Die Netzwerkerin , Datum: 26.11.2025, Format: Meldung, Bereich: Integration

Wenn sie einen Integrationskurs besucht, verstummt das Gemurmel bei den Teilnehmenden sofort und alle Augen sind auf sie gerichtet. Verena Zobel gewinnt Menschen oft mit ihrem Lächeln und einer Stimme, die singt: "Ja, Moin." Ein "Moin-Hallo-Guten-Tag" hallt nun zurück und begleitet sie an den Bankreihen vorbei zum Lehrertisch. Lehrerin Angela Onckels – Rentnerin, ehemalige Schulleiterin, seit 2024 Dozentin beim Bildungswerk Friesoythe, einer Kleinstadt in Niedersachsen, begrüßt die Besucherin.

Verena Zobels Kursprüfung beginnt. Aufgeregt sind dann immer alle. Die Lehrerin ist aber schnell wieder in ihrer Rolle. Damit die Teilnehmenden wissen, was Verena Zobel vorhat, erklärt sie es noch mal ganz genau, in einfachen Worten. Eine der teilnehmenden Frauen flüstert dazwischen - "Ich bin aufgeregt!"

"Das brauchen Sie wirklich nicht. Ich prüfe nicht Sie, sondern ich schaue, wie der Unterricht läuft, was für Bücher Sie nutzen, ob das Zimmer groß genug ist, all so etwas. Soll ich langsamer reden, damit Sie mich verstehen?", fragt Verena Zobel. Die Männer und Frauen nicken. Sie sind zwischen 25 und 50 Jahre alt und stammen aus Namibia, dem Irak oder Kolumbien. Neun Nationen im Deutschmodul 4. Noch zwei Module und sie werden den "Deutsch-Test für Zuwanderer" (DTZ) machen. Verena Zobel will ihnen die Angst nehmen. Darum sollen sich alle erst einmal vorstellen: Verena Zobel beginnt: "Ich bin 34 Jahre alt. Ich mache gern Yoga und bin gern in der Natur. Ich spreche Deutsch und Englisch. Außerdem habe ich Latein gelernt - das kann man aber nicht sprechen. Da hätte ich lieber Französisch lernen sollen." Die Klasse lacht. Vier Arme schnellen hoch, um sich als nächste in der Runde vorzustellen.

"Ich komme aus Homs, Syrien. Ich bin Frisör. Aber ich möchte lieber Krankenpfleger werden. Das ist mein Traum. Ich habe schon einen Praktikumsplatz. Meine Hobbies sind Schwimmen und Fitnessstudio", erzählt ein 25-Jähriger.

Zwei Frauen stehen vor einer Klasse. Verena Zobel (vorn r.) im Integrationskurs, Deutschmodul 4, im Bildungswerk Friesoythe e.V. mit Lehrkraft Angela Onckels Quelle: © BAMF

Menschen begleiten und Erfolge miterleben

Schon beim Vorstellungsgespräch 2019 im BAMF war Verena Zobel sich sicher: "Regionalkoordinatorin – hier in der Region möchte ich keinen Job lieber machen." Bis heute ist das so geblieben. So prüft sie die zehn Anbieter von Integrationskursen mit aktuell rund 510 Teilnehmenden in "ihren Landkreisen" Schaumburg und Cloppenburg, fährt quer durch die 20.000 Quadratkilometer und stellt sicher, dass die Kursträger gute Arbeit leisten, die Qualität der Kurse stimmt und "dass Steuergelder korrekt eingesetzt werden".

Der Spracherwerb gilt als Grundstein für gelingende Integration. Dies treibt Verena Zobel an: "Das gesellschaftlich Relevante – das lässt mich jeden Tag aufstehen. Ich begleite Menschen beim Integrieren, erlebe deren Erfolge. Das ist schön."

Vor Verena Zobel liegt während der Prüfung immer die Kurs-Checkliste des BAMF – fünf Seiten lang dokumentiert sie, kreuzt an, teils protokolliert sie. Zwischendurch steht sie leise auf, geht ringsum, schaut sich die Gruppenarbeit an. Nun, am Schluss der Unterrichtseinheit, schreibt sie noch ihre E-Mail-Adresse an das Whiteboard: "Wenn es hier im Kurs einmal Probleme geben sollte, dann schreiben Sie mir bitte. Damit ich schauen kann, dass es Ihnen schnell wieder gut geht!"

Feedback für die Träger

In der Pause sitzt die Dozentin mit Verena Zobel am Lehrertisch und ist neugierig auf die Außensicht der Regionalkoordinatorin. Verena Zobel erklärt das Prozedere ihrer Arbeit noch einmal, zum Beispiel, dass der Fokus vorrangig auf der Lernprogression der Teilnehmenden liegt. Das heißt übersetzt: ob diese sich in der richtigen Kursart und im richtigen Modul befinden.

Kurz darauf sitzen auch die Geschäftsführerin des Bildungswerkes Friesoythe, Nicola Fuhler, und ihre pädagogische Mitarbeiterin, Birgit Walker, mit Verena Zobel beisammen. Verena Zobel bespricht mit den beiden ihr Feedback und stellt weitere Fragen, zum Beispiel: "Wie oft machen Sie Exkursionen mit den Kursen?" Lernen außerhalb des Kursraums steht beim Bildungswerk Friesoythe regelmäßig auf dem Programm, erzählt Birgit Walker. Zuletzt ging es zum Beispiel auf den Wochenmarkt oder auf die Bildungsmesse, wo ein syrischer Kursteilnehmer eine Ausbildung als Mechaniker ergattern konnte.

