BAMF - Bundesamt für Migration und Flüchtlinge - Projekt des Monats - Singend Halt im Leben finden

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Singend Halt im Leben finden

Integrationsprojekt des Monats Januar

Datum 26.01.2018

Dass gemeinsames Singen ein "Wir-Gefühl" erzeugen kann, das erleben derzeit die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Integrationsprojektes "Wo ich singe, ist meine Heimat". In mehreren Workshops und Auftritten erleben sie wie die Musik als universelle Sprache das Verständnis füreinander und das Miteinander vor Ort verbessert.

Es ist kurz vor Weihnachten. An der Opfinger Tunibergschule treffen sich insgesamt 32 Jugendliche zum Gesangs-Workshops. Die Aufregung ist groß, denn in zwei Tagen sollen die Kinder vor der versammelten Schulgemeinschaft singen.

Der Workshop ist Teil des Integrationsprojektes "Wo ich singe, ist meine Heimat", welches das Bundesnetzwerk "The African Network of Germany" (TANG e.V.) seit Herbst 2016 in Kooperation mit dem Interkulturellen Deutsch-Afrikanischen Verein (IDAV e.V.) durchführt. Unter der Leitung von Laura Storm und Joel Da Silva machen die Siebtklässler dreier Freiburger Schulen, Berthold-Gymnasium, Wentzinger Gymnasium und Tunibergschule Opfingen, über einen Zeitraum von drei Jahren gemeinsam Musik. Dabei sieht das Projekt vor, dass jede Gruppe pro Schuljahr an acht Workshops teilnimmt und sowohl an der eigenen Schule als auch außerhalb des schulischen Kontexts in Freiburg auftritt – mithin in einem fremden Rahmen, vor fremden Menschen, was von den Kindern ganz schön viel Mut erfordert. Auch weil die meisten von ihnen vor dem Projekt wenig mit Musik in Berührung gekommen sind.

"Schmetterlinge im Bauch"

Das Lampenfieber der Kinder und Jugendlichen vor den Auftritten vor großem Publikum ist daher groß. Danach überwiegt jedoch die Freude bei den Schülerinnen und Schülern. Vanessa genierte sich am Anfang zunächst, vor vielen Menschen zu singen: "Aber dann fand ich plötzlich alles total cool", erzählt sie im Rückblick auf die letzte Vorführung. "Wenn man erst mal da oben steht, vergisst man alles andere." Auch Shayleen hatte während des letzten Auftritts regelrecht "Schmetterlinge im Bauch. Zum einen, weil ich so nervös war, zum anderen aber auch, weil es so etwas Schönes ist."

Zwei Mädchen sitzen nebeneinander und haben Liedtexte in der Hand.In Kleingruppen werden Songtexte und Lieder gemeinsam geübt – Vanessa (rechts) und Alina (links) sind mit Spaß bei der Sache. Quelle: Markus Schwerer

Integration durch Singen?

Was die Kinder hier schildern, lässt ahnen, dass das Konzept des Projektes schon jetzt aufgeht. Hinter der Projektidee steht TANG-Vorsitzende Sylvie Nantcha, die sich auch den programmatischen Titel des Ganzen ausgedacht hat. "Der Gesang ist lediglich das Mittel, das die Jugendlichen, die ja allesamt in der schwierigen Phase der Pubertät stecken, wie in einer Art Peer-Group zusammenführt und vereint", erläutert Nantcha ihre Intention.

Dabei geht es weniger um das Erwerben musikalischer Fähigkeiten als um das, was das gemeinsame Singen bei (jungen) Menschen bewirkt: sich einander verbunden zu fühlen. Singen liegt einfach in der Natur des Menschen - sei es unter der Dusche oder in einem Chor. Was also liegt näher als miteinander zu singen, will man, dass sich Menschen als Gemeinschaft fühlen! Und so wird im Projekt das erfahrbar, was der Gesangspädagoge Ya Beppo einmal formuliert hat: "Einsam sind wir Töne, gemeinsam sind wir ein Lied".

Klingende Gesellschaft – Singende Stadt

Ein Junge sitzt mit seinem Liedtext an einem TischBeim Singen – Projektteilnehmer Fernando Quelle: Markus Schwerer

Dieses Gemeinschaftsgefühl will das Projekt jedoch nicht nur mit Blick auf die teilnehmenden Schülerinnen und Schüler erzeugen. Im zweiten Projektjahr werden den Kindern und Jugendlichen in einem Mentoringprogramm jeweils studentische Patinnen und Paten zur Seite gestellt. Die Paten nehmen ebenfalls an den Gesangsworkshops und Auftritten teil und sollen die Jugendlichen auch über das Projekt hinaus bei Alltagsfragen unterstützen. In der dritten Phase des Projekts werden zusätzlich Eltern und Lehrer in das Chorprojekt involviert. Sie alle sollen sich am Ende zu einer Art generationsübergreifenden, klingenden Gesellschaft, mehr noch: zu einer singenden Stadt, verbinden. "Denn wir sind ja nicht nur Teil einer Gruppe oder Schule. Wir sind auch Teil einer Stadt", betont Nantcha.

Dass den Kindern dabei der Spaß nicht ausgeht, ist wiederum dem charismatischen Projekt-Team geschuldet – allen voran dem musikalischen Leiter Da Silva, der selbst aus Brasilien stammt und mittlerweile seit etlichen Jahren in Freiburg lebt. Für die Jugendlichen ist er, der sich unbekümmert ans Klavier setzt und so mitreißend singt, ein tolles Vorbild dafür, sich selbstbewusst mit den eigenen Fähigkeiten in eine Gemeinschaft einzubringen; zumal die an sich traditionellen Lieder bei ihm ohnehin wie Popsongs klingen.

Frauen und Männer stehen zusammen vor dem Projektbanner. Alle auf einen Blick: TANG-Vorsitzende Dr. Sylvie Nantcha (vorne links), Projektleiterin Laura Storm (vorne Mitte links), musikalischer Leiter Joel Da Silva (vorne Mitte rechts) gemeinsam mit den Gesangspatinnen und -paten des Projekts. Quelle: Markus Schwerer

"Gewachsener Zusammenhalt"

So vergingen auch die heutigen zwei Stunden wie im Flug. Nachdem die Jugendlichen gegangen sind, bleibt noch Zeit für einen kurzen Nachklapp. Sylvie Nantcha neigt lächelnd den Kopf: "Ich finde die Entwicklung der Kinder wirklich toll. Man merkt, dass sie sich mögen. Wie sie sich anschauen, wie sie miteinander umgehen – das ist so liebevoll. Der Zusammenhalt der Gruppe ist unglaublich gewachsen."

Da Silva hätte gerne viel mehr Zeit mit den Kindern zur Verfügung. Vorerst bleibt ihm mit der Gruppe noch ein ganzes Jahr – und schon jetzt der Wunsch, "dass die Kinder den Halt, den sie hier finden, mit hinausnehmen können ins Leben."

Text: Friederike Zimmermann

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