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0030/2008
Erfolgreiche Migrantinnen in Deutschland

Erscheinungsdatum:
17.12.2008
Forschungsprojekt zeigt: Familie, Förderer und Deutschkenntnisse sind entscheidende Faktoren

Wie gelingt es Frauen mit Migrationshintergrund in Deutschland, erfolgreich ihren beruflichen Weg zu gehen? Dieser Frage ist ein Forschungsprojekt des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF) unter dem Titel "Erfolgsbiographien von Migrantinnen" nachgegangen. Die Erfolgsbiographien sollen einerseits Frauen mit Zuwanderungsgeschichte ermutigen, neue Wege zu gehen, und andererseits auch die Aufnahmegesellschaft auf die Potenziale dieser Frauen aufmerksam machen, betonte der Präsident des Bundesamtes, Dr. Albert Schmid, anlässlich der Veröffentlichung der Forschungsergebnisse.

Die Studie setzt sich aus zwei Teilen zusammen: einer Sonderauswertung der vom Bundesamt durchgeführten "Repräsentativbefragung ausgewählter Migrantengruppen in Deutschland (RAM)", in der mehr als 4.500 Menschen der fünf größten ausländischen Nationalitätengruppen befragt wurden und 30 Leitfadeninterviews mit beruflich erfolgreichen Migrantinnen der ersten und zweiten Generation. Diese Teilstudie mit Interviews war als Expertise an die Universität Osnabrück vergeben worden.

Die Befragung der Migrantinnen zeigt, dass vor allem eine Unterstützung durch die Familie, Förderer in Schule, Ausbildung und Arbeitswelt sowie ausreichende Deutschkenntnisse entscheidende Faktoren sind, die eine berufliche Karriere begünstigen. Viele der beruflich erfolgreichen Frauen wurden von bildungsorientierten und -motivierten Eltern zu finanzieller Selbstständigkeit ermutigt. Auch den Lehrkräften kommt eine Schlüsselrolle zu: Mit ihrem Engagement können erfolgreiche Bildungswege angebahnt und zunächst weniger erfolgreiche umgelenkt werden. Baustein für die Karriere sind außerdem Angebote zum Erlernen und Verbessern deutscher Sprachkompetenzen. Beim beruflichen Einstieg, so zeigt die Studie, setzt insbesondere die erste Generation auf soziale Netzwerke wie Frauen- oder Migrantenselbstorganisationen und wählt vor allem migrationsspezifische Berufs- und Arbeitsfelder. Frauen der zweiten Generation dagegen haben ihr Berufsspektrum erheblich erweitert – die befragten Migrantinnen hatten zum Beispiel den Beruf der Anwältin, Lehrerin oder Ärztin ergriffen.

Die Sonderauswertung des Bundesamtes im Rahmen der Repräsentativbefragung ergab, dass unter den untersuchten Frauen, die aus der Türkei, dem ehemaligen Jugoslawien, Italien, Griechenland und Polen stammen, ein erhebliches Potenzial an Arbeitskräften ruht und der Schlüssel zur besseren Integration von Migrantinnen in den Arbeitsmarkt eine gute Ausbildung ist. Zwischen den Herkunftsgruppen und insbesondere den Zuwanderergenerationen bestehen allerdings beträchtliche Unterschiede: So weisen beispielsweise Frauen der ersten Generation im Schnitt ein deutlich schlechteres Qualifikationsprofil auf als die der zweiten Generation, welche sowohl eine höhere Beschäftigungsquote erreichen als auch beruflich bessert positioniert sind. Es stellte sich außerdem heraus, dass unter den untersuchten Migrantinnen die Griechinnen als Beschäftigte oder Selbstständige die höchste Einbindung in den Arbeitsmarkt aufweisen.

Die Wahrscheinlichkeit, erwerbstätig zu sein, ist der Studie zufolge weniger durch das Herkunftsland der Migrantinnen, als vielmehr durch andere Merkmale geprägt: dazu gehören Altersgruppe, Generationenzugehörigkeit, Aufenthaltsdauer, Familienstand, Zahl und Alter der Kinder, Zuwanderungsmotiv sowie erworbene Bildungsqualifikationen und Deutschkenntnisse. Die formale Anerkennung mitgebrachter Qualifikationen, die oftmals Schwierigkeiten bereitet, spielt insgesamt eine bedeutsame Rolle. Daher setzt sich das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge im Rahmen des bundesweiten Integrationsprogramms dafür ein, solche Anerkennungsverfahren zu vereinheitlichen und zu verbessern.

Gleichzeitig wurde deutlich, dass ein erheblicher Nachqualifizierungsbedarf für Zuwanderinnen besteht. Dies gilt insbesondere für Frauen der ersten Generation, von denen rund zwei Drittel keinen oder keinen in Deutschland anerkannten Berufsabschluss vorweisen können. Hier wird die hohe Bedeutung von Programmen zur Integration in den Arbeitsmarkt deutlich, wie sie beispielsweise im Nationalen Integrationsplan verfolgt werden.

Quelle: 
BAMF

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