BAMF - Bundesamt für Migration und Flüchtlinge - Projekt des Monats - "Wir alle sprechen die Sprache der Musik"

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"Wir alle sprechen die Sprache der Musik"

Integrationsprojekt des Monats Mai

Datum 30.05.2017

Bis zu 80 Musiker 18 verschiedener Nationalitäten bilden das Ensemble für Ethnomusik "Folklang" an der Volkshochschule (vhs) Tübingen. Die Mitglieder unterschiedlichster Herkunft musizieren zusammen, spielen Volkslieder aus aller Welt und feiern gemeinsam. Ihr Alter, ihre Berufe, ihre Musikerfahrung und ihre Muttersprachen spielen dabei keine Rolle.


Etwa 30 verschiedene Instrumente schweigen auf der Bühne. Nur eine Tar säuselt persische Klänge. Dann hebt jemand die Hand und zählt den Takt ein. Eine Oud aus Syrien und eine Cümbüş aus der Türkei lassen ihre Saiten klingen. Die Musik wird voller. Das Tempo zieht an. Eine kleine, sportliche Frau steht zur Gruppe gewandt und hält ihre Geige bereit. Sie strahlt die Musiker an und freut sich über jeden gelungenen Einsatz. Dann hebt sie den Finger als Zeichen und führt damit die sieben Geigen in die Musik ein. Die Frau ist begeistert. Mit winzigen Zeichen lädt sie die anderen Musiker zum Spielen ein. Gitarren, Querflöten, Trompeten, Akkordeons, Oboe und Cello breiten die Melodie aus. Die Stimmen der Sänger und ein Arsenal von Trommeln – Cajóns und Darbukas –, Rasseln, Klanghölzer und Tamburine vollenden den Klang.


Gegenseitige Akzeptanz braucht mehr als Sprachkenntnisse

Die Frau mit der ansteckenden Fröhlichkeit ist Kathryn Döhner – die musikalische Leitung des ethnokulturellen Orchesters "Folklang". Gerade probt das Ensemble kurz vor einem Auftritt bei einem Wettbewerb. Der Probe lauscht bereits die Jury. Für das Orchester Folklang eine Premiere. Normalerweise spielen die Musikerinnen und Musiker bei Konzerten, Jam-Sessions, Festen und Workshops. Seit gut zwei Jahren treffen sie sich jeden Mittwoch zu offenen Tune Learning-Sessions, an denen jeder teilnehmen kann, der singt oder ein akustisches Instrument spielt. Das Repertoire der Gruppe umfasst 200 Lieder aus aller Welt. Gespielt wird auswendig, ohne Noten, denn bei Folklang wird Musik nach Gehör gemacht. Durch Zuhören und Nachspielen bringen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer einander Musik aus ihrer Heimat bei. So werden abwechselnd Lieder und Stücke aus Portugal, Irak, Iran, Albanien, Syrien, Schweiz, Österreich, Bulgarien oder Deutschland geübt. Somit sind alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer gleichzeitig Lernende und Lehrende.

Eine Frau hält ihre Geige in der Hand und lacht gemeinsam mit zwei Männern. Der Spaß kommt bei den Proben nie zu kurz. Kathryn Döhner im Gespräch mit dem Taristen Mojtaba Soltanlou. Quelle: Borjana Zamani


Das Projekt "Folklang" ist Teil des Angebots der vhs Tübingen. Und diese sieht sich als Ort der Integration: "Für die gegenseitige Akzeptanz von Menschen reichen Sprachkenntnisse nicht aus. Gemeinsames Musizieren bringt Menschen zusammen, unabhängig von ihrem Alter, sozialem Status oder Herkunft", erklärt Susanne Christel, Leiterin des Projekts, die gemeinsam mit Kathryn Döhner das Konzept von "Folklang" entwickelt hat. Gefördert wird das Projekt durch das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, bezuschusst durch die Universitätsstadt Tübingen.

Freunde fürs Leben

Folklang besteht aus verschiedenen Instrumenten- und Musikgruppen. Cédric Berner leitet eine davon. Er harmoniert die Stücke, und die Gitarristen orientieren sich an ihm. "Mich begeistert die Größe und die Diversität des Ensembles. Wir sind nicht nur auf der Bühne ein Team. Wir treffen uns auf einen Kaffee, helfen uns bei Umzügen oder beim Formulare-Ausfüllen. Hier habe ich Freunde für das Leben gewonnen", erzählt er weiter. "Musik braucht viel Kommunikation, deshalb ist es magisch, wenn diese bunte Truppe ohne Noten zusammen funktioniert", freut er sich. Tatsächlich klingt Folklang wie eine Gruppe guter Freunde, die seit Kindertagen gemeinsam ihre Lieblingslieder singen.

Zwei Männer spielen auf ihren GitarrenCédric Berner (rechts) vom Musikteam schreibt die Harmonien Quelle: Borjana Zamani


Das Projekt möchte einen Rahmen für interkulturelle Begegnungen schaffen, kommunale Willkommenskultur und gelebte Integration auf den Weg bringen. So theoretisch das erst einmal mal klingt, so beeindruckend funktioniert es in der Praxis. Die Musiker treffen sich vor der Probe, umarmen sich zur Begrüßung, scherzen, lachen und machen sich ans Musizieren. "Interkulturalität wird bei uns gelebt, ganz selbstverständlich, ohne Zeigefinger und große Worte. Unser Rahmen macht es unabdingbar, dass wir uns wahrnehmen und aufeinander hören, so lernen wir über- und voneinander", erklärt Susanne Christel. "Das Schönste an dem Projekt ist aber, dass wir nie über all das reden müssen, wir alle sprechen die Sprache der Musik", sagt Kathryn Döhner lächelnd. Ende Juni läuft die Förderung des Projektes durch das Bundesamt aus. Danach wollen sie versuchen, als Verein weiter zu existieren.
Die Probe geht zu Ende. Auf der Bühne bricht Jubel aus. Beeindruckt wünscht die Wettbewerbsjury dem Orchester Folklang auch beim anstehenden Auftritt so viel Spaß.

Zwei Frauen stehen sich singend gegenüber.Musikleiterin Kathryn Döhner (links) und Projektleiterin Susanne Christel nach der gelungenen Musikprobe. Quelle: Borjana Zamani


Text: Borjana Zamani

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Interkultureller Kalender 2018

Der interkulturelle Kalender des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge zeigt die Vielfalt von Feier- und Gedenktagen verschiedener Religionen und Kulturen, die in Deutschland gemeinsam leben. Daher enthält der Interkulturelle Kalender neben den bedeutendsten Feiertagen aus Christentum, Judentum, Islam, Hinduismus, der Sikhs und Jesiden auch gesetzliche und sonstige Gedenktage verschiedener kultureller Traditionen.

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