Auf eine Tasse Kaffee – oder zwei , Datum: 27.11.2025, Format: Meldung, Bereich: Integration

Im Kölner ConnectCafé sind alle Menschen willkommen: Jung und Alt, Alteingesessene und Zugezogene, Geflüchtete und Nachbarn. Das Einzige was sie mitbringen müssen, ist Offenheit gegenüber anderen.

Schon eine Viertelstunde vor der offiziellen Öffnung ist im Flur der Ehrenamtsagentur "Ceno & die Paten e.V." kaum noch ein Durchkommen. Stimmengewirr mischt sich mit Lachen, Leute fallen sich in die Arme, Küsschen links, Küsschen rechts. Andere bleiben noch etwas abseitsstehen, mustern neugierig die Szenerie. Auf einer Kreidetafel steht in sorgfältiger Handschrift die heutige Kuchenauswahl: Nusskuchen und Schoko-Kirsch-Schnitten. Schnell sind die Plätze an den Tischen belegt. "Wer möchte Kaffee?", ruft ein junger Mann in die Runde, die Hand bereits am Griff der Kaffeekanne.

Doch das ConnectCafé ist mehr als ein Ort für Kaffee und Kuchen. Es ist ein Treffpunkt, der Begegnungen ermöglicht, Einsamkeit abbaut und Verständnis füreinander schafft. Hier entsteht ein nachbarschaftliches Netzwerk: zwischen Menschen mit Flucht- oder Migrationserfahrung und solchen, die ihr Leben lang im Kölner Stadtteil Deutz verwurzelt sind. Gefördert wird das Projekt im Auftrag des Bundesministeriums des Innern im Rahmen des Bundesprogramms "Gesellschaftlicher Zusammenhalt" (BGZ). Es soll Gemeinschaft stärken, jenseits von Herkunft, Sprache oder Alter.

Malakeh Al Mohamad steht an diesem Nachmittag mit grauer Schürze im Flur des ConnectCafés. Ein Bild, das ihre Haltung gut zusammenfasst: bereit anzupacken, mit offenen Armen und offenem Herzen. Vor acht Jahren kam die Englischlehrerin und Journalistin aus Syrien nach Deutschland. Fast genauso lange setzt sie sich schon für andere Geflüchtete ein, begleitet sie zu Arztterminen, unterstützt sie beim Deutschlernen. Im ConnectCafé ist sie "wie ein Rolling Stone", sagt sie lachend, ständig in Bewegung und überall dort, wo sie gebraucht wird. Für viele hier ist sie ein vertrautes Gesicht und ein lebendiges Beispiel dafür, wie Engagement Leben bereichern kann.

Begegnungsorte: Küche, Café, Garten

Mehrere Personen sitzen gemeinsam an einem Tisch. Eine stehende Frau reicht einer der sitzenden Personen eine Kaffeetasse. Projektleiterin Nora Menebröcker (rechts) verteilt Kaffee an die Gäste. Auch für einen kurzen Plausch ist immer Zeit.  Quelle: © BAMF | Kristin Kasten

Mit ihrer Energie und Herzlichkeit zeigt Malakeh Al Mohamad, worum es in den ConnectCafé geht: Für andere da sein und Brücken bauen. Im Kölner Stadtteil Deutz schafft die Ehrenamtsagentur mit dem wöchentlichen Café, der Connect Küche, in der zweiwöchentlich gekocht wird, und dem Gemeinschaftsgarten Orte gelebter Nachbarschaft. "Diese ConnectSpaces sind unsere Begegnungsräume", erklärt Nora Menebröcker, 32, die das Projekt gemeinsam mit ihrer gleichaltrigen Kollegin Sarah Est ins Leben gerufen hat und leitet.  "Am Anfang haben wir noch Flyer verteilt und in Sprachschulen oder Seniorennetzwerken Werbung gemacht", sagt Menebröcker. "Heute läuft das meiste über Mund-zu-Mund-Propaganda: Die Leute bringen einfach ihre Freunde, Nachbarn oder Bekannten mit."

