BAMF - Bundesamt für Migration und Flüchtlinge - Projekt des Monats - Auf einer Wellenlänge – Radioprojekt STADTSENDEN

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Auf einer Wellenlänge – Radioprojekt STADTSENDEN

Integrationsprojekt des Monats November

Datum 30.11.2017

Radiomachen im eigenen Stadtteil, eigene Ideen kreativ umsetzen, sich engagieren. Im Projekt "STADTSENDEN" können Zugewanderte genau das tun. Ein blauer Radiocontainer dient dabei nicht nur als mobiles Sendestudio, sondern auch als Bühne und Treffpunkt im Stadtteil.

"Als wir den Container hier aufgestellt haben, dachten die Leute: 'Was ist das für ein blaues UFO? Wird die Wiese jetzt vermessen? Wird hier ein Haus gebaut?'." So berichtet Jörg Friedrich, pädagogischer Mitarbeiter des Integrationsprojekts STADTSENDEN, über anfängliche Verwunderung, die dem Radiocontainer in einem Plattenbaugebiet des Erfurter Südostens begegnet ist.

Das liegt nun schon sechs Monate zurück. Nach wöchentlichen Live-Sendungen, Workshops und niedrigschwelligen Beteiligungsangeboten ist der Radiocontainer samt seiner Crew angekommen. In ihm haben Zugewanderte und Einheimische die Möglichkeit, gemeinsam eigene Radiosendungen für ihren Stadtteil auf die Beine zu stellen, die über den Bürgersender Radio F.R.E.I. gesendet werden. "Wir versuchen, in den einzelnen Stadtteilen Redaktionsgruppen zu gründen, die aus Neu- und Altbürgerinnen und -bürgern bestehen und aus ihrem jeweiligen Stadtteil berichten", erklärt Jörg Friedrich. Neben den Radiosendungen finden im und rund um den Container auch regelmäßig andere Mitmachangebote statt wie z.B. Fahrrad-Repair-Aktionen oder Konzerte und Slam-Sessions. "Alle unsere Angebote rund um den Radiocontainer sind dabei auf Beteiligung ausgelegt, darauf, dass sich neue und alte Bewohner eines Stadtteils begegnen und kennenlernen.", betont Jörg Friedrich.

Radio als Brücke zur Gesellschaft

Einer der Projektteilnehmer und Radiomacher ist Adam Alazawe. Er kam 2015 aus Syrien nach Erfurt und wollte zuerst die Sprache und dann die Gesellschaft kennenlernen. Über Freunde kam er zum Radio. Seine Sendung "Our Voice", an der sich vorrangig geflüchtete Menschen beteiligen, läuft in jeder geraden Kalenderwoche freitags zwischen 15 und 17 Uhr auf Radio F.R.E.I.
Im Mittelpunkt der Sendereihe stehen Beiträge, in denen Geflüchtete in der eigenen Sprache ebenso wie auf Deutsch über ihren Lebensalltag oder aktuelle Themen berichten. Daneben gibt es auch Beiträge über die Kultur, Geschichte oder Musik ihrer Herkunftsländer. "Wir möchten mit unseren Themen, Vorträgen und Musikeinspielungen eine Brücke zwischen den unterschiedlichen Kulturen schlagen, die gerade in Deutschland leben.", sagt Adam

Ein Mann sitzt auf einer Wiese und hält eine Tasse in der HandAdam Alazawe ist einer der Radiomacher im Projekt STADTSENDEN. In seiner Sendung "Our Voice" kommen Geflüchtete zu Wort. Quelle: Thomas Müller

Das Besondere an "Our Voice" ist dabei, dass nicht einfach nur über abstrakt das Thema Flucht berichtet wird, sondern dass geflüchtete Menschen wie Adam, selbst zu Wort kommen und ihre Geschichten und Perspektiven medial einbringen. "Es ist einfach schön am Mikrofon zu sitzen, egal wie ich aussehe oder wo ich herkomme. Das Radio bringt die Leute zusammen, und man kann seine Stimme an die Zuhörerinnen und Zuhörer von Erfurt richten.", erzählt Adam.

"Zusammen mit dem Land leben"

Olga Kolmogorov ist schon viele Jahre bei Radio F.R.E.I im deutsch-russischen Magazin "Interwelle" aktiv und leitet inzwischen das Projekt STADTSENDEN. "Ich übernehme vorwiegend administrative Aufgaben, aber ich arbeite auch mit russischsprachigen Flüchtlingen.", erzählt Olga Kolmogorov. "Diese und einheimische Menschen machen jetzt unter anderem bei einer Stadtteilradiogruppe mit, die direkt vor Ort selbstständig Radio machen kann — was genau Ziel unseres Projekts ist." Wie wertvoll dieses Engagement ist, weiß Olga Kolmogorov aus eigener Erfahrung. "In einem Land zu leben, bedeutet auch, zusammen mit dem Land und seinen Menschen zu leben, nicht einfach so abseits. Es ist wichtig, sich zumindest für den eigenen Stadtteil zu interessieren."

Text: André Neumann

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