BAMF - Bundesamt für Migration und Flüchtlinge - Projekt des Monats - Interkulturelle Kompetenz im ländlichen Raum

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Interkulturelle Kompetenz im ländlichen Raum

Integrationsprojekt des Monats Mai

Datum 04.05.2018

Die Abgeordneten der Europäischen Konservativen und die der Allianz der Sozialdemokraten gehen sich hart an im Europäischen Parlament: Sie fallen sich ins Wort, diskutieren und versuchen, ihre Anträge gegen die Argumente der anderen durchzusetzen. An diesem Vormittag wird auf dem Jugendhof Scheersberg, einer internationalen Jugendbildungsstätte für Theater, Musik, Film und politische Bildung in Schleswig-Holstein, heiß debattiert. Der inmitten einer dörflichen Idylle gelegene Jugendhof ist heute Schauplatz eines politischen Planspiels*. Die Bildungsmaßnahme mit dem Namen "Festung Europa" ist Teil des Jugendprojektes "Hier ankommen!", das junge Menschen im ländlichen Raum für eine echte Willkommenskultur sensibilisieren möchte.

Hilfe für die Helfer

"Wir hatten in und um Flensburg im Sommer 2015 die Situation, dass viele geflüchtete Menschen hier gestrandet sind, weil die skandinavischen Länder ihre Grenzen dicht gemacht hatten", berichtet Projektleiter Aaron Jessen. "Gleichzeitig gab es viele, die sich ehrenamtlich engagieren und helfen wollten. Genau da wollten wir Unterstützung anbieten und haben das Projekt 'Hier ankommen!' ins Leben gerufen. Wir wollten den Helfern helfen." Seitdem arbeitet Aaron Jessen mit Schul-AGs zusammen, schafft transkulturelle Weiterbildungsmodule und Trainings für junge Menschen von 16 bis 27 Jahren, die sich ehrenamtlich für Geflüchtete einsetzen. In den Fortbildungen, die auch Vereinen offenstehen, setzen sich die Teilnehmenden mit Themen wie Flucht, Migration oder Identität und Kultur auseinander und erhalten praktische Tipps und Hilfestellungen für ihr ehrenamtliches Engagement. "Ziel der Maßnahmen ist dabei unter anderem, dass die Ehrenamtlichen in der Schule, im Verein oder bei der Feuerwehr dank der Fortbildungen ihre Jugendarbeit für Neuzugewanderte oder Flüchtlinge öffnen", erklärt Jessen. Die 18-jährige Syrerin Elham, die an der Jugendgruppenleiter-Ausbildung teilgenommen hat, wird so im Frühjahr als Betreuerin bei einer Ferienfreizeit dabei sein – durch den Kontakt zum Projekt "Hier ankommen!".

Dass die Angebote Jessens auf fruchtbaren Boden fallen, zeigt die wachsende Anzahl an Teilnehmenden: rund 650 junge Menschen haben 2017 Seminare, Workshops oder andere Aktivitäten des Projekts besucht. Und sie gehen stets mit neuen Erfahrungen und geben das neu erworbene Wissen weiter. Dank des Projektes fließen so zum Beispiel Themen rund um Integration und interkulturelle Öffnung dauerhaft in die Ausbildung von Jugendgruppenleiterinnen und -leitern ein.

Erfahrungsaustausch und neue Blickwinkel

Fester Bestandteil des Projektes sind darüber hinaus Tandems, Maßnahmen, an denen junge Deutsche gemeinsam mit Geflüchteten oder Zugewanderten teilnehmen. Anders als in den Fortbildungen steht hier nicht die Vermittlung interkulturellen Know-hows im Mittelpunkt, sondern Begegnung und Erfahrungsaustausch. In diese Kategorie gehört auch das Planspiel "Festung Europa". Hier werden die politischen Abläufe des Europäischen Parlaments bis zum Abstimmungsverfahren simuliert, um so politische Entscheidungsprozesse erlebbar zu machen.

Zwei junge Männer halten Zettel mit der Aufschrift "Stimmkarte" hoch.Im Planspiel werden politische Abläufe bis hin zum Abstimmungsverfahren simuliert. Für die Jugendlichen eine Gelegenheit, politische Entscheidungsprozesse rund um die Themen Asyl und Migration nachzuempfinden. Quelle: BAMF / Matthias Wendt

Diskussionen ja, Vorbehalte nein

Die 16 Schülerinnen und Schüler der Lornsenschule Schleswig haben sich im Vorfeld des Planspiels mit jeweils einem Partner ähnlichen Alters und mit Migrationshintergrund zusammengetan. Zwölf verschiedene Nationalitäten sind so vertreten, drei Geflüchtete sind dabei. Im Jugendhof lernen sich die 32 jungen Menschen in dieser Zusammensetzung das erste Mal kennen. "Da bekommt man schon eine Gänsehaut und einen ganz neuen Blickwinkel", berichtet Svea von ihren Gesprächen mit den Jugendlichen, die von ihrer Fluchterfahrung erzählten. Die 18-jährige Amani wurde zwar in Deutschland geboren, kehrte dann aber in den Libanon, das Land ihrer Großeltern, zurück und kam wegen politischer Unruhen wieder nach Deutschland. Ihre Erfahrung im Projekt "Hier Ankommen!" grenzt sich positiv von anderen Alltagserfahrungen ab: "Ich trage ein Kopftuch und treffe dadurch auch mal auf Vorbehalte. Während des Seminars gab es viele Diskussionen über unterschiedliche Kulturen und auch über das Kopftuchtragen. Aber hier habe ich keine Vorbehalte erlebt, sondern wir haben uns einfach ausgetauscht". 

Zwei junge Frauen und ein junger Mann sitzen an einem Tisch.Die Erfahrung der Projektteilnehmenden ist durchweg positiv, sie lernen einander auf Augenhöhe kennen. Quelle: BAMF / Matthias Wendt

Interkulturelle Kompetenz stärken

"Das waren intensive Diskussionen mit sehr authentischen Erfahrungen", ergänzt Aaron Jessen. "Dadurch, dass die Jugendlichen sich auf diese Weise kennenlernen und austauschen, können sie Hemmungen abbauen. Das stärkt nicht nur das Verständnis füreinander, sondern gleichzeitig auch die interkulturelle Kompetenz im ländlichen Raum." Aaron Jessen fühlt sich dadurch bestärkt, das Projekt auch in Zukunft weiterzuführen.

Text: Ralf Abratis

* Kooperationspartner des Planspiels sind die Europa-Union Schleswig-Holstein, der Landesbeauftragte für politische Bildung in Schleswig-Holstein und die Kinder- und Jugendförderung des Kreises Schleswig-Flensburg.

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Wichtige Mitteilung

Erklärfilm: Blockchain@BAMF

Mit Blockchain arbeitet das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) im Asylprozess mit einer Technologie, die behördenübergreifende Abläufe datensicher, transparent und effektiv strukturieren kann.

Was genau bedeutet die Blockchain-Technologie? Welche Einsatzmöglichkeiten gibt es für das Bundesamt? Diese und weitere Fragen werden in dem Erklärfilm erläutert. Zu dem Film gelangen Sie über den folgenden Link:

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