BAMF - Bundesamt für Migration und Flüchtlinge - Projekt des Monats - "Was ich schaffen kann, das kannst auch Du schaffen"

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"Was ich schaffen kann, das kannst auch Du schaffen"

Integrationsprojekt des Monats Oktober

Datum 30.10.2017

Freunde finden, eigene Talente entdecken, Deutsch als neue Sprache lernen – das sind nur einige der Inhalte des Projektes "(M)ein Vorbild." Unter dem Motto "Was ich schaffen kann, das kannst auch Du schaffen" haben sich drei Jahre lang junge Migrantinnen und Migranten im Pädagogischen Zentrum Bremerhaven e.V. mit Menschen getroffen, die ihnen ein Vorbild sein können. Gemeinsam mit Ansprechpartnern und Kursleitern haben sie aufgebaut, was in einem fremden Land oft fehlt: Vertrautheit, Heimatgefühl und damit auch Selbstsicherheit.

Eine Idee fürs Leben geben

"Es geht aber nicht darum, etwa nur Deutsch zu lernen", erklärt Justyna Rezmer, Projektleiterin und Sozialpädagogin am Pädagogischen Zentrum und lacht. "Im Gegenteil: Wir wollen jugendliche Migrantinnen und Migranten motivieren, ihnen eine Idee für ihr Leben geben, sie inspirieren." Und wie macht man das am besten? Mit anderen Menschen mit Migrationshintergrund, die bereits in Bremerhaven Fuß gefasst und sich eine Existenz aufgebaut haben.

Neue Perspektiven durch Vorbilder

Pawel Stawikowski ist einer von ihnen. Er ist ein Vorbild. "Mir ist es wichtig, diesen jungen Leuten zu erzählen, wie ich meinen Weg gefunden habe", erzählt der 39-Jährige. Er ist 1989 als Kind mit seinen Eltern aus Polen nach Deutschland gekommen. Heute ist der gelernte Tischler selbstständig, hat sich eine eigene Firma aufgebaut. "Die Grenzen für den eigenen Erfolg zieht man selber. Nur weil man in einem Land fremd ist, heißt das nicht, dass man nichts erreichen kann. Wenn man sich ein Ziel setzt und es verfolgt, dann kann man alles schaffen." Er selbst hatte damals auch jemanden, der ihn unterstützt hat. Ein Schullehrer hat ihm eine Ausbildungsstelle vermittelt hat. Jetzt setzt Pawel seine eigenen Kontakte ein, um jungen Migranten zu einem Job zu verhelfen.

"Gut 300 Migrantinnen und Migranten haben insgesamt an dem Projekt teilgenommen. Unsere ehrenamtlichen Kursleiter öffnen für sie die Türen und damit auch neue Möglichkeiten", sagt Justyna Rezmer. Sei es ein Ausflug an die Hochschule mit Führung durch einen Professor, ein Tag im Theater oder der Besuch im eigenen Café einer Migrantin – die "Vorbilder" zeigen, wie sie ihr Leben gestaltet haben und geben den Jugendlichen so Impulse, den eigenen Lebensweg zu meistern.

Eine Frau filmt eine andere FrauWas auch immer bei „(M)ein Vorbild“ in den vergangenen drei Jahren gelaufen ist, wurde von den Projektteilnehmern - hier Victoria Boguslavski (links) gemeinsam mit ihrer Freundin Shaza Haj Mohamad (rechts) - mit der Kamera festgehalten. Quelle: Helmut Stapel

Vor allem aber sollen die jungen Menschen im Alter von 14 Jahren bis 27 Jahren durch das Projekt auch ihre eigenen Talente entdecken. Wie gut das gelungen ist, zeigt ein Rap-Song, der eigens für das Projekt komponiert wurde. Der Text wurde in verschiedenen Sprachen selbst geschrieben und dann aufgenommen. Sogar das Video zur Musik haben die Kursteilnehmerinnen und -teilnehmer selbst gedreht, im Studio des örtlichen Bürgerrundfunks und Hauptkooperationspartners "Radio Weser.TV" geschnitten und mit dem Rap-Song unterlegt.

Link zum YouTube-Video: "Wir erreichen alles" | (M)ein Vorbild

Zusammengewachsen wie eine Familie

"Wir wollen den Teilnehmern und Teilnehmerinnen möglichst viele Bereiche zeigen und zugänglich machen", erklärt Justyna Rezmer.

Ein Mann und eine Frau spielen mit einem FußballHatte besonders Freude am Frauenfußball: Tatjana Volz mit Ahmad Fandi vom Pädagogischen Zentrum e.V. Quelle: Helmut Stapel

Dazu gehörte im Laufe der drei Projektjahre auch ein Sport-Stadion, in dem z.B. Frauenfußball angeboten wurde. "Das war wirklich super", freut sich die 23-jährige Tatjana Volz aus Sibirien. "Ich wollte immer schon Fußball spielen – hab' mich aber nie richtig getraut." Im Projekt "(M)ein Vorbild" war das anders. Die Beteiligten sind im Laufe der Zeit zu einer Familie zusammengewachsen. Ein geschützter Raum, in dem jeder so sein kann, wie er will.

Ein Projekt, das nachwirkt

Das ist deutlich zu spüren und auch zu sehen. So hat die 16-jährige Helen Fandi aus Syrien im Kunstkurs ein Bild gemalt, das sie offensichtlich selbst als Märchenwesen mit Flügeln zeigt. Sie ist seit elf Monaten in Deutschland und stolz darauf, dass ihr Bild auf einer Staffelei im Besprechungsraum ausgestellt wird. "Ich male sehr gern und habe in Deutschland bisher wenig Gelegenheit dazu. Hier im Projekt habe ich viel über Kunst gelernt und spreche jetzt auch viel besser Deutsch. Das ist klasse."

Eine Frau steht mit einem Pinsel vor einem Bild Hat Deutsch gelernt und neue Freunde bei (M)ein Vorbild gefunden: Helen Fandi aus Syrien. Quelle: Helmut Stapel

Das Projekt "(M)ein Vorbild" wirkt so auch über das Projektende bei den Teilnehmenden nach. Und nicht nur das. Helen Fandi und Tatjana Volz treffen sich auch weiterhin mit ihren Vorbildern, seitdem das Projekt Ende September ausgelaufen ist.

Zwei Frauen und zwei Männer sitzen an einem TischTreffen sich auch nach Ende Projekts regelmäßig (v.l.): Helen Fandi, Tatjana Volz, Vorbild Pavel Stawikowski und Vorbild René Mroz. Quelle: Helmut Stapel

Text: Helmut Stapel

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