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Migrationsentscheidungen, Wanderungswege und -ziele

BAMF-Kurzanalyse 2/2016

Ausgabe 022/2016
Datum 27.04.2016

Das Forschungszentrum des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge veröffentlicht in seiner zweiten Kurzanalyse aktuelle Ergebnisse im Rahmen seiner Studie zu Integrationsverläufen von Resettlement-Flüchtlingen. Die Auswertung der Daten zu Geflüchteten mit afrikanischer Staatsangehörigkeit zeigt die häufigsten Fluchtmotive sowie die Wanderungswege und -ziele der Migranten.

Die Ergebnisse beruhen auf den Migrationsbiographien von 151 Geflüchteten aus dem Osten Afrikas, die im Rahmen des Resettlement-Programms 2012 und 2014 in Deutschland aufgenommen worden sind. Sie zeigen, dass die Wanderungsziele der überwiegenden Mehrheit der Befragten (97 %) zunächst nicht in Europa, sondern auf dem afrikanischen Kontinent und auf der arabischen Halbinsel lagen.

Langwierige Migrationsgeschichten

Aus Angst vor Gewalt oder staatlicher Willkür haben die Flüchtenden Ihre Heimat verlassen. Über die Hälfte (58 %) haben in mindesten zwei Ländern außerhalb des Herkunftslandes meist über Jahre hinweg gelebt. Im Verlauf der Wanderung kamen neben den ursprünglichen Wanderungsgründen, wie der Suche nach Sicherheit und persönlicher Freiheit auch ökonomische und familiäre Gründe hinzu. Aufenthaltsrechtliche Probleme, Ausbeutung und diverse Verletzungen der persönlichen Rechte machten den dauerhaften Verbleib in den Erstzufluchtsstaaten oft nicht möglich.

Ein Balkendiagramm zeigt die Hauptgründe der Flucht: Ethnische/religöse Konflikte: Männer 43% Frauen 17%, Staatliche Verfolgung: Männer 19%, Frauen 3%, Diskriminierung: Männer 8%, Frauen 2%; Familiennachzug: Frauen 5%, sexualisierte Gewalt: Frauen 3%Zum Vergrößern der Grafik bitte das Bild anklicken. Quelle: BAMF|Referat 213| Resettlement, Humanitäre Aufnahme, Relocation

Libyen, Syrien und Jemen waren vor Beginn der dortigen politischen Umbrüche und kriegerischen Auseinandersetzungen wichtige Zufluchtsstaaten für Menschen aus Ostafrika. Vor dem Hintergrund der aktuell instabilen Sicherheitslage in diesen Ländern ist anzunehmen, dass Flüchtende aus den Ländern Subsahara-Afrikas versuchen, neue Zielregionen für sich zu erschließen. Trotz hoher Migrationsrisiken werden sich einige auch auf den gefährlichen Weg nach Europa machen. 

Hintergrund: Resettlement-Programm

Das Programm zur Neuansiedlung von Schutzsuchenden wurde auf der Ständigen Konferenz der Innenminister und -senatoren der Länder im Herbst 2011 zunächst für drei Jahre ab 2012 als Pilotprojekt beschlossen. Resettlement zielt darauf ab, besonders schutzbedürftigen Menschen, die aus ihrer Heimat in einen Drittstaat geflohen sind, aber dort keine dauerhafte Lebensperspektive haben, eine neue Perspektive im Aufnahmestaat zu eröffnen.

Im Rahmen der Resettlement-Aufnahmen werden Personen, die das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen als besonders schutzbedürftig und für das Resettlement-Verfahren geeignet befunden hat, dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge zur Aufnahme vorgeschlagen. Im Anschluss an individuelle Interviews entscheidet das BAMF über die Aufnahme. Nach Durchführung des Visumverfahrens werden die Schutzsuchenden dann in der Regel per organisiertem Charterflug nach Deutschland gebracht.

Zwischen 2012 und 2014 hat Deutschland jährlich 300 Personen im Rahmen des Resettlement-Programms aufgenommen. Im Dezember 2014 hat sich die Innenministerkonferenz für eine Weiterführung und Ausweitung ausgesprochen. 2015 erhöhte sich das Aufnahmekontingent auf 500 Personen jährlich.

Seit Anfang 2014 begleitet das Forschungszentrum des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge das Resettlement-Programm von wissenschaftlicher Seite und untersucht, wie die Geflüchteten trotz belastender biografischer Kriegs- und Fluchterfahrungen und in einer zunächst unbekannten sozio-kulturellen Umwelt ihre gesellschaftliche Teilhabe gestalten.

Die Studie und weitere Informationen zum Forschungsprojekt und dem Resettlement-Programm finden Sie unter den Links in der rechten Spalte.

Quelle: Bundesamt für Migration und Flüchtlinge

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