.098 Personen erhielten im Jahr 2011 die Rechtsstellung eines Flüchtlings nach der Genfer Konvention (16,4 Prozent aller Asylbewerber). Zudem erhielten 2.577 Personen (5,9 Prozent) sogenannten „subsidiären Schutz“ (Abschiebungsverbote gemäß § 60 Abs. 2, 3, 5 und 7 Aufenthaltsgesetz).

Hierzu erklärt Bundesinnenminister Dr. Hans-Peter Friedrich:

„Zum vierten Mal in Folge ist in Deutschland ein Anstieg der jährlichen Asylbewerberzahlen zu verzeichnen. Während 2007 noch 19.164 Asylbewerber zu uns kamen, waren es im vergangenen Jahr bereits 45.741 Asylbewerber. Deutschland ist und bleibt damit neben Frankreich das Hauptaufnahmeland für Asylbewerber in der EU.

Asyl und Flüchtlingsschutz genießen in Deutschland zu Recht einen hohen Stellenwert. Die Bundesregierung wird deshalb auch in Zukunft ihre verantwortungsbewusste Asyl- und Flüchtlingspolitik fortsetzen. Ziel dieser Politik ist es, tatsächlich Verfolgten großzügig Schutz zu gewähren, gleichzeitig aber Missbrauch und Fehlentwicklungen entschieden entgegenzuwirken.“

Die Zahlen im Einzelnen:

I. Gesamtes Jahr 2011

In der Zeit von Januar bis Dezember 2011 haben insgesamt 45.741 Personen in Deutschland Asyl (Erstanträge) beantragt. Gegenüber dem Vergleichszeitraum im Vorjahr (41.332 Personen) bedeutet dies eine Steigerung um 4.409 Personen (10,7 Prozent).

Die Monatsentwicklung im 2-Jahres-Vergleich verlief wie folgt:
Monat
20102011
(Durch nachträgliche Berichtigungen weichen die Gesamt-Jahreszahlen von den Additionen der Monatszahlen ab)
Januar2.6593.748
Februar2.3613.290
März2.6733.527
April2.3932.959
Mai2.3433.421
Juni2.8003.174
Juli3.2683.439
August3.9364.027
September4.5354.132
Oktober4.7554.106
November4.5994.825
Dezember3.6994.174
Die Hauptherkunftsländer 2011 waren:
Nr.Land20102011Veränderung in %Veränderung absolut
1.Afghanistan5.905
7.767
31,5
1.862
2.Irak5.5555.8315,0276
3.Serbien4.9784.579-8,0-399
4.Iran2.4753.35235,4887
5.Syrien1.4902.63476,81.144
6.Pakistan8402.539202,31.699
7.Russische Föderation1.1991.68940,9490
8.Türkei1.3401.57817,8238
9.Kosovo1.6141.395-13,6-219
10.Mazedonien2.4661.131-54,1-1.335



Im Zeitraum von Januar bis Dezember 2011 hat das Bundesamt 43.362 Entscheidungen (Vorjahr: 48.187) getroffen.

Insgesamt 7.098 Personen (16,4 Prozent) wurde die Rechtsstellung eines Flüchtlings nach dem Abkommen über die Rechtsstellung der Flüchtlinge vom 28. Juli 1951 (Genfer Flüchtlingskonvention) zuerkannt. Darunter waren 652 Personen (1,5 Prozent), die als Asylberechtigte nach Art. 16a des Grundgesetzes anerkannt wurden, sowie 6.446 Personen (14,9 Prozent), die Flüchtlingsschutz nach § 3 des Asylverfahrensgesetzes i.V.m. § 60 Abs. 1 des Aufenthaltsgesetzes erhielten.

Dies ergibt bei entsprechender Aufschlüsselung nach Herkunftsländern (in Prozent):

Flüchtlingsanerkennungen 2011 (in %)
LandAnerkennungendavon Asylberechtigtdavon Flüchtlingschutz
Gesamt
16,41,514,9
Afghanistan11,10,810,3
Irak51,90,551,4
Serbien0,00,00,0
Iran50,49,840,6
Syrien37,34,432,9
Pakistan13,51,512,0
Russische Föderation10,30,79,6
Türkei7,22,54,7
Kosovo0,20,00,2
Mazedonien0,00,00,0

Darüber hinaus hat das Bundesamt von Januar bis Dezember 2011 bei 2.577 Personen (5,9 Prozent) Abschiebungsverbote gemäß § 60 Abs. 2, 3, 5 und 7 des Aufenthaltsgesetzes (sog. subsidiärer Schutz) festgestellt, z.B. weil im Herkunftsland die Todesstrafe, die Folter oder eine andere unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder eine erhebliche Gefahr für Leib, Leben oder persönliche Freiheit konkret droht.

Dies ergibt bei entsprechender Aufschlüsselung nach Herkunftsländern (in Prozent):

Abschiebungsverbote 2011
Landin Prozent
Gesamt
5,9
Afghanistan23,2
Irak1,8
Serbien0,4
Iran2,3
Syrien3,8
Pakistan0,5
Russische Föderation3,7
Türkei1,4
Kosovo2,3
Mazedonien0,3

Abgelehnt wurden die Anträge von 23.717 Personen (54,7 Prozent). Anderweitig erledigt (z.B. durch Verfahrenseinstellungen wegen Rücknahme des Asylantrages) wurden die Anträge von 9.970 Personen (23,0 Prozent).

Die Zahl der Personen, über deren Anträge noch nicht entschieden wurde, betrug Ende Dezember 2011 33.773 (29.502 Erstanträge und 4.271 Folgeverfahren).

