BAMF - Bundesamt für Migration und Flüchtlinge - Aktuelle Meldungen - Wenn Zugewanderte Zuwandernden helfen

Navigation und Service

Wenn Zugewanderte Zuwandernden helfen

Integrationsprojekt des Monats August

Datum 31.08.2017

Wer in einem neuen Land heimisch werden möchte, freut sich über Unterstützung – auch von Zugewanderten, die schon länger im Land leben und Fuß gefasst haben. Ein Projekt der Jüdischen Gemeinde Würzburg und Unterfranken bringt deshalb mit vielfältigen Initiativen und Veranstaltungen jüdische Alt- und Neuzugewanderte aus der ehemaligen Sowjetunion zusammen.

Den Fahrplan des Würzburger Nahverkehrs zwischen sich gelegt, verständigen sich die Frauen angeregt, wechseln zwischen Russisch und ein wenig Deutsch: Welche Fahrkarten gibt es in der Stadt? Welche ist für eine junge, dreiköpfige Familie besonders günstig? Die aus Russland stammende Regina Kon lebt seit 10 Jahren in Würzburg. Damit ist sie ihrer vor zwei Jahren zugewanderten Landsfrau Vitaliia Isniuk eine willkommene Hilfe beim Einleben am neuen Wohnort. Die ehemalige Musiklehrerin half Vitaliia Isniuk zum Beispiel - freiwillig und ehrenamtlich - bei der Anmeldung ihrer Wohnung oder begleitet sie als Dolmetscherin zum Arzt oder zu Ämtern. "Ich mache das sehr gern, denn ich weiß ja aus eigener Erfahrung, wie wichtig eine solche Unterstützung für Neuzuwanderer ist", sagt Regina Kon. Vitaliia Isniuk nickt bekräftigend.


Zwei Frauen sitzen en einem Tisch vor ihnen auf dem Tisch liegt ein Bahnfahrplan.Wie fahre ich günstig mit Bus und Straßenbahn? Regina Kon (links) beantwortet die Fragen von Neuzuwandererin Vitaliia Insniuk. Quelle: Gerd Fürstenberger


Gegenseitige Hilfe

Die Förderung solch bürgerschaftlichen Engagements ist ein wichtiges Ziel des zweijährigen, vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge geförderten Projekts "Esra hadadit" (hebräisch für: gegenseitig helfen) der Jüdischen Gemeinde Würzburg und Unterfranken. "Wir wollen, dass die Zugewanderten in Deutschland und der Gemeinde heimisch werden," so Sozial-und Migrationsberaterin Erika Frank. Unter dem Motto "Jung hilft Alt und Alt hilft Jung, Alt hilft Neu und Neu hilft Alt" haben sie und Projektleiterin Marina Zisman 2016 unter anderem die Frauengruppe ins Leben gerufen, in der solche Patenschaften wie die von Regina Kon und Vitaliia Isniuk entstehen und gedeihen können. Die Gruppe trifft sich zwei Mal monatlich, beispielsweise um gemeinsam Ausflüge zu machen oder um beim gemeinsamen Kochen die koschere Küche kennenzulernen. So können die Projektteilnehmerinnen und -teilnehmer nicht nur ihre neue Heimat entdecken, sondern sich in der Jüdischen Gemeinde auch mit dem jüdischen Leben vertraut machen.

Eine Gruppe aus Frauen und Männern stehen vor einem Miniatur-Stadtmodell von Würzburg.Bei einem Besuch der Ausstellung "Follow me around Würzburg" (hier ums Stadtmodell versammelt) im Johanna Stahl Zentrum erfährt die Frauengruppe viel Wissenswertes über die unterfränkische Metropole. Quelle: Gerd Fürstenberger


Gemäß dem Motto "Alt hilft Jung und Jung hilft Alt" organisiert Marina Zisman auch generationenübergreifende Treffen für den gemeinsamen Austausch. "Hierbei ist es uns wichtig, die junge und ältere Generation zusammenzubringen, mehr voneinander zu erfahren und zu lernen, aber auch gegenseitig zu unterstützen", erzählt Marina Zisman. So geben ehemalige Lehrer ehrenamtlich Nachhilfe, und die Schüler revanchieren sich, indem sie zum Beispiel beim Einkaufen helfen.


Zwei Frauen stehen vor einer Fotowand mit den Projektinitiativen.Administrative Leitung Erika Frank und Marina Zisman vor Fotos aus den Projektinitiativen. Quelle: Gerd Fürstenberger


Rund 20 Ehrenamtliche unterstützen die Integrationsarbeit

Viel von einheimischen Würzburgern besucht wird auch das Museum zu traditionell-jüdischem Leben, das die jüdische Gemeinde in ihrem Zentrum unterhält. "Mit seinen historischen Schätzen und dem methodischen Aufbau ist es etwas ganz Besonderes" schwärmt Alexander Shif. Der 51-jährige Sankt Petersburger, der seit 19 Jahren in Würzburg lebt, begleitet im Rahmen des Projektes "Esra hadadit" heute eine Gruppe von Zugewanderten sachkundig durch die Museumsräume. Auch er gehört zu den Altzugewanderten, die die Integrationsarbeit der Gemeinde ehrenamtlich unterstützen.


Eine Gruppe aus Frauen und Männernsteht in einem Museum zusammen.Museumsführer Alexander Shif erläutert einer Gruppe Zugewanderter jüdische Gebräuche. Quelle: Gerd Fürstenberger


"Wir konnten insgesamt etwa 20 Ehrenamtliche gewinnen, die sich je nach ihren Möglichkeiten im Projekt für ihre Landsleute engagieren", freut sich Erika Frank. "Das ist ein toller Erfolg, und die Angebote werden von unseren Neuzuwanderern dankbar angenommen." Wie es nach dem Projektende weitergeht? Erika Frank ist zuversichtlich: "Wir wollen versuchen, einen Großteil der eingeführten Maßnahmen auch nach Projektabschluss Ende 2017 weiterzuführen."

Text: Gerd Fürstenberger

Zusatzinformationen

Zum Thema

Informationen für Projektträger

Direktlinks zu den sozialen Medien