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Migrationsbericht 2015 und Hochrechnung Zahl der Muslime in Deutschland

Ausgabe 61/2016
Datum 14.12.2016

Das Bundeskabinett hat heute den vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) erarbeiteten Migrationsbericht 2015 verabschiedet, der einen Überblick über das Migrationsgeschehen 2015 und zugleich einen Ausblick auf das laufende Jahr 2016 gibt. Das Migrationsgeschehen dieser beiden Jahre, das Deutschland und Europa in bislang einmaliger Weise vor enorme Herausforderungen gestellt hat, kann aufgrund der besonderen Situation nicht getrennt voneinander betrachtet werden.

Hierzu erklärt Bundesminister Thomas de Maizière: Die Bundesregierung hat die ersten Herausforderungen gemeinsam mit den Ländern und den Kommunen, den Kirchen und Wohlfahrtsverbänden und ganz besonders den unzähligen freiwilligen und ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern gemeistert. Durch notwendige Gesetzesänderungen, massive Personalverstärkungen, Schaffung von effektiven Strukturen und Organisationsabläufen sowie Initiativen auf EU- und internationaler Ebene ist es uns gelungen, die bis dahin beispiellose Zuwanderung durch Flüchtlinge zu begrenzen, zu ordenen und zu steuern. Jetzt arbeiten wir daran, u.a. durch eine nachhaltige Bekämpfung von Fluchtursachen in den Herkunftsstaaten, dass sich eine Situation wie im letzten Jahr nicht mehr wiederholt.

Der Bericht gibt auf Grundlage der vorhandenen Daten einen Überblick über das Migrationsgeschehen in Deutschland und beinhaltet neben den allgemeinen Wanderungsdaten zu Deutschland und der Darstellung der verschiedenen Zuwanderungsgruppen einen europäischen Vergleich zum Migrations- und Asylgeschehen.

Die Zahl der Zuzüge nach Deutschland ist im Jahr 2015 gegenüber 2014 gestiegen. Es kamen 2,14 Mio. Menschen nach Deutschland – darunter viele Schutzsuchende, aber auch viele Unionsbürger und Deutsche, die bisher im Ausland gelebt haben. Auch die Zahl der Fortzüge ist gegenüber den Vorjahren gestiegen (fast 1 Mio. Personen). Damit ist 2015 von einem Wanderungsgewinn von rund 1 Mio. Personen auszugehen. Etwa 94 Prozent der Zuzüge und rund 86 Prozent der Fortzüge betrafen Ausländer. Ca. 45 Prozent der Zuwanderer waren EU-Bürger, darunter 6 Prozent Deutsche. Auch 2015 zogen mehr Deutsche fort, als zurückkamen. Der Wanderungsverlust von fast 18.000 Deutschen war jedoch geringer als im Vojahr (26.000).

Bezüglich der 2015 zugewanderten Schutzsuchenden hat die Einführung des Datenaustauschverbesserungsgesetzes dazu geführt, dass deren Erfassung aussagekräftig und belastbar erfolgt. Danach ist für das Jahr 2015 von 890.000 Asylsuchenden auszugehen.

2015 haben 82.400 Personen einen Aufenthaltstitel zum Zwecke des Familiennachzugs erhalten (+29,5 % gegenüber Vorjahr). Die Zahl der Drittstaatsangehörigen, die zum Zwecke der Erwerbstätigeit nach Deutschland kamen ist um 4 Prozent auf 38.800 gestiegen, darunter 28.000 Fachkräfte. Mit einer Blauen Karte (EU-weiter Aufenthaltstitel für Personen mit Hochschulabschluss) kamen 2015 6.792 Personen nach Deutschland, ca. 30 Prozent mehr als 2014. Im Wintersemster 2015/2016 haben 340.000 Ausländer an deutschen Hochschulen studiert, davon 85.000 Studienanfänger (+ 4,1 %). Bei den Bildungsausländern, die 2015 in Deutschland ein Studium (Winter- und Sommersemester) begannen, kamen 10,8 Prozent aus China, 5,1 Prozent aus Indien, gefolgt von Italien und USA mit je 4,9 Prozent und Frankreich mit 4,6 Prozent.

