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"Macht das bitte barrierefrei!"

Datum 03.12.2018

Rund 750 Mitarbeitende des BAMF sind schwerbehindert oder gleichgestellt. Einer von ihnen ist Thomas Mandt (53), Mitarbeiter in der IT-Abteilung. Zum Internationalen Tag der Menschen mit Behinderung erzählt er, wie es ist, als Blinder im BAMF zu arbeiten.

"Macht das bitte barrierefrei, damit jeder diese Anwendung nutzen kann", sagt Thomas Mandt zu seinen Kolleginnen und Kollegen, die IT-Anwendungen entwickeln. Diese auf Barrierefreiheit zu prüfen, gehört zu seinen Tätigkeiten im Bundesamt dazu. Er ist prädestiniert dafür, weil er selbst blind ist und genau weiß wovon er spricht. "Wir versuchen Anwendungen und Software, die wir im Bundesamt einsetzen, so zu entwickeln, dass sie nicht nur für Blinde, sondern für Menschen mit irgendeiner körperlichen Einschränkung zugänglich und nutzbar sind", erläutert Mandt den Ansatz, der in seiner Abteilung verfolgt wird.

Eine Behinderung muss kein Hindernis sein

Außerdem betreut Mandt eine Datenschutz-Anwendung im Bundesamt: "Das heißt, ich lege neue Accounts an, ändere Daten, unterstütze bei vergessenen Passwörtern und beantworte technische Fragen rund um die Anwendung." Um seine Aufgaben erledigen zu können, muss er viel am Computer arbeiten und telefonieren. Dass er im Laufe seines Lebens vollkommen erblindet ist, ist dafür kein Hindernis. Mandt benötigt lediglich die richtigen Hilfsmittel sowie offene, hilfsbereite Kolleginnen und Kollegen. Eine sogenannte Braille-Zeile gibt ihm den Computer-Inhalt in Blindenschrift aus. Außerdem nutzt er eine Sprachausgabe, die ihm Inhalte seines Computers vorliest. "Wenn das Telefon klingelt, lasse ich mich einfach überraschen", schildert Mandt. Anders als sehende Kolleginnen und Kollegen erhält er vor dem Abnehmen des Hörers keine weiteren Informationen über die anrufende Person. "Deswegen bin ich auch immer freundlich am Telefon, es könnte der Chef sein, der am anderen Ende dran ist", scherzt er. Unterstützung seiner Kolleginnen und Kollegen benötigt er nur für verpasste Anrufe oder das Ändern der Einstellung an seinem Telefon. Seine Behinderung ist kein Hindernis dafür, seine Tätigkeiten auszuüben.

Blick von hinten über die Schulter eines Mannes, der vor seinem Computer sitzt.Thomas Mandt arbeitet viel mit dem Computer. Was andere auf dem Bildschirm sehen, wird ihm von einer Sprachausgabe vorgelesen bzw. über ein spezielles Gerät in Blindenschrift übersetzt. Quelle: BAMF

Das sieht auch Julian Detzel so, Leiter des Referats für IT-Projektmanagement, Innovationsmanagement im BAMF. Anfang 2018 wechselte Thomas Mandt in dessen Referat, weil er sich verändern und andere Aufgaben übernehmen wollte. "Das Vorgehen bei Herrn Mandt war genauso, wie bei allen anderen auch, die sich für eine Stelle in meinem Referat interessieren. Wir haben Herrn Mandt bei einem persönlichen Gespräch kennengelernt, die Aufgaben identifiziert, die er übernehmen kann und geschaut, ob er ins Team passt", skizziert Detzel das Verfahren. "Wichtig ist es immer, unabhängig davon ob jemand eine Behinderung hat, den persönlichen Anforderungen des Menschen gerecht zu werden. Dazu zählt auch, dass wir Herrn Mandt ganz bewusst in das Geschäftszimmer gesetzt haben (ähnlich einem Sekretariat, in dem alle mal vorbeischauen). Für ihn ist es nicht so ohne weiteres möglich, zu den Kolleginnen und Kollegen in die Büros zu gehen. Also kommen die Kolleginnen und Kollegen zu ihm", erläutert Detzel die Idee. 

