GEO-Informationssystem (Web-GIS)
Digitale Erfassung, Analyse und Präsentation von raumbezogenen Daten
Rechnergestütztes Informationssystem, mit dem raumbezogene Daten digital erfasst und redigiert, gespeichert und reorganisiert, modelliert und analysiert sowie alphanummerisch und graphisch präsentiert werden können.
Mittlerweile haben ca. 80% aller Daten und Entscheidungen im öffentlichen Leben einen räumlichen Bezug. Besonders deutlich wird das für die Bereiche Asyl, Integration und Migration. Viele unserer Daten und Statistiken verfügen über einen Raumbezug, sei es beispielsweise das Herkunftsland im Bereich Asyl oder die Adresse einer Beratungseinrichtung oder eines Sprachkursträgers im Bereich der Integration. Ihre volle Aussagekraft entfalten solche Statistikdaten meist erst dann, wenn sie kartographisch aufbereitet werden, getreu dem Motto: "Ein Bild sagt mehr als Tausend Worte, eine Karte ersetzt leicht eine Million Worte."
Um diesen Anforderungen gerecht zu werden, befindet sich seit Anfang 2004 ein Geo-Informationssystem im Einsatz. Per Definition versteht man unter einem Geoinformationssystem ein "rechnergestütztes Informationssystem, das aus Hardware, Software, Daten und den Anwendungen besteht. Mit ihm können raumbezogene Daten digital erfasst und redigiert, gespeichert und reorganisiert, modelliert und analysiert sowie alphanumerisch und graphisch präsentiert werden". (BILL, 1994, Grundlagen der Geoinformationssysteme).
Quelle: BAMF
Die vorhandenen Daten werden im Haus mit einer GIS-Software der Firma ESRI (ArcGIS ArcView 9.2). aufbereitet und als thematische Karten dargestellt. Neben den Fachdaten (interne sowie externe Statistiken) werden gerade für kartographische Darstellungen Geobasisdaten benötigt. Deutschlandweite Geobasisdaten, wie z.B. die Geometrien der Bundesländer, Landkreise oder Postleitzahlbezirke beziehen wir vom Bundesamt für Kartographie und Geodäsie. Alle internationalen Geobasisdaten sind im Softwarepaket der Firma ESRI (ESRI Data and Maps) enthalten.
Thematische Karten
Thematische Karten sind eine Möglichkeit raumbezogene Statistiken zu veranschaulichen und kartographisch darzustellen. Dabei werden einzelne Themen so aufbereitet, dass z.B. qualitative und quantitative Aussagen in ihrer räumlichen Ausprägung auf einen Blick erfasst werden können. In der folgenden thematischen Karte sind die Integrationskursorte und der Ausländeranteil der einzelnen Bundesländer dargestellt. Die Legende zeigt die unterschiedlichen Ausprägungen beider Informationen, so werden Ausländeranteil und Kursorte quantifiziert und klassifiziert. Das erfolgt beim Ausländeranteil über eine farbliche Abstufung, je höher der Anteil desto dunkler die Farbe. Bei den Kursorten wird das Symbol umso größer, je mehr Kursorte sich an einem Ort befinden.
Quelle: BAMF
GIS im Internet
Web-GIS Anwendung mit dynamischen Karten
Eine wesentliche Aufgabe des Bundesamtes ist es, eine erfolgreiche Integration aktiv zu ermöglichen und zu fördern. Dazu wurde im Rahmen des Integrationsportales eine eigene webbasierte GIS-Lösung (Web-GIS Anwendung) für den Bereich der Integration entwickelt, so dass der Integrationswillige / Bürger optimal über das Integrationsangebot informiert wird. Ermöglicht wird dies durch neue und attraktivere Wege der Informationsvermittlung über das Internet.
Ziel der Web-GIS Anwendung ist es über die einzelnen, im Haus verfügbaren, Daten des Integrationsangebotes zu informieren. Dazu zählen die
- Migrationserstberatungen (MEB)
- Integrationskurse
- Regionalkoordinatoren (Reko)
- Regionalstellen
- Ausländerbehörden
- gemeinwesenorientierten Projekte.
Eine intuitive Benutzeroberfläche ermöglicht es den Bedarfsträgern sich direkt, nur mit Hilfe eines Internetbrowsers, über das Integrationsangebot zu informieren. Die umfassenden Abfragemöglichkeiten und die Informationsbereitstellung erfolgen anhand von dynamischen Karten und Ergebnislisten. So können Adressen von Einrichtungen in der Nähe des Wohnortes oder in einem bestimmten Umkreis davon (z.B. 5 km), gefunden werden. Weiterhin ist es möglich, den aktuellen Stand der angebotenen Integrationskurse, die Zuständigkeiten von Rekos, Ausländerbehörden und Beratungsstellen zu ermitteln.
