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Janina Herden bei #BAMFzeigtGesicht

Interview mit Janina Herden, Entscheiderin in unserer Außenstelle Berlin und Sonderbeauftragte für geschlechtsspezifische Verfolgung.

Datum 22.12.2017

Frauen fliehen aus ihren Herkunftsländern, weil sie sexueller Gewalt entgehen wollen oder auf Basis ihres Geschlechts oder ihrer sexuellen Orientierung  diskriminiert werden. Bekannte Beispiele sind etwa Ehrenmord oder weibliche Genitalverstümmelung. Ob im Einzelfall ein Schutzbedürfnis vorliegt, prüft das Bundesamt im Asylverfahren, dessen wichtigstes Kernstück hierzu die persönliche Anhörung ist. In der Anhörung hat die Schutzsuchende deshalb die Möglichkeit, persönlich die Gründe für die Flucht darzulegen. Wir haben für #BAMFzeigtGesicht mit unserer Mitarbeiterin Janina Herden über Ihre Aufgabe gesprochen, Janina ist Sonderbeauftragte in unserer Außenstelle Berlin. Sonderbeauftrage sind speziell geschulte Entscheiderinnen und Entscheider, die für Anhörungsverfahren bei besonders schutzbedürftigen Personengruppen eingesetzt werden.

Welche Voraussetzungen sollte man als Entscheiderin und Sonderbeauftragte für geschlechtsspezifische Verfolgung mitbringen?

"Wichtig ist, dass man sensibel und einfühlsam ist, dazu neutral und vorurteilsfrei. Die Anhörung ist dazu da, die Fluchtgründe und die Glaubwürdigkeit der Schutzsuchenden festzustellen. Man kann sich leicht vorstellen, dass Frauen lieber mit einer Entscheiderin sprechen als mit einem Entscheider, wenn sie in ihrer Vergangenheit sexuelle Gewalt erfahren haben. Hinzu kommt: In den verschiedenen Kulturen und Traditionen, aus denen die schutzsuchenden Frauen stammen, werden frauenspezifische Themen meist tabuisiert. Frauen sprechen nur mit anderen Frauen darüber. Deshalb ist nicht zuletzt eine der Voraussetzungen auch, dass ich selbst eine Frau bin! Ich möchte den Mädchen und Frauen die Gelegenheit geben, in einem geschützten Raum frei von ihrer Verfolgungsgeschichte und ihren Traumata erzählen zu können. Dafür brauche ich eine gute und schnelle Auffassungsgabe. Traumatisierte Menschen springen oft in ihren Geschichten, das muss ich berücksichtigen. Ich versichere der Person gegenüber mein Mitgefühl, wenn es passend ist und räume der Antragstellerin, Dolmetscherin und auch mir ausreichend Zeit für Pausen ein. In der Weiterbildung zur Sonderbeauftragten habe ich deshalb verschiedene Fragetechniken gelernt. Einerseits darf ich die Antragstellerinnen nicht überfordern, andererseits muss ich den jeweiligen Sachverhalt auch tatsächlich aufklären."

Eine Frau sitzt an ihrem Schreibtisch.Sonderbeauftragte wie Janina Herden sind speziell geschulte Entscheiderinnen und Entscheider, die für Anhörungsverfahren bei besonders schutzbedürftigen Personengruppen eingesetzt werden. Quelle: BAMF

Gibt es Fälle, die Ihnen besonders Nahe gehen oder in Erinnerung geblieben sind?

"Ich habe schon immer gewusst, dass sich Menschen Böses antun können. Jetzt bekommt das Leid auch Gesichter. Eines davon ist das Gesicht einer Antragstellerin aus Moldawien. Sie war von Ihrem Onkel dazu überredet worden, mit ihm in die Türkei zu fahren, angeblich um dort zu arbeiten. Dieser Onkel verkaufte die Frau dann aber an ein Bordell, wo sie unter Drogen gesetzt und über 7 Jahre festgehalten und missbraucht wurde. Ein Freier verhalf ihr schließlich zur Flucht und diese führte sie wieder nach Moldawien, wo sie ihrem Onkel erneut begegnete. Wäre es nach dem Onkel gegangen hätte dieses Spiel von neuem begonnen: Er wollte sie erneut an ein Bordell verkaufen. Diesmal konnte sie sich aber nach Deutschland retten und stellte hier eine Asylantrag."

Wie gehen Sie selbst damit um, wenn Sie solche Geschichten hören?

"Natürlich gibt es diese Fälle, die mich sehr berühren. Aber ich persönlich habe gelernt, mich gut abgrenzen. Als Sonderbeauftragte haben wir die Möglichkeit, an einer Supervision teilzunehmen. Dort stehen wir im Kontakt mit den anderen Sonderbeauftragten und tauschen uns aus. Es gibt eine Übung, die mir eine ältere Kollegin ans Herz gelegt hat. Man soll sein Büro als Tresor betrachten. Die zum Teil sehr schrecklichen Verfolgungsgeschichten bleiben im Büro und ich schließe sie zum Feierabend im Büro ein und nehme sie nicht mit nach Hause."

 

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Wichtige Mitteilung

Freizügigkeitsmonitoring: Jahresbericht 2017 erschienen

Im gesamten Jahr 2017 wurden insgesamt 634.836 Zuzüge von Unionsbürgern nach Deutschland registriert, während 377.892 Unionsbürger aus Deutschland fortgezogen sind. Dies und mehr ist dem aktuellen Freizügigkeitsmonitoring des Forschungszentrums auf Basis des Ausländerzentralregisters (AZR) zu entnehmen.

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