Seit rund eineinhalb Jahren wachsen hier offene Formate, getragen von Ehrenamtlichen, die backen, kochen, gärtnern oder einfach zuhören. "Im Café treffen sich Menschen, die sonst wahrscheinlich nicht zusammenkommen würden", so Menebröcker. "Geflüchtete lernen Deutsch, Senioren finden Anschluss, Nachbarinnen und Nachbarn aus Deutz knüpfen Kontakte." Was entsteht, ist ein lebendiges Netzwerk, das weit über die wöchentlichen Treffen hinaus wirkt.

Siegfried Kruber, 71, den hier alle "Siggi" nennen und der drei Häuser weiter wohnt, hat heute Nusskuchen mitgebracht. Zusammen mit seiner Frau Margot gehört der Rentner zu den Stammgästen des ConnectCafés und längst auch zu den festen Mitgestaltern. Alles begann, als eine Nachbarin das Ehepaar fragte, ob sie beim Anlegen der Hochbeete auf der Terrasse vor dem Café helfen könnten. "Wir haben da ein bisschen gärtnerische Erfahrung und gesagt: ‚Klar, machen wir.‘" Seitdem sind sie regelmäßig dabei: beim Gießen, Pflanzen setzen, Ernten und auch beim Backen für das Café.

"Wir kommen her, lernen neue Leute kennen, quatschen, lachen", sagt Margot Kruber. Siegfried nickt. "Zwischen den Aktionen im Garten oder in der Küche kommt man automatisch ins Gespräch. Da wird gefragt, erklärt, gezeigt, manchmal auf Deutsch, manchmal mit Händen und Füßen oder mit dem Smartphone übersetzt." Die beiden spüren, dass das ConnectCafé mehr ist als nur ein Treffpunkt. "Es ist ein Stück Nachbarschaft, ein Ort, an dem Menschen miteinander ins Gespräch kommen", sagt Margot Kruber. "Wir sind ohne große Erwartungen hierhergekommen. Und jetzt können wir es nicht mehr lassen."

Einander zuhören, voneinander lernen

Mehrere Personen sitzen an einem Tische und unterhalten sich. Gemeinsam ins Gespräch kommen: Austausch über Generationen und Kulturen hinweg. Quelle: © BAMF | Kristin Kasten

Mitten im Café sitzt Nikolai Khavkin zwischen zwei älteren Damen, während sie über seine frisch geschnittenen Haare diskutieren. "Mit längeren Haaren hat er uns besser gefallen", sagt eine von ihnen lachend. Khavkin schmunzelt. Der 38-Jährige kommt aus Russland und lebt seit eineinhalb Jahren in Köln.

Ursprünglich wollte er vor allem Deutsch lernen, doch schnell wurde das Café für ihn mehr: ein Ort des Austauschs und der kleinen Freundschaften. Die beiden älteren Damen sind ihm ans Herz gewachsen. "Sie haben Geduld, hören zu, und mit ihnen kann man über alles Mögliche reden. Ich lerne viel von ihnen, nicht nur die Sprache." Für Nikolai Khavkin ist das ConnectCafé ein Raum, in dem er immer willkommen ist.

Am Ende des Nachmittags werden die Tische langsam leerer, Tassen werden abgeräumt, es geht ans Verabschieden. Die Teilnehmenden stehen auf, umarmen sich herzlich, lachen über kleine Anekdoten des Tages und bedanken sich bei den Ehrenamtlichen. Es ist ein Moment des Zusammenhalts, in dem man spürt, dass alle Anwesenden nicht nur Gäste sind, sondern Teil eines lebendigen Miteinanders.

Nora Menebröcker schaut noch einmal in die Runde und sagt: "Es ist einfach schön zu sehen, wie hier alle zusammenkommen und einfach Mensch sein dürfen."

 

Text: Kristin Kasten


Hinweis

Das Projekt "ConnectSpaces" hatte es im Rahmen des jährlich stattfindenden BGZ-Wettbewerb im Jahr 2025 unter die 10 Finalistinnen und Finalisten geschafft.

Hier finden Sie mehr Informationen zum BGZ-Wettbewerb und den Gewinnerinnen und Gewinner des diesjährigen BGZ-Wettbewerbs.