BAMF - Bundesamt für Migration und Flüchtlinge - Projekt des Monats - Integration 2.0

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Integration 2.0

Integrationsprojekt des Monats Februar

Datum 27.02.2018

Wie können Soziale Medien einen Beitrag zur Integration leisten? Dieser Frage gehen Jugendliche mit und ohne Migrationshintergrund im Projekt We.are.your.friends.2.0 nach. Gemeinsam lernen sie, verantwortungsbewusst mit Sozialen Medien umzugehen und dort Beiträge über integrationsrelevante Themen wie Vielfalt, Umgang mit Vorurteilen oder Menschenrechte zu platzieren.

Rojhat kann sich gar nicht entscheiden. Vor oder hinter der Kamera arbeiten? Am liebsten beides! Aber dann zieht es den forschen 13-Jährigen doch vor die Linse, um Boris Gillet über seine Arbeit als Vertrauenslehrer an der Gesamtschule Schmelz zu interviewen. Die Vorstellung der Schule steht heute im Mittelpunkt des medienbezogenen Projekts "We.are.your.friends.2.0", an dem neben Rojhat noch zehn weitere Schülerinnen und Schüler teilnehmen.

Bevor es endlich losgehen kann, legt Marina Henn noch ein paar letzte Handgriffe an: Stative festdrehen und den Jugendlichen erklären, wo man die Mikrofone einstöpselt, damit ein brauchbarer Ton herauskommt. Schließlich soll die heute erstellte Arbeit auf dem projekteigenen Youtube-Kanal ihren Platz finden - neben den weiteren Videos, die die Jugendlichen bereits selbst geplant, gedreht und produziert haben.

Ein Jugendlicher interviewt seinen Lehrer, sein Mitschüler filmt das Interview mit der KameraRohjat interviewt Vertrauenslehrer Herrn Gillet Quelle: BAMF / Alexa Kirsch

Durch Medienkompetenz Integration fördern

Marina Henn leitet seit September 2016 das Social Media-Projekt des Adolf-Bender-Zentrums, einem im Saarland anerkannten Träger für demokratische Bildung und interkulturelle Verständigung. Seit Dezember 2016 kooperiert das Zentrum mit der Gesamtschule in Schmelz, um den Jugendlichen ein besonderes Angebot zu machen: Die eigene Kompetenz mit den neuen Medien schulen und darüber einen wichtigen Beitrag zur Integration geflüchteter Kinder und Jugendlicher leisten. Hierzu machen die Teilnehmenden zu Beginn des Projekts ihren "Social-Media-Führerschein". Sie lernen die Grundregeln im Umgang mit den neuen sozialen Medien, was Privatsphäre bedeutet und welche eigenen Rechte und Pflichten sie in den Sozialen Medien haben. Aber auch der Umgang mit Hatespeech, Diskriminierung im Netz oder Cybermobbing wird mit den Jugendlichen erarbeitet.


"Sobald die Jugendlichen fit im Umgang mit den Sozialen Medien sind, geht es an die Praxis", erklärt Projektleiterin Henn. "Gemeinsam erstellen wir mit den Jugendlichen Social Media Beiträge, in denen sie sich zum Beispiel mit Menschenrechten, fremden Kulturen oder Flucht auseinandersetzen und ihre eigene Perspektive auf diese Themen einbringen." Dabei können einige der Teilnehmenden die eigene Flucht- oder Migrationserfahrung einbringen und so mit den anderen Kindern und Jugendlichen im Projekt teilen. Dadurch und beim gemeinsamen Recherchieren und Aufbereiten der Beiträge eignen sich die Schülerinnen und Schüler so nicht nur Wissen über integrationsrelevante Themen an, sondern werden zudem für eine verantwortungsbewusste Berichterstattung sensibilisiert.

