BAMF - Bundesamt für Migration und Flüchtlinge - Richter Ankunftsnachweis - Gewissheit in 48 Stunden

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Gewissheit in 48 Stunden

Schnellere Asylverfahren

Ein ganzes Asylverfahren innerhalb von 48 Stunden: Das Konzept der bundesweit 24 neuen "Ankunftszentren", eines davon in Bonn, macht dies möglich. Behörden führen unter einem Dach alle Schritte des Asylverfahrens durch: Von der Gesundheitsuntersuchung über die Anhörung bis zur ersten Beratung für eine Integration in den Arbeitsmarkt.

Von Oliver Mohr, Bundespresseamt

Eine Familie mit drei Kindern sitzen mit einer Frau um einen Tisch.Über den Asylantrag der syrischen Familie wird innerhalb von 48 Stunden entschieden. Quelle: Bundespresseamt|Ute Grabowsky

Kurzzeitig verliert der kleine Majid dann doch seine Geduld. Bis gerade konnte ihn seine Mutter noch auf ihrem Schoß halten. Doch jetzt hält es der Einjährige nicht mehr aus und klettert mitten über den Besprechungstisch auf die Fensterbank. Dort angekommen, lässt er sich wieder seelenruhig nieder, grinst fröhlich in die Runde und schaut mit seinen braunen Augen wie ein Unschuldslamm.

Seine Eltern reagieren entspannt auf diesen turbulenten Ausflug ihres Sohnes. Für sie ist der heutige Tag zu wichtig, um sich über Kleinigkeiten aufzuregen. Sie durchlaufen heute das komplette Asylverfahren – an einem einzigen Tag. Und spätestens innerhalb von 48 Stunden weiß die syrische Familie, ob sie in Deutschland bleiben kann.

Aufbruchstimmung im BAMF

Majid und seine Familie sitzen in einem hellen freundlichen Raum des sogenannten Ankunftszentrums des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF) in Bonn. Manches in dem Gebäude der ehemaligen Ermekeilkaserne wirkt noch provisorisch: An einigen frischgestrichenen weißen Wänden fehlen Bilder, im Treppenhaus sind einige Stufen mit einer Plane abgedeckt. Kein Wunder: Das Ankunftszentrum ist erst seit dem 18. April in Betrieb, einige Renovierungsarbeiten laufen noch.

Zwei Männer sitzen an einem Tisch, der eine erklärt dem anderen etwasEin BAMF-Dolmetscher (links) erklärt Familienvater Yaser K. die Abläufe des Asylverfahrens. Quelle: Bundespresseamt|Ute Grabowsky

Das BAMF ist in Aufbruchstimmung. Dies merkt man auch Sachbearbeiterin Sevil Y. (vollständiger Name der Redaktion bekannt) an: Spürbar hochmotiviert führt sie das Gespräch mit der insgesamt vierköpfigen syrischen Familie. Detailreich beschreibt sie den Ablauf des Asylverfahrens. Wichtig ist ihr vor allem, die Familie über Rechte und Pflichten als Asylbewerber in Deutschland aufzuklären. Dieser Teil des Asylverfahrens wird als "Belehrung" bezeichnet, eine der ersten Schritte des Verfahrens.

Um sicherzustellen, dass die Informationen auch verstanden werden, kann die BAMF-Mitarbeiterin auf mehrere Übersetzer des Ankunftszentrums zurückgreifen. In diesem Fall gibt sich der Dolmetscher besonders bei Fachbegriffen große Mühe, langsam zu sprechen, und vergewissert sich immer wieder, ob die syrische Familie auch wirklich alles richtig verstanden hat.

Flucht mit dem Schlauchboot

Familienvater Yaser K. (vollständiger Name der Redaktion bekannt) dankt es ihm mit einem Lächeln. "Ich bin so froh, in Deutschland zu sein", erzählt er. Im vergangenen Oktober ist die Familie nach Deutschland geflüchtet, 13 Tage lang, ihr Weg führte sie mit dem Schlauchboot über die Ägäis. "Der Bürgerkrieg ist furchtbar", erinnert sich der 31-Jährige.

Zunächst hätten sie gehofft, außerhalb ihres Wohnortes Aleppo Schutz zu finden. Doch als selbst dort auf dem Land die Kämpfe immer heftiger geworden seien, hätten sie sich zur Flucht entschieden. In Deutschland lebte die Familie zunächst in einem Auffanglager. Seit einem halben Jahr ist sie in einer Wohnung in Troisdorf untergekommen, einer Kleinstadt in der Nähe von Bonn. Als sie den Termin im neuen Ankunftszentrum erhielt, fiel der Familie ein Stein vom Herzen. Endlich Klarheit, wie es mit ihrem Leben weitergeht. Und dies innerhalb von höchstens zwei Tagen.

Schnellere Asylverfahren

"Dies ist schon der wichtigste Fortschritt, dass wir einen sehr großen Teil der Asylverfahren innerhalb von 48 Stunden bearbeiten können. Die lange Dauer der Verfahren war ja auch immer eine Hauptkritik am BAMF", sagt Armin Mörs. Er ist Aufbauleiter des Ankunftszentrums in Bonn. Sein Job ist es, die neuen Arbeitsabläufe so zu organisieren, dass perspektivisch bis zu 800 Asylbewerber täglich angehört werden können, derzeit sind es etwa 160. Langfristig will das BAMF rund 300 Beschäftigte im Ankunftszentrum in Bonn einsetzen.

Alles unter einem Dach

Einen großen Teil seiner Arbeitszeit widmet Mörs der Kommunikation mit anderen Behörden. Denn das Konzept aller neuen, bundesweit 24 Ankunftszentren des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge lautet: Alles unter einem Dach. BAMF, Land und Bundesagentur für Arbeit ziehen an einem Strang. Über ein bundes- und landesweit übergreifendes Kerndatensystem sind alle Behörden miteinander vernetzt. Zudem werden sämtliche Schritte eines Asylverfahrens in den Ankunftszentren gebündelt: Von der Gesundheitsuntersuchung, der Registrierung, der erkennungsdienstlichen Behandlung bis hin zur Asylantragsstellung, dem Bescheid und ersten Angeboten zur Beratung bei der Integration in den Arbeitsmarkt.

Integriertes Flüchtlingsmanagement

Für Armin Mörs ein überzeugendes Konzept: "Das integrierte Flüchtlingsmanagement als neues Instrument führt dazu, dass wir ganz schnell in der Lage sind, unkompliziert mit den anderen Behörden Absprachen zu treffen." Konkret bedeutet dies: Bei der Registrierung eines Asylbewerbers arbeiten das Bundesamt und die Zentrale Ausländerbehörde Hand in Hand. Dafür wird zur Hälfte Personal des Bundesamts und zur Hälfte kommunales Personal eingesetzt.

Oder es fehlen wichtige Unterlagen von Asylbewerbern, was laut Armin Mörs häufiger vorkommt. Bislang musste das Verfahren dann oft unterbrochen werden, weil die Unterlagen zunächst umständlich von anderen Dienststellen in Deutschland beschafft werden mussten. Und das konnte länger dauern. Heute liegt das erforderliche Dokument möglicherweise nur im Gebäude nebenan; das Asylverfahren kann also wesentlich schneller durchgeführt werden.

Quelle: Mit freundlicher Genehmigung des Bundespresseamtes

Datum 08.07.2016

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