Das Bundesamt hat sich für eine sichere Webanwendung entschieden, die komplett auf aktive Inhalte verzichtet und somit barrierefrei einen größtmöglichen Kreis von Interessenten erreicht. Über ISO- und OGC-Standards erfolgt der Austausch der verfügbaren Geodaten mit dem Bundesamt für Kartographie und Geodäsie durch Geodienste (wms, wfs). Folglich stellt die Web-GIS Anwendung des Bundesamtes einen weiteren Schritt für die Geodateninfrastruktur Deutschlands (GDI-DE) dar.
Die Bedarfsträger
Die Web-GIS Anwendung stellt Informationen für die breite interessierte Öffentlichkeit, sowie für hausinterne Mitarbeiter bereit. In dem internen geschützten Bereich liegen weitergehende Informationen z.B. Personaldaten. Dadurch profitieren alle am Integrationsprozess Beteiligten - das Bundesamt selbst (insbesondere durch den internen Bereich), sowie Migrantenorganisationen und alle weiteren mit Integrationsmaßnahmen befasste Stellen. Diesen ist es dadurch möglich, passgenaue Integrationsmaßnahmen zusammenzustellen.
Extern:
- Migranten
- Interessierte Öffentlichkeit
- Ausländerbehörden
- Beratungsstellen
- Kommunen
Intern:
- Regionalkoordinatoren
- Mitarbeiter einzelner Fachreferate
Vorteile der Anwendung
Es können verschiedene Datensätze nach unterschiedlichen Kriterien abgefragt und in Form von Listen und dynamischen Karten dargestellt werden. Außerdem werden GIS-Grundfunktionalitäten realisiert wie z.B. zoomen, verschieben, messen von Entfernungen, Navigation per Ortssuche oder eine Objektsuche bzw. räumliche Auswahl.
- intuitive multilinguale Benutzeroberfläche (Deutsch, Englisch)
- umfassende und komplexe Abfragemöglichkeiten und Auskunftsfunktionen
- leistungsfähige räumliche Abfragen
- Informationsbereitstellung mit Hilfe dynamischer Karten und Ergebnislisten
- externer Bereich für alle
- interner Bereich für Mitarbeiter
- pdf- und Excelexport
- keine aktiven Inhalte (barrierefrei)
- keine Installation von Plugins oder Applets
- Editierfunktion für Poweruser
Abfragemöglichkeiten
- Schnellsuche
- Erweiterte Suche
- Adress- bzw. Standortsuche
- Hierarchische Suche nach administrativer Einheit
- Umkreissuche
- Kartensuche
- Fachliche Suche nach einzelnen Attributen
Technische Realisierung
Die technische Realisierung erfolgte größtenteils mit OpenSourceSoftware auf Basis einer serviceorientierten Architektur. Die Abbildung zeigt die funktionelle Sicht auf die Anwendung mit der Unterteilung in die unterschiedliche Schichten.
Zur Anwendung
Mit einem Klick auf die u. a. Grafik, oder über den Link in der rechten Spalte kommen Sie direkt zur Anwendung.
Als registrierter Nutzer kommen Sie über den zweiten Link in der rechten Spalte in den internen Bereich. Dort stehen Ihnen als Berechtigte(r) zusätzliche Detailansichten zur Verfügung. Anmelden können Sie sich dort dann bequem mit Ihrer Kennung.
GIS und Data-Warehouse
Der Ausbau des Bundesamtes zum migrations- und integrationspolitischen Kompetenzzentrum erfordert den Aufbau eines IT-gestützten Informationsnetzwerkes. Dies wird mit dem Data-Warehouse-Projekt IDE verwirklicht, das die unterschiedlichen migrations- und integrationsrelevanten Datenquellen bündelt.
Die bestmögliche Wirkung dieses Datennetzwerks entsteht jedoch erst durch ein GeoInformationssystem, das die Daten räumlich analysieren und kartographisch visualisieren kann. Im Rahmen des Projektes IDE befinden sich Auswertewerkzeuge (Business Intelligence Tools, BI-Tools) der Firma Cognos im Einsatz. In der neuen Cognos-Version (Cognos 8) verfügt die Software über integriertes Kartenmaterial (internationale/ nationale Geobasisdaten).
Zukünftig ist es dem Nutzer möglich, einfachste Visualisierungen in Form von Karten selbstständig zu erstellen. Bisher wurden alle Daten des Data-Warehouse exportiert um dann im GIS tabellenbasiert weiter verarbeitet zu werden. Jetzt können einfache Zusammhänge schnell als thematische Karten dargestellt und in die Berichte eingebaut werden. Anders als bei einem eigenständigen Geoinformationssystem reagieren diese Karten nur als reine Graphik, d.h. in der Karte selbst gibt es z.B. keine weiter gehenden Zoommöglichkeiten. Es besteht aber beispielsweise die Möglichkeit je nach Bedarf einzelne Länder unterschiedlich einzufärben und Punkte (die z.B. Trägerstandorte symbolisieren) in unterschiedlichen Größen und Farben darzustellen. Einfache Drillzooms können bei Bedarf dazu programmiert werden.
Kartographisch hochwertige thematische Karten und räumliche Analysen lassen sich aber auch in Zukunft nur mit dem im Einsatz befindlichen Geoinformationssystem erstellen.



