BAMF - Bundesamt für Migration und Flüchtlinge - Projekt des Monats - Vielfalt im Programm

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Vielfalt im Programm

Das Projekt "Radio Globale" im Bürgersender "Oldenburg Eins"

Datum 28.09.2018


"Achtung Aufnahme!" Wenn das rote Licht im Studio leuchtet, wird es ernst für die Teilnehmenden vom "Radio Globale". Der Sender "Oldenburg Eins" strahlt die Beiträge des Projekts seit 2016 aus. Die Teilnehmenden kommen unter anderem aus Syrien, Brasilien und Griechenland. Die Idee dahinter: Migranten sollen über Oldenburg berichten – in deutscher Sprache.

"Das Interview kommt nach den Bildern von der Radtour." – "Wieso? Vorher ist doch logischer." – "Mann, du hast Ahnung!" Ja, die Arbeit im Studio eines Fernsehsenders kann nervenaufreibend sein, wenn viele Meinungen aufeinanderprallen. Amr, Tom und Mojab aber bleiben cool bei all dem Stress. "Im Grunde sind wir alle gleich", lacht Tom Tziros (54), und seine Kollegen (30 und 18) lachen mit. So geht der Schnitt eines Films über eine Erstaufnahmeeinrichtung für Geflüchtete gut voran. - Den fertigen Film zeigt das nachfolgende Video:



Den Geflüchteten eine Stimme geben

Das Thema liegt nahe. Die drei sind seit einigen Jahren in Deutschland, sie kommen aus Syrien (Amr, Mojab) und Griechenland (Tom). Sie hatten in ihrer Heimat "irgendwas mit Medien oder IT" zu tun und engagieren sich nun im Projekt "Radio Globale – Musik und Gäste", das der niedersächsische Bürgerfunk-Sender "Oldenburg Eins" (Oeins) im Herbst 2016 startete. "Die Idee ist, dass Migranten und Einheimische diese Stadt aus verschiedenen Perspektiven beschreiben und so die Vielfalt der Stadtgesellschaft abbilden", erklärt Dörthe Bührmann, Leiterin des Projekts. "Es ist unser Anliegen, der Flucht und den Geflüchteten eine Stimme zu geben." Eine Idee, die gut ankommt. Regelmäßig nehmen 15 bis 20 Menschen an den Redaktionssitzungen teil, sie stammen aus dem Iran und der Türkei, aus Syrien und Griechenland, Gambia und Italien, Brasilien und Argentinien. Und ein paar Oldenburgerinnen und Oldenburger machen auch mit.

Drei Männer sitzen vor zwei Bildschirmen und diskutieren.Viele Ideen für einen Film: (v.l.n.r.) Tom, Amr und Mojab haben die digitale Technik im Schneideraum im Griff; hier arbeiten sie an ihrem Beitrag über die Erstaufnahmeeinrichtung für Geflüchtete in Oldenburg-Blankenburg. Quelle: BAMF / Klaus Fricke


Viel mehr als nur Musik

Im Zentrum aber stehen die Leute, die neu sind in der Stadt. "Integration, Begegnung, Spracherwerb – das sind die Ziele", meint Bührmann. "Und wenn am Ende die Teilnehmerinnen und Teilnehmer durch die Arbeit im Projekt in der Lage sind, eigene Sendungen für unser Programm zu erarbeiten, ist dieser Ansatz sogar nachhaltig."
Als "Radio Globale", das das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) über drei Jahre fördert, im November 2016 erstmals im Hörfunk ausgestrahlt wurde, ging es nur um Musik aus den Ländern der Teilnehmenden. Inzwischen gibt es ein wöchentliches Hörfunkmagazin und auch im Fernsehen ist man seit Herbst 2017 präsent.

Vier Frauen stehen vor einem Informationsstand und schauen gemeinsam auf einen Flyer.Letzte Einweisung, v.l.n.r.: Dörthe Bührmann, Leiterin von "Radio Globale", bespricht mit Fatima, Beybun und Lina die Aufgaben des Teams beim Oldenburger Menschrechtstag. Quelle: BAMF / Klaus Fricke


Gesendet wird stets auf Deutsch

Für beide Medien gilt: Moderiert und berichtet wird in deutscher Sprache. Das ist bisweilen zwar eine Hürde, doch "Radio Globale" benötigt nicht nur Menschen vor den Kulissen oder am Mikrofon, sondern auch dahinter. Kamera, Tontechnik, Schnitt, Grafiken oder helfende Hände – viel ist nötig, um einen Beitrag zu produzieren.

Mit der Routine von bereits über 100 Sendungen wächst der Spaß, meist melden sich genug Leute für ein Thema. Eine Fahrradtour zur Erstaufnahmeeinrichtung Blankenburg wird dann ebenso gefilmt wie die Menschenkette am Nordseedeich als Protest gegen das Flüchtlingssterben im Mittelmeer, der Rummel beim Tag der Menschenrechte, das Fußballturnier um den Oldenburger Afrika-Cup oder das Sommerfest der ausländischen Studentinnen und Studenten an der Universität. Es ist eben ein Programm mit Vielfalt.

Ein Demonstrationszug in der Oldenburger Fußgängerzone. Einge Personen spielen auf Musikinstrumenten.Die Musik geht voran: Am Oldenburger Tag der Menschrechte berichteten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer von "Radio Globale" über eine Demonstration in der Fußgängerzone. Quelle: BAMF / Klaus Fricke


Erfahrung zahlt sich aus

Eliene "Elly" do Valle brachte aus ihrer Heimat Brasilien Erfahrung als Journalistin mit; jetzt freut sich die 40-Jährige, dank "Radio Globale" in Oldenburg ihrem Beruf nahe zu sein. Die "Heiratsmigrantin" (Selbstbezeichnung) gestaltet ihre Radio-Beiträge und -Moderationen professionell; deutschsprachige "Helfer" müssen kaum korrigieren. Ähnlich der Syrer Amr Khattab (30): Er hat in Aleppo als Kameramann gearbeitet und sorgt nun in Oldenburg für das gute Bild, ist zudem Magazin-Moderator. Khattab bereitet sich gerade auf eine Medienausbildung in Deutschland vor: "Mir fehlen ja die hier anerkannte Ausbildung und die Zertifikate. Bei "Radio Globale" beweise ich, was ich kann."

Auszeichnungen bei Wettbewerben

Denn die Außenwirkung des Projekts ist groß. Die Sendungen werden gern gesehen, hatten zudem Erfolg beim "Oldenburger Integrationspreis 2017" und dem "Förderpreis Kulturelle Bildung 2016". Was Dörthe Bührmann nur etwas stört, ist die Fluktuation im Team. "Allerdings geben neue Leute ja auch neue Impulse." Für die Zukunft möchte man den Welt-Musikpool (derzeit 700 Songs) erweitern und weitere eigene Sendungen produzieren. Auf dass das globale Medien-Erlebnis im Oeins-Bürgerfunk noch umfangreicher wird.

Text: Klaus Fricke

Weitere Informationen zum Projekt bietet der Projektsteckbrief unter "Download".

Unter "Links" geht es sowohl zum Radio-Live-Stream von Oldenburg Eins (Magazin mittwochs ab 19 Uhr, sonntags ab 13 Uhr sowie "Lange globale Musiknacht" mittwochs 21 bis 5 Uhr) als auch zum TV-Live-Stream von Oldenburg Eins ("Radio Globale"-TV-Magazin jeden zweiten Freitag im Monat ab 21 Uhr live).

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