Bundesminister de Maizière plädiert für eine genaue Betrachtung : Es lohnt sich genau hinzuschauen: Migration ist nicht nur Asyl. Für eine seriöse Diskussion ist eine Differenzierung der Zuwanderergruppen, ihrer unterschiedlichen Motivlagen und Hintergründe erforderlich.

Im Europäischen Vergleich zeigt sich, dass Deutschland weiterhin ein Hauptzielland von Migration ist. Hohe Zuwanderungszahlen haben auch das Vereinigte Königreich, Frankreich, Italien und Spanien.

Der Migrationsbericht informiert gestützt auf den Mikrozensus auch über die Zahl und Zusammensetzung der Ausländer in Deutschland: Von 81,4 Mio. Einwohnern Deutschlands hatten 17,1 Mio. einen Migrationshintergrund. In Deutschland lebten 2015 ca. 7,8 Mio. Ausländer, von denen 1,3 Mio. in Deutschland geboren und aufgewachsen sind (Mikrozensus 2015), fast 54 Prozent der ausländischen Bevölkerung lebten 10 Jahre und länger in Deutschland, etwa 36 Prozent seit mindestens 20 Jahren und 20 Prozent schon seit 30 Jahren.

Zwischen 4,4 und 4,7 Mio. Muslime in Deutschland

Die starke Zuwanderungsbewegung des Jahres 2015 war auch ein Anlass, zusätzlich zur Erstellung des Migrationsberichts eine Neuerhebung der Zahl der Muslime in Deutschland vorzunehmen: Nach den Ergebnissen einer ergänzenden Hochrechnung des Forschungszentrums des Bundesamtes im Auftrag des Bundesinnenministeriums und der Deutschen Islam Konferenz lebten zum Stichtag 31. Dezember 2015 zwischen 4,4 und 4,7 Mio. Muslime in Deutschland. Der Anteil der Muslime an der Gesamtbevölkerung liegt damit zwischen 5,4 und 5,7 Prozent.

Die aktuellen Ergebnisse zeigen, dass seit dem letzten Zensus im Jahr 2011 ein Zuwachs von rund 1,2 Mio. muslimischen Männern und Frauen zu verzeichnen ist. Gut jeder vierte Muslim ist somit erst kürzlich nach Deutschland zugewandert.

Muslimische Neuzuwanderer sind vor allem aus bislang in Deutschland weniger vertretenen Herkunftsregionen gekommen, so etwa dem Nahen Osten und Süd-/Südostasien. Der Anteil der Muslime mit türkischen Wurzeln ist hierdurch von 68 Prozent im Jahr 2008 auf 51 Prozent im Dezember 2015 gesunken. Muslime aus dem Nahen Osten haben sich mit einem Anteil von 17 Prozent zur zweitgrößten Herkunftsgruppe entwickelt.

Hierzu erklärt Bundesminister Thomas de Maizière: Erstmals seit der Studie „Muslimisches Leben in Deutschland“ der Deutschen Islam Konferenz aus dem Jahr 2009 liegen nun aktuelle Daten zur Zahl von Muslimen in Deutschland vor. Die Zahlen belegen, dass das muslimische Leben in Deutschland vielfältiger wird. In Anbetracht dieser Entwicklung sind die islamischen Organisationen in Deutschland gefordert, sich zu öffnen. Die Integrationsaufgabe wird dringlicher. Ebenso eine Debatte über die und in Deutschland prägende Kultur. Das werden wir künftig v.a. auch im Rahmen der Deutschen Islam Konferenz erörtern.

Quelle: Bundesministerium des Innern

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