Drei Frauen sitzen gemeinsam an einem Tisch. Verena Zobel erklärt Birgit Walker (links) und Nicola Fuhler (Mitte) vom Bildungswerk Friesoythe die Prüfungsergebnisse. Walker managt seit 2000 die Kurse; Fuhler leitet seit 2012 das Bildungswerk. Quelle: © BAMF

Eine Ansprechpartnerin für die Integrationsakteure vor Ort

Dass Verena Zobel nach dem Rechten schaut, ist aus Sicht der Geschäftsführerin richtig: "Klar sind Prüfungen für uns auch unangenehm. Aber für unser Gemeinwohl und zum Wohle der Teilnehmenden sind sie wichtig."

Als "Reko", wie die Regionalkoordinierenden des Bundesamtes kurz genannt werden, sei sie sehr nah an den Menschen vor Ort, so Verena Zobel. Dazu gehören in ihrem Fall auch rund vierzig Akteure aus zwei Landkreisen: alle Integrationskurs-Träger, aber auch Ausländerbehörden (ABH), Arbeitsämtern, Jobcentern, von Diakonie, Caritas, Migrationsberatungsstellen sowie Bildungskoordinierende der Kommunen und Städte.

Damit sind die Regionalkoordinatorinnen und -koordinatoren des BAMF ein entscheidender Faktor für das Gelingen der Integrationsarbeit in Deutschland. Ihre Präsenz vor Ort sorgt dafür, dass bundesweite Programme und Maßnahmen wirkungsvoll in die Praxis umgesetzt werden.

"Es ist sehr hilfreich, vor Ort eine direkte Ansprechpartnerin zu haben, schon über so viele Jahre. Frau Zobel ist präsent, wir können sie immer erreichen", so Nicola Fuhler. Frau Zobel hilft schnell, auch in vielen Einzelfallfragen, zum Beispiel, ob jemand wegen eines ärztlichen Eingriffs den Kurs unterbrechen und später wieder einsteigen kann. Oder ob der Kurs mit überwiegend muslimischen Teilnehmenden am Tag des „Zuckerfests“ ausnahmsweise ausfallen darf.

Netzwerktreffen: Lösungen für viele Fragen

Um die vielen Akteure und Kursträger immer rechtzeitig über gesetzliche oder organisatorische Neuerungen zu informieren, verschickt das Bundesamt regelmäßige "Trägerrundschreiben". Ob neue Kursarten, ein aktualisiertes Formular zur Abrechnung von Fahrtkosten, geänderte Abläufe für Prüfungen oder Kurszulassungen – die offiziellen Schreiben bündeln alle wichtigen Informationen und bieten den Trägern eine verlässliche Arbeitsgrundlage.

Zur Besprechung dieser allgemeinen Themen, aber vor allem auch um zu hören, wie es den Akteuren geht, gibt es pro Quartal in jedem Landkreis ein "Netzwerktreffen" mit allen Integrationskursakteuren. Diese Netzwerktreffen sind ein Herzstück der Reko-Arbeit. Beim jüngsten Treffen erläuterte Verena Zobel beispielsweise das neueste Trägerrundschreiben im Einzelnen. Außerdem fragt sie in die Runde, was es Neues gibt, welche Kurse von Trägern geplant werden und ob es irgendwo hakt.

Heute berichtet ein Vertreter des Jobcenters, dass es aktuell viele Wartende für Alphabetisierungskurse gibt. Es sind Informationen wie diese, die Verena Zobel nach diesem Treffen mitnimmt, um nach Lösungen zu suchen.

Wo die Fäden zusammenlaufen – zurück im Dienstgebäude Osnabrück

Nach 110 Kilometern Rückfahrt kommt Verena Zobel im Dienstgebäude in Osnabrück an, einem Standort der Außenstelle Bramsche. Dort möchte ihr Kollege, Bürosachbearbeiter Kamil Çakar, zwei Fälle mit ihr besprechen.

Ein Mann und eine Frau schauen gemeinsam in den Bildschirm eines Arbeitsplatzcomputers.  Kamil Çakar und Verena Zobel besprechen sich zu verschiedenen Anfragen von Trägern. Quelle: © BAMF

Immer wiederkehrende Fragen gibt es zu Fahrtkosten, Abrechnungen, zu Widersprüchen von Geflüchteten zu BAMF-Entscheidungen twa, wenn aktuelle Aufenthaltstitel noch nicht vorliegen. Aber ohne gültigen Aufenthaltstitel ist ein Integrationskurs nicht möglich. „Gold wert ist auch jeder Austausch mit Kamil, mit dem Team– und natürlich mit Reko-Kollegin Carina“, sagt Verena Zobel und lacht über ihren Schreibtisch – Carina Brockmüller schmunzelt. Grundsätzlich werden Abrechnungen, Sonderfälle oder schwierige Konstellationen nach dem Vier-Augen-Prinzip geprüft.

Zwei Frauen schauen gemeinsam in den Bildschirm eines Arbeitsplatzcomputers.  Regionalkoordinatorin Verena Zobel bei der Abstimmung mit ihrer Kollegin Carina Brockmüller. Quelle: © BAMF

Gerade will Verena Zobel näher auf eine aktuelle Anfrage eingehen, da bekommt sie eine E-Mail und freut sich: "Wir haben jetzt eine Lehrkraft mit Alpha-Zulassung, ein Träger hat eine gefunden. Nach etwas Organisation von mir kann der erste Kurs starten." Ein Glück fürs BAMF. Ein Glück für die Träger. Aber vor allem für die Teilnehmenden auf der Alpha-Warteliste, die dort schnell erste Wörter in Deutsch lernen werden. Ein neuer Integrationskurs – den Verena Zobel vielleicht auch bald besuchen wird.