BAMF - Bundesamt für Migration und Flüchtlinge - Projekt des Monats - Berlin: Neukölln gemeinsam gestalten

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Berlin: Neukölln gemeinsam gestalten

Integrationsprojekt des Monats Mai

Datum 23.05.2014

Der Berliner Bezirk Neukölln ist bundesweit bekannt - vor allem durch seine Probleme. Dabei steckt viel Potenzial in diesem Teil der Hauptstadt. In Neukölln leben über 300.000 Menschen aus über 150 Nationen. Im Norden des Bezirks hat jeder zweite Einwohner einen Migrationshintergrund. In den kommunalen Gremien aber sitzen oft nur wenige Vertreter der Einwanderer. Das Projekt Neukölln Gemeinsam Gestalten will das ändern.

Aller Anfang ist schwer. Besonders, wenn es um das komplizierte deutsche Vereinswesen geht. Aber jeder Anfang beginnt mit einem ersten Schritt. Und dieser führte eine Gruppe von tamilischen Frauen zu den Mitarbeiterinnen des Projektes Neukölln Gemeinsam Gestalten. Drei Generationen von tamilischen Frauen möchten wissen, wie sie einen Verein gründen können. Die Älteren wollen einen Treffpunkt haben, die Jüngsten einen Ort, wo sie sich mit ihrer Sprache und Kultur beschäftigen können, und die mittlere Generation schließlich will als Brücke zwischen den Generationen sowie in die deutsche Gesellschaft fungieren. Nun sind sie dabei, einen Frauenverein zu gründen. Annette Wallentin und Elif Yeşilgöz vermitteln ihnen alles, was sie dazu wissen müssen. Die Hilfestellung durch das Projekt endet aber nicht mit der Vereinsgründung. Wallentin und Yeşilgöz begleiten die Vereine auch über die Gründungsphase hinaus. Sie besuchen bestehende Vereine und informieren sie über Vereinsstruktur, Aufgaben, Projektanträge und Öffentlichkeitsarbeit.  

Ein Plakat welches von den Projektteilnehmern selbst gestaltet worden ist zeigt eine Sonne mit gesammelten Ideen zu Möglichkeiten sich in der Gesellschaft zu beteiligen.Ergebnis eines Brainstormings der Projektteilnehmer Quelle: Nachbarschaftsheim Neukölln

Für Mitbestimmung ist nicht immer ein deutscher Pass erforderlich

Vordergründig geht es im Projekt Neukölln Gemeinsam Gestalten darum, Menschen darüber zu informieren, welche Einflussmöglichkeiten sie  im Bezirk haben. Viele, so Wallentin und Yeşilgöz, wüssten nicht, dass sie auch ohne einen deutschen Pass auf kommunaler Ebene mitbestimmen können, so zum Beispiel in Quartiers-Gremien, Mieterbeiräten oder auch in Elternvertretungen in Schulen.

"Zum Beginn der Schuljahre führen wir eine 'Workshop-Tournee'durch einen Großteil der Neuköllner Grundschulen durch, um die gewählten Elternsprecher zu qualifizieren", sagt Wallentin. Und ihre Kollegin Yeşilgöz besucht regelmäßig Elterncafés in Grundschulen, um dort die Mütter und Väter bei der Wahrnehmung ihrer Mitspracherechte zu unterstützen. "Ich erkläre ihnen", sagt Yeşilgöz, "was es bedeutet, Elternvertreter zu sein, dass man in der Schulvertretung etwas bewegen kann". Oft gebe es sprachliche Hemmnisse bei den Eltern, aber dennoch hätten sich an einigen Schulen Mütter zu Elternsprecherinnen wählen lassen. Die Mitarbeit in der Elternvertretung betrachten Yeşilgöz und Wallentin als den ersten und leichtesten Schritt für soziales Engagement. Sie sei sehr lebensnah und gleichzeitig  seien die Eltern durch diese ehrenamtliche Arbeit gute Vorbilder für ihre Kinder.  Dennoch sei die Beratungsarbeit schwierig gestartet. "Am Anfang mussten wir Schulleitungen, Gesamtelternvertreter, manchmal auch Schulsozialarbeiter von unserem Angebot überzeugen", berichtet Wallentin. Mittlerweile aber würden Schulen selbst anrufen und nach Beratungen fragen.

Politische Einflussnahme lernen

Für Menschen, die sich bereits in Elternvertretungen oder Vereinen engagieren, bietet das Projekt in Kooperation mit der Volkshochschule Neukölln die Qualifizierungskursreihe "Einmischen – Mitreden – Verändern" an. Hier lernen die Teilnehmer das Handwerkszeug des politischen Engagements, z.B. Sitzungen moderieren, Finanzanträge stellen und Öffentlichkeitsarbeit. Auch werden ihnen Wege vorgestellt, wie sie Einfluss auf die Politik der Bezirksverordnetenversammlung nehmen können.

Ein Mann steht von einer Gruppe Menschen, im Hintergrund stehen Rollup Displays, er eröffnet die Fotoportraitausstellung des Projektes. Eröffnung der Fotoportraitausstellung Quelle: Nachbarschaftsheim Neukölln

Portraits von engagierten Neuköllnern als Wanderausstellung

"Es schwebt über diesem Projekt das Vorurteil, die Migranten tun ja nichts", sagt Wallentin. Dass es in Nord-Neukölln aber selbstverständlich Migranten gibt, die sich sehr erfolgreich gesellschaftlich engagieren, das zeigt die Fotoausstellung "Wir sind Neukölln! Engagierte Einwanderer/innen im Portrait". Unter den Fototafeln der portraitierten elf Personen ist auch zu lesen, was Neukölln für sie bedeutet und warum sie sich engagieren. Die Ausstellung wird in diesem Jahr noch in verschiedenen Senatsverwaltungen und im Roten Rathaus, dem Amtssitz des Regierenden Bürgermeisters von Berlin, zu sehen sein und ist bis weit ins nächste Jahr hinein ausgebucht.

Interkulturelle Öffnung der kommunalen Gremien bleibt das Ziel

Knapp ein Jahr nach Beginn kann das Projekt schon viele Erfolge vorweisen. Basierend auf ihrer bisherigen Erfahrung entwickeln Wallentin und Yeşilgöz zurzeit einen Leitfaden für Neueinsteiger in die Gremienarbeit mit Tipps und Hinweisen, die das formalisierte Zusammenarbeiten in Gremien erläutern. Bis zum Ende der zweijährigen Förderung sollen die Ergebnisse der gesamten Arbeit in einem Handbuch zusammengetragen werden, das in einer Fachtagung der breiten Öffentlichkeit vorgestellt wird. Damit wollen die Projektverantwortlichen Wallentin und Yeşilgöz zweierlei erreichen: Migranten den Weg in die Gremien aufzeigen, aber auch Gremien dafür sensibilisieren, sich um die Mitarbeit von Migranten zu bemühen. Denn nur wenn sich beide Seiten bewegen, kann sich die Vielfalt des Bezirks auch in den kommunalen Gremien niederschlagen.

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