BAMF - Bundesamt für Migration und Flüchtlinge - Projekt des Monats - Nürnberg: Klettern in der Moschee

Navigation und Service

Nürnberg: Klettern in der Moschee

Integrationsprojekt des Monats Juni

Datum 26.06.2014

Das ist bundesweit wohl einmalig: Im Gemeindezentrum der Islamischen Gemeinde Nürnberg (IGN) befindet sich seit November letzten Jahres eine öffentliche Kletterwand. Jeder ist hier willkommen, der Spaß am Klettersport hat.  

Es ist Freitag 13:30 Uhr, und die eindringlichen Worte des Imam mischen sich zwei Stockwerke unter dem Gebetsraum der Moschee in der Hessestraße mit fröhlichen Kinderstimmen. Die Predigt vor dem Freitagsgebet wird über Lautsprecher auch in den Jugendraum im Erdgeschoss übertragen. Eine Gruppe von neun- bis zwölfjährigen Mädchen aus Erlangen muss das nicht weiter kümmern: Sie vergnügen sich munter bei Tischfußball oder Darts - mit Lärmpause während des eigentlichen Gebets. Dann versammeln sie sich mit ihrem Betreuer Mark Sauerborn, Regionalkoordinator Mittelfranken im Programm "Integration durch Sport" (IDS) des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), voller Tatendrang im angrenzenden Aufzugsschacht des fünfstöckigen früheren Fabrikgebäudes im Stadtteil Gostenhof.

Statt des längst ausgemusterten Aufzugs führt dort jetzt eine Kletterwand mit über 300 Klettergriffen und 20 unterschiedlich schwierigen Routenkombinationen eindrucksvolle 15 Meter in die Höhe - und das mitten in einem islamischen Gemeindezentrum. "Nimm nicht die rote Route, die kostet zu viel Kraft, nimm die blaue!" Mark Sauerborn sichert das erste der Mädchen, so dass ihn ein Seil mit der Kletterin verbindet und diese sich unbedenklich auf ihren Weg zum "Gipfel" machen kann.  Später kommen drei junge Männer aus der islamischen Gemeinde hinzu, um die weiblichen Gäste ebenfalls zu unterstützen. "An einer so hohen Kletterwand war ich noch nie", meint die 11-jährige Brigita nach ihrer Tour. "Ein bisschen Höhenangst bekam ich schon da oben!"

Projekt des Monats - JuniKlettern fördert den Dialog und hilft Vertrauen zueinander aufzubauen: Mark Sauerborn sichert eine junge Kletterin. Quelle: Gerd Fürstenberger

Kultur des Dialogs schon im Jugendalter fördern

Das im Rahmen des IDS-Programms geförderte und vom Bayerischen Landes-Sportbund (BLSV) getragene Projekt "Schicht im Schacht" geht auf eine Idee von Mark Sauerborn und dem Jugendbeauftragten der islamischen Gemeinde Nürnberg, Hamed Ktari, zurück und wurde von Gemeindemitgliedern umgesetzt: "Wie schon mit früheren Aktionen wollen wir auch mit der Kletterwand eine Kultur des Dialogs fördern", erklärt Hamed Ktari. "Hier können Jugendliche egal welcher Herkunft und Konfession gemeinsam etwas erleben und Vertrauen zueinander aufbauen. Dafür eignet sich der Klettersport ganz besonders, schließlich ist der Kletterer abhängig vom Sicherer und Kooperation entscheidend." Davon abgesehen bietet die Gemeinde Jugendlichen im multikulturellen Stadtteil Gostenhof und darüber hinaus mit solchen sportlichen Aktivitäten eine sinnvolle Beschäftigung: "Berührende Erlebnisse motivieren sie besser als Worte, sich in der Gesellschaft zu engagieren", ist Ktari überzeugt.

So haben sich bereits sechs jugendliche Gemeindemitglieder vom Deutschen Alpenverein (DAV) als Kletterbetreuer ausbilden lassen. "Wir sind auch schon in den Bergen geklettert, aber hier geht es nun spontan, ohne dass wir weit fahren müssen", meint der 16-jährige Mahmoud. Auch dass das Angebot offen ist, finden er und seine Freunde gut: "Sport ist nicht nur für eine Nation oder Religion da, sondern für alle." Ein kompetenter Sicherer muss immer dabei sein:  Das ist unter der Woche von spätestens 16 bis 20 Uhr der Fall, am Wochenende schon ab 10 Uhr. Gruppen können Termine vereinbaren. Für sie ist das Angebot kostenlos, einzelne Besucher zahlen eine Instandhaltungsgebühr von einem Euro.

Projekt des Monats - JuniJugendbeauftragter Ktari (rechts) und Gemeindemitglieder im Gespräch mit dem Imam Abdulrahman Alhout. Quelle: Gerd Fürstenberger

Die Moschee als überkonfessionelle Begegnungsstätte

Die neue sportliche Attraktion kommt bestens an und wirkt weit über Gostenhof hinaus: "Wir hatten auch schon Schüler aus Regensburg  hier, die eigentlich nur die Moschee besuchen, aber dann auch klettern wollten", schmunzelt Hamed Ktari und blickt optimistisch in die Zukunft: "Nürnberger Jugendhäuser und Schulen signalisieren ebenso Interesse an dem Angebot wie die evangelische und katholische Jugend."

Mark Sauerborn sieht in dem Projekt vor allem eine Chance, Vorurteile abzubauen: "Als die Mädchen der Fußballgruppe verschleierte Frauen und Männer mit Bärten sahen, kam im ersten Moment schon die Frage, wo ich sie da hingebracht habe." Doch ihre Neugier siegte schnell über das anfängliche Unbehagen. Sie erlebten offene Menschen, und die Freude über eine tolle Sporterfahrung ist ihnen beim anschließenden Imbiss im Jugendraum der Moschee deutlich anzusehen.

Hervorhebung als Adresse: "Integration durch Sport"

ist das bundesweite Programm des Deutschen Olympischen Sportbunds, das gemeinsam mit den Sportbünden aller Bundesländer die Integration und interkulturelle Öffnung im vereinsorganisierten Sport fördert. Ziel ist es, das Zusammenleben aller Menschen mit und ohne Migrationshintergrund zu verbessern. Den Sportvereinen stehen neben fachlichen Beratungsleistungen der Landessportbünde auch themenbezogene Fortbildungsangebote offen und nach Bedarf und Verfügbarkeit kann zur Organisation und Durchführung von integrativen Maßnahmen eine finanzielle Unterstützung gewährt werden. Auf diese Weise erreicht das Programm jedes Jahr mit rund 1.200 freiwillig Engagierten in weit über 500 Sportvereinen mehrere zehntausend Menschen. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge fördert dieses Programm mit 5,4 Millionen Euro jährlich. Im Internet finden Sie weitere Informationen unter www.integration-durch-sport.de.

Zusatzinformationen

Zum Thema

Informationen für Projektträger

Kontakt

Sie haben Fragen an uns? Rufen Sie uns an oder schreiben Sie uns!

Bürgerservice

Montag bis Freitag
9 bis 13 Uhr

Telefon: +49 911 943-6390
zum Kontaktformular

Ansprechpartner im BAMF

Direktlinks zu den sozialen Medien