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Viel Wissen über die neue Heimat

Das Projekt "Meine neue Heimat. Kleine Bürgerkunde" von der Deutschen Gesellschaft e. V.

Datum 31.10.2018

Schutzsuchende aus anderen Kulturen möchten oft möglichst viel über unsere Gesellschaft, die Geschichte und unsere Gesetze erfahren. Doch wie kann man sie dabei unterstützen? Die Deutsche Gesellschaft e. V. bietet für die bessere Integration von Geflüchteten ein Projekt an. Das steht unter dem Motto "Meine neue Heimat. Kleine Bürgerkunde" und sieht Workshops zu verschiedenen Themen vor. Im Landkreis Spree-Neiße und in der kreisfreien Stadt Cottbus läuft das Projekt erfolgreich.

Was gehört zur Kultur und den Traditionen in Deutschland? Die elf Teilnehmer am Workshop "Meine neue Heimat. Kleine Bürgerkunde" mussten nicht lange überlegen. Viele Dinge sind ihnen aufgefallen, die anders sind als in ihren Heimatländern. Das reicht von Bier, Kartoffelsalat und Fußball über Sprache, Schrift und die Bildung bis hin zu Pünktlichkeit, Genauigkeit und vor allem Sicherheit. Zu Beginn des Workshops schrieben sie in Stichpunkten all diese Dinge auf ein großes Blatt Papier. Anschließend diskutierten sie munter darüber.

Mehrere Hände notieren Begriffe mit bunten Stiften Begriffe auf einem großen weißen Blatt Papier.Im Workshop ging es auch um Interaktion zwischen den Teilnehmern. Quelle: BAMF / Dr. Claudia Crodel


Gespräche und Fragen erwünscht

Referentin Dr. Madeleine Petschke von der Deutschen Gesellschaft e. V. setzt bei ihren Workshops nicht nur auf einen Vortrag mit vorbereiteten Folien, sondern auch auf das Gespräch. Beim Workshop im September im Frauenzentrum Cottbus, den der Paritätische als Träger organisiert hatte, ging es um Kultur und Traditionen in Deutschland. Geschickt verwies Petschke darauf, wo man in Brandenburg oder Berlin beispielsweise Schlösser, Burgen, Museen oder bestimmte Architekturstile findet. So erfuhren die Workshop-Teilnehmer, wo es diese Dinge ganz in der Nähe ihres neuen Heimatortes gibt.
Mit dem Projekt "Meine neue Heimat. Kleine Bürgerkunde" unterstützt die Deutsche Gesellschaft e. V. Geflüchtete im Landkreis Spree-Neiße und in der kreisfreien Stadt Cottbus. Förderer und Partner des Modellprojektes sind das Bundesministerium des Inneren, für Bau und Heimat und der Landkreis Spree-Neiße.

Themenvielfalt entstand

Ein Mann präsentiert sein Zertifikat.Auf das Teilnahmezertifikat sind die Geflüchteten stolz. Quelle: BAMF / Dr. Claudia Crodel

Das Projekt gibt es seit September 2016. Hintergrund ist, dass die Kommunen vor der Herausforderung stehen, die Schutzsuchenden aus anderen Kulturen in unsere Gesellschaft zu integrieren. Die Geflüchteten jedoch haben bei ihrer Ankunft nur vage Vorstellungen von unserer Gesellschaft, Geschichte und unseren Gesetzen.
"Bereits 2016 gingen wir mit den ersten Workshops an den Start", so Madeleine Petschke. Anfangs bot die Deutsche Gesellschaft e. V. nur das Thema "Basiswissen Deutschland" an. Doch aufgrund der großen Nachfragen der Geflüchteten wurde der Themenkatalog erweitert. Auch blieb man nicht nur im Landkreis Spree-Neiße, sondern weitete das Angebot auf Cottbus aus. Mittlerweile werden auch Workshops zu den Themen: Bildung und Beruf, Demokratie und Politik, Geschichte und Landeskunde, Gesellschaft und Alltag sowie Kultur und Tradition angeboten. Die Inhalte basieren auf den Materialien der Orientierungskurse für Geflüchtete. Es geht darum, deren Inhalte zu vertiefen, Fragen zu ermöglichen und bei der Prüfungsvorbereitung zu helfen. Zunächst habe man viel mit Dolmetschern gearbeitet. "In diesem Jahr weniger. Die Deutschkenntnisse der Teilnehmenden haben sich sehr verbessert", erklärt Petschke.

Wissensdurst wird gestillt

Die meisten der Workshop-Teilnehmer waren bereits bei der Veranstaltung "Demokratie und Politik" Ende Mai dabei und hatten nun das Thema "Kultur und Tradition" selbst gewählt. "Es war sehr interessant. Wenn man in Deutschland lebt, muss man das wissen", meinte Abdul Hamid-Ibrahim Rehhal nach dem Workshop. Der aufgeschlossene junge Mann hatte wie die anderen Teilnehmer nichts dagegen, dass der Workshop viel länger dauerte als die angesetzten zwei Stunden. Immer wieder hatten die Geflüchteten Fragen, zu Feiertagen und Festen oder zu den verschieden Religionen in Deutschland beispielsweise. Warum sind die Menschen zu Weihnachten alle zu Hause, wieso gibt es da keine Veranstaltungen in der Stadt? Was sind Freikirchen? Wie kommt es, dass so viele Menschen keiner Religion angehören?
"Es ist ganz wichtig für uns, so viel wie möglich über Deutschland zu lernen", sagen Shukrulah Omari und Mohammad Ahmadi. Die jungen Afghanen, die in Cottbus ihren Realschulabschluss an der Schule des zweiten Bildungswegs nachgeholt und jetzt eine Ausbildung zum Mechatroniker bzw. zum Industriemechaniker begonnen haben, sind außerordentlich interessiert, viel über ihre neue Heimat zu erfahren. Beim Quiz, mit dem der Workshop endete, bewiesen die Teilnehmer, wie viel sie an diesem Nachmittag gelernt hatten.

Zwei Teilnehmer sitzen an einem Tischen und füllen Zettel aus.Beim Quiz am Ende der Veranstaltung war Nachdenken angesagt. Quelle: BAMF / Dr. Claudia Crodel


Lösungen für Weiterführung gesucht

48 Workshops zu "Meine neue Heimat. Kleine Bürgerkunde" standen bzw. stehen jeweils 2017 und 2018 auf dem Programm der Deutschen Gesellschaft e. V. und das mit Erfolg. Doch die Förderung läuft Ende August 2019 aus. "Wir sind in Gesprächen mit dem Landkreis Spree-Neiße, ob es eine weitere Förderung gibt, um das Projekt fortzusetzen", sagt Madeleine Petschke. Bislang gebe es jedoch keinen positiven Bescheid. "Deshalb überlegen wir, wie wir den Trägern trotzdem unsere Materialien und Präsentationen so aufbereiten können, damit sie diese weiterverwenden können."

Text: Dr. Claudia Crodel

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