Zwei Jugendliche stehen hinter einer Kamera.Mehmet und Aeneas (rechts) filmen begeistert. Quelle: BAMF / Alexa Kirsch

Enorme Entwicklungssprünge

Darüber hinaus werden informative Videobeiträge erstellt, die die Integration vor Ort stärken sollen und zum Beispiel geflüchteten Kindern und Jugendlichen eine Hilfe beim Einleben vor Ort sein sollen. Dazu zählt auch der Beitrag über die Gesamtschule Schmelz, in dem die Schülerinnen und Schülern geflüchteten oder neu zugewanderten Kindern und Jugendlichen die Schule vorstellen.


Für Vertrauenslehrer Boris Gillet ist Mitmachen beim Interview daher natürlich Ehrensache, wenn er "seine Jungs und Mädels" damit unterstützen kann. Der Deutsch- und Geschichtslehrer begleitet das Projekt seit einem Jahr und kann von positiven Effekten berichten: "Die Kinder können sich im Projekt mehr öffnen, als wenn sie so in den Klassen arbeiten würden. Sie trauen sich mehr und agieren selbstständiger, zum Beispiel, indem sie sich vor die Kamera wagen oder auch, wenn sie die Kamera bedienen." Besonders was geflüchtete Schülerinnen und Schüler angeht sind Gillet enorme Entwicklungssprünge aufgefallen: "Sie sind auf Leute zugegangen, um Interviews zu führen, und haben sich einfach mehr getraut, deutsch zu sprechen."

Zwei Mädchen stehen in einer Bibliothek.Beyza und Sevilay (rechts) stellen im Video die Bibliothek vor. Quelle: BAMF / Alexa Kirsch

Und natürlich geht es auch darum, Berührungsängste unter den Jugendlichen abzubauen und Freundschaften zu knüpfen: Sevilay, Beyzar, Rohjat und auch sein Kumpel Mehmet sind nicht geflüchtet und in Schmelz zu Hause. Aber Erfahrungen mit Gleichaltrigen, die ihre Heimat verlassen mussten, gehören zu ihrem Alltag – auch in der Projektgruppe. Während der Arbeit vor und hinter der Kamera und schon im Vorfeld beim Planen und Organisieren des nächsten Videoprojekts kommen die Jugendlichen ins Gespräch, lernen etwas über die unterschiedlichen Kulturen und freunden sich an.

Jeder Mensch ist gleich

Lara Rose und Annika Balzer, die heute hinter der Kamera stehen, sind von Anfang an bei "We.Are.Your.Friends.2.0" dabei und haben schon viele Erfahrungen im Projekt gesammelt. "Man arbeitet viel mit anderen zusammen und lernt, dass man respektvoll miteinander umgeht", sagt die 14-jährige Annika. Rojhat findet, je mehr Leute bei den Treffen seien, desto mehr Spaß mache es, auch weil man ein bisschen Quatsch miteinander machen könne. Und er hat gelernt, dass man keine Vorurteile haben sollte. "Jeder Mensch ist gleichwertig, egal ob Afrikaner, Asiate, Australier, Deutscher oder Iraker", bekräftigt sein Kumpel Mehmet.

Zwei Mädchen stehen auf der Bühne und haben ein Mikrofon in der Hand.Annika und Lara sind von Anfang an beim Projekt dabei Quelle: BAMF / Alexa Kirsch

Aufbauend auf ihrem Engagement als Social Media Redakteurin oder Redakteur können sich die Jugendlichen im Projekt auch zum Integrationsscout ausbilden lassen. Dann erhalten sie in verschiedenen Workshops zusätzliches Know-how, z.B. ein Argumentationstraining gegen Vorurteile. "Die Jugendlichen können dann ihr Wissen an andere Jugendliche in der Schule oder im Sportverein weitergeben", erzählt Marina Henn, "Außerdem können sie zur Ansprechpartnerin oder zum Ansprechpartner rund um das Thema Integration für andere Jugendliche werden." Damit und mit den im Netz veröffentlichten Videos ist sichergestellt, dass das Projekt auch nach seinem Ende einen Beitrag für ein gutes Miteinander leistet.

Text: Stefanie Braun

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