Berührungsängste abbauen

Was es heißt, blind zu sein, erklärt Mandt gerne an einem Beispiel. "Setzen Sie sich vor einen Computer. Der Bildschirm ist aus und jetzt versuchen Sie mal mit der Maus irgendwas zu machen. Das hat nicht wirklich viel Sinn. Wenn ich aber die Sprachausgabe und eine Tastatur verwenden kann, kann ich die Anwendung nutzen." Bei der Datenschutz-Anwendung, die er betreut, ist es sogar für ihn als Blinden leichter, sich zu orientieren, als für Sehende. "Für Sehende sind für alle Menüpunkte Symbole hinterlegt, die nicht immer verständlich sind. Für mich wird der Alternativtext vorgelesen, ich weiß immer sofort, wo ich hinspringe", beschreibt Mandt die bisher einzige Anwendung, bei der er so etwas erlebt hat.

Ein Headset, eine Maus, eine Tastatur und eine Braille-Zeile liegen auf einem Schreibtisch.Ein Headset, eine Tastatur und eine Braille-Zeile sind grundlegende Arbeitsmittel von Thomas Mandt. Quelle: BAMF

Barrierefreie Programme oder die richtige Ausstattung im Büro allein sind für eine gelingende Inklusion nicht ausreichend. Mindestens genauso wichtig ist es, wie die Menschen miteinander umgehen. Wenn Thomas Mandt auf dem Flur anderen Leuten begegnet, hilft es ihm am meisten, wenn sie einfach weiterreden. "Wenn sie verunsichert sind, wie sie sich verhalten sollen, und aufhören, sich zu unterhalten, fällt es mir schwer, einfach links oder rechts an ihnen vorbeizugehen", beschreibt er eine typische Situation. Mandt hat eine eindeutige und positive Meinung dazu, wie man mit ihm und seiner Behinderung umgehen sollte: "Lieber etwas falsch machen als gar nichts machen. Wer etwas macht, auch wenn es falsch ist, der kann daraus lernen." In Bezug auf die Kolleginnen und Kollegen in seinem Team sagt Mandt: "Als ich neu im Team war, gab es keine Berührungsängste. Die haben einfach geschaut, wer und wie ich so bin, wie bei jedem anderen auch. Dort wo es sie gibt, soll man Berührungsängste abbauen, das ist ein ganz wichtiger Punkt."

Individuelle Bedürfnisse gehören nicht in eine Schublade

10,14 Prozent betrug die Schwerbehindertenquote im Bundesamt für Migration und Flüchtlinge im November 2018. Diese Quote steht für eine Vielzahl von Kolleginnen und Kollegen, die wie Thomas Mandt in ihrem Alltag mit starken Einschränkungen konfrontiert sind. Von der Bewerbung über das Vorstellungsgespräch bis zur Einrichtung des Arbeitsplatzes und darüber hinaus werden Mitarbeitende mit Behinderung im BAMF von der Schwerbehindertenvertretung unterstützt. Diese Unterstützung umfasst mehr, als nur auf die Schaffung und Einhaltung formeller Voraussetzungen hinzuwirken. Deshalb ist die persönliche Beratung, das offene Ohr, in der Arbeit der Schwerbehindertenvertretung besonders wichtig.

Julian Detzel ist überzeugt, dass Inklusion und Diversität zentrale Elemente der Arbeitgeberattraktivität sind. "Als Führungskraft ist es wichtig, Motivation und Leistung der einzelnen Mitarbeitenden im Blick zu haben. Eine Behinderung sollte nicht als Kategorie oder Schublade verstanden werden, sondern als Form individueller Bedürfnisse, die im Arbeitsumfeld mit den Bedürfnissen des Arbeitgebers in Einklang gebracht werden müssen."

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