Im Jahr 2011 wurden beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge neben 45.741 Erstanträgen auch 7.606 Asylfolgeanträge gestellt (2010: 41.332 Erst- und 7.257 Folgeanträge). Hauptherkunftsländer bei den Folgeanträgen waren Serbien (2.411), Syrien (802) und Mazedonien (622). Der Anteil der Asylfolgeanträge an allen Asylanträgen lag damit bei 14,3 Prozent. Im Jahr 2010 lag der Anteil der Folgeanträge noch bei 14,9 Prozent.

Entwicklung der Asylbewerberzahlen der Hauptherkunftsländer:

Auch im Jahr 2011 stieg die Zahl der Asylerstanträge gegenüber dem Vorjahr bei den meisten der Hauptherkunftsländer an, und zwar um zwischen 5 Prozent (Irak) und 202 Prozent (Pakistan). Nur bei Serbien (-8 Prozent), Kosovo (-14 Prozent) und Mazedonien (-54 Prozent) gab es jeweils einen Rückgang.

Stärkstes Herkunftsland im Jahr 2011 war, wie schon im Vorjahr, Afghanistan. Der Asylbewerberzugang stieg von 5.905 Erstanträgen im Jahr 2010 auf nunmehr 7.767 Erstanträge.

Auf Platz 2 der Hauptherkunftsländer im Jahr 2011 lag, wie im Vorjahr, der Irak (5.831 Erstanträge). Die Zahl der Asylerstanträge stieg um 276 (5 Prozent). Fast die Hälfte der irakischen Antragsteller waren Kurden.

Serbien lag erneut auf Platz 3 der Hauptherkunftsländer. 2011 kamen insgesamt 4.579 Asylerstantragsteller, 399 weniger als im Vorjahr (-8,0 Prozent). Allerdings stieg stattdessen die Zahl der Asylfolgeanträge von 1.817 im Jahr 2010 auf 2.411 im Jahr 2011 deutlich, sodass sich insgesamt die Zahl der serbischen Asylanträge (Erst- und Folgeanträge) von 6.795 auf 6.990 erhöhte. Fast ein Drittel aller Asylfolgeanträge entfielen damit auf Serbien. Mehr als 90 Prozent der serbischen Antragsteller waren Roma.

Ebenfalls sehr deutliche Steigerungen bei den Asylzugängen 2011 waren aus Pakistan (+1.669 Erstanträge, Steigerung um 202 Prozent gegenüber 2010), Syrien (+1.144 Erstanträge, Steigerung um 77 Prozent gegenüber 2010), der Russischen Föderation (+490 Erstanträge, Steigerung um 41 Prozent gegenüber 2010) und dem Iran (+877 Erstanträge, Steigerung um 35 Prozent gegenüber 2010) zu beobachten. Gut die Hälfte der Antragsteller aus der Russischen Föderation waren Tschetschenen.

Bei Betrachtung der letzten 6 Jahre ist auffällig, dass der Anteil der zehn Hauptherkunftsländer an allen Asylbewerbern stetig steigt. Lag der Anteil der Top 10 des Jahres 2006 noch bei 55 Prozent, so konzentrierten sich im Jahr 2011 bereits 71 Prozent aller Asylbewerber auf die 10 Hauptherkunftsländer.

II. Aktueller Monat

Beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge haben im Dezember 2011 4.174 Personen (Vormonat 4.825 Personen) Asyl beantragt.

Damit ist die Zahl der Asylbewerber gegenüber dem Vormonat um 651 (13,5 Prozent) gesunken und gegenüber dem Vorjahresmonat um 475 (12,8 Prozent) gestiegen.

Hauptherkunftsländer im Dezember 2011
Nr.LandOktoberNovemberDezember
1.Serbien
620904
853
2.Afghanistan579624461
3.Pakistan377365387
4.Irak422507378
5.Iran305363323
6.Syrien215279210
7.Russische Föderation171144155
8.Kosovo112133122
9.Türkei132140122
10.Mazedonien89186109

Neben den 4.174 Erstanträgen wurden im Dezember 2011 beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge 889 Folgeanträge gestellt.

Im Dezember 2011 hat das Bundesamt über die Anträge von 3.673 Personen (Vormonat: 3.857) entschieden.

Insgesamt 513 Personen (14,0 Prozent) wurde die Rechtsstellung eines Flüchtlings nach dem Abkommen über die Rechtsstellung der Flüchtlinge vom 28. Juli 1951 (Genfer Flüchtlingskonvention) zuerkannt. Darunter waren 49 Personen (1,3 Prozent), die als Asylberechtigte nach Art. 16a des Grundgesetzes anerkannt wurden, sowie 464 Personen (12,7 Prozent), die Flüchtlingsschutz nach § 3 des Asylverfahrensgesetzes i. V. m. § 60 Abs. 1 des Aufenthaltsgesetzes erhielten.

Darüber hinaus hat das Bundesamt im Dezember 2011 bei 148 Personen (4,0 Prozent) Abschiebungsverbote gemäß § 60 Abs. 2, 3, 5 und 7 des Aufenthaltsgesetzes (sog. subsidiärer Schutz) festgestellt.

Abgelehnt wurden die Anträge von 2.068 Personen (56,3 Prozent). Anderweitig erledigt (z.B. durch Verfahrenseinstellungen wegen Rücknahme des Asylantrages) wurden die Anträge von 944 Personen (25,7 Prozent).

Quelle: Bundesministerium des Innern

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