BAMF - Bundesamt für Migration und Flüchtlinge - Projekt des Monats - Gärtnern, reden, verstehen

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Gärtnern, reden, verstehen

Integrationsprojekt des Monats August

Datum 27.08.2018

Im Interkulturellen Garten im sächsischen Coswig gärtnern Geflüchtete, Spätaussiedler und Einheimische. Sie tauschen Wissen und Lebenserfahrung aus. Und sie lernen sich kennen und respektieren. Das ist gelebte Integration.

Es ist trocken und heiß. Die Sonne brennt auf die Erde. Doch das hält Sadia nicht davon ab, jeden Tag in den Interkulturellen Garten im sächsischen Coswig zu kommen. Gemeinsam mit anderen Geflüchteten, Migranten und Einheimischen arbeitet die Pakistani auf einer etwa 4.700 Quadratmeter nutzbar gemachten Fläche inmitten der kleinen Stadt nahe Dresden an der Elbe. Nutzpflanzen werden angebaut, Unkraut beseitigt, wichtige Wildkräuter für Insekten und Kleintiere bleiben stehen. Und natürlich wird geerntet. "Ich habe sehr viel Spaß hier", sagt Sadia. "Hier bin ich mit Menschen zusammen, kann arbeiten und Deutsch lernen." Jeden Tag, von Montag bis Freitag, manchmal auch am Wochenende, ist sie im Interkulturellen Garten. Neben der Arbeit aber ist das Wichtigste: Kontakte knüpfen, soziale Beziehungen aufbauen sowie von- und miteinander lernen.

Der Interkulturelle Garten ist ein Verein, in dem sich Menschen der unterschiedlichsten Nationen treffen. Sie stammen aus Indien, Pakistan, Afghanistan, Libyen, Syrien oder Russland und Deutschland. Gemeinsam arbeiten sie, lernen sich kennen, tauschen Wissen und Lebenserfahrung aus. Sie haben Spaß und lachen. "Das ist gelebte Integration", sagt Cornelia Obst begeistert; sie ist die Vereinsvorsitzende. "Und der Garten ist auch Anlaufpunkt bei Sorgen und Problemen – für Migranten, Geflüchtete und Einheimische", betont sie.

Unterstützung durch das Bundesamt

Seit September vorigen Jahres unterstützt das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) die Arbeit des Vereins im Rahmen des Integrationsprojektes "Gärtnern IN-MITTEN der Stadt". "Für diese Hilfe sind wir sehr dankbar. Denn damit haben wir viele unserer Ideen nun verwirklichen können", sagt Projektleiterin Cornelia Obst. So konnten bereits verschiedene Maßnahmen für den Naturschutz umgesetzt werden: Hummel- und Wildbienenkästen, Lesestein- und Totholzhaufen für Zauneidechsen, Ansaat von Wildkräutern oder das Anlegen einer Wildblumenweide. Gleichzeitig finden Seminare statt, um über ökologisches Gärtnern, Artenschutz und nachhaltige Nutzung von Brachen in Stadtkernen zu informieren.

"Das ist immer auch eine gute Gelegenheit, intensiver ins Gespräch zu kommen", sagt Cornelia Obst. So erfuhren die Einheimischen beispielsweise von Senthilnathan aus Indien, dass Grüner und Roter Fuchsschwanz – in Deutschland Unkraut – in seiner Heimat als Nutzpflanzen auf großen Feldern angebaut werden. "Sie enthalten viele Mineralien wie Eisen und Magnesium. Und ganz viel Vitamin C", erklärt er. Aktuell wird an Schautafeln gearbeitet. Auf ihnen werden neben Wissenswertem zu Pflanzen verschiedene Dinge im Garten erläutert, zum Beispiel wozu Holz- und Steinhaufen oder vermeintliches Unkraut nützlich sind. Die Idee für diese Tafeln entstand während eines Kräuterseminars.

Gemeinsames Gärtnern verbindet

Auch Jalal, ebenfalls aus Indien, liebt die Arbeit im Grünen. Eigentlich ist er Elektronik-Ingenieur. Im Interkulturellen Garten lernt er so viel über Pflanzen und Kräuter – und auch über die Lebens- und Arbeitsweise der Deutschen. "Hier konzentriert man sich auf eine Arbeit und macht sie komplett fertig. Bei uns fängt man mit ganz vielen Dingen gleichzeitig an", sagt er lachend. "Und in Deutschland wird alles geplant und lange im Voraus organisiert." So war er völlig verblüfft, dass Cornelia Obst bereits Anfang des Jahres mit den ersten Vorbereitungen für das Fest anlässlich des zehnjährigen Vereinsjubiläums am 11. August begann. Und Jalals Tochter, Taslima, ergänzt: "Und in Deutschland ist immer alles pünktlich. Auch Straßenbahnen, Busse oder Züge. Wir haben große Probleme mit dieser Pünktlichkeit." Doch dann wird das lockere Gespräch, mit viel gemeinsamem Lachen, plötzlich ernst. "In Deutschland gibt es eine große Sicherheit", sagt Jalal nachdenklich. Soziale Sicherheit – eine Sicherheit, die sie aus Indien nicht kennen.

Integration durch soziale Kontakte

Regelmäßig treffen sich im Interkulturellen Garten Deutsche, Geflüchtete, Spätaussiedler und Migranten zum gemeinsamen Gärtnern, Schwatzen, Lernen oder auch Kochen. "Der Garten ist für jeden offen, auch nach Beendigung des Projektes", betont Cornelia Obst. "Wir freuen uns über jeden, der bei uns mitmachen will. Denn die Menschen stehen bei uns im Mittelpunkt – und nicht die Pflanzen." Aber über beide kann man im Interkulturellen Garten sehr viel lernen.

Text: Uta Büttner

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Wichtige Mitteilung

BAMF verlängert Förderung für Integrationskurslehrkräfte

Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) verlängert bis zum 31.03.2019 die individuelle Förderung der Teilnahme zugelassener Integrationskurslehrkräfte an bereits bestehenden Fort- und Weiterbildungen im Bereich "Arbeit mit traumatisierten Geflüchteten".
Gefördert werden weiterhin Lehrkräfte der Integrationskurse nach §43 AufenthG, die über eine Zulassung nach § 15 Abs. 1 IntV oder § 15 Abs. 2 IntV verfügen und zum Zeitpunkt der Teilnahme in einem laufenden Integrationskurs unterrichten.
Für die Teilnahme an Fort- und Weiterbildungen bei diesen Trägern können bis zu 200 Euro pro Lehrkraft erstattet werden.

Weitere Informationen entnehmen Sie bitte dem Trägerrundschreiben